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Michendorf Das Wunder von Michendorf
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12:18 15.02.2019
Pfarrer Michael Dürschlag mit dem Buch, das er den Pforzheimern schenken will. Links neben ihm das Nagelkreuz, das nun zurückgegeben wird. Quelle: Jens Steglich
Michendorf

Gymnasiasten bringen friedensstiftende Worte unter die Leute, hängen Plakate und Abrisszettel mit Versöhnungszitaten an Straßenlaternen, in Gaststätten und Geschäften auf. Kinder aus der Grundschule gestalten Skulpturen, um für ein Miteinander zu werben, und Menschen, alte und junge, versammeln sich ein Jahr lang jeden Freitag in Kirchen, an Friedhöfen oder am Aldi-Parkplatz, um das Friedensgebet von Coventry zu sprechen. Kein Zweifel: Die Evangelische Kirchengemeinde Michendorf-Wildenbruch und die Menschen, die beteiligt waren, haben ein bemerkenswertes Jahr erlebt. Eins, das so nicht wieder kommen wird und ganz im Zeichen des Nagelkreuzes stand, dem Symbol der Versöhnung, die auch zwischen Menschen und Völkern möglich ist, die sich im Krieg Schreckliches angetan haben.

Die Michendorfer waren ein Jahr Teil dieser weltweiten Bewegung, die der Domprobst von Coventry anstieß, als er im November 1940 nach der Zerstörung der britischen Stadt und seiner Kathedrale durch die deutsche Luftwaffe mit einer ungewöhnlichen Geste auf den brutalen Angriff reagierte. Er ließ die Worte „Vater vergib“ in die Chorwand der Ruine einmeißeln und drei große Zimmermannsnägel aus dem Dachstuhl der Kathedrale bergen, um sie zu einem Kreuz zu formen.

Schüler des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums brachten friedensstiftende Worte unter die Leute. Sie hängten Plakate und Abrisszettel mit Versöhnungszitaten an Straßenlaternen, in Geschäften und Gaststätten auf. Ein großes Zitat ließen sie an der Eisenbahnbrücke anbringen: „Die Menschen bauen viele Mauern und zu wenige Brücken.“. Quelle: Jens Steglich

Das Nagelkreuzjahr der Michendorfer geht jetzt zu Ende. Am Sonntag kehrt das Wandernagelkreuz, das ihnen die Partnergemeinde in Pforzheim für ein Jahr anvertraut hatte, dorthin zurück. Zwei Pforzheimer werden es beim Gottesdienst in der Michendorfer Kirche in Empfang nehmen, um es nach Hause zu holen. Pfarrer Michael Dürschlag wird ihnen noch ein reich bebildertes Buch mit auf den Weg geben. Ein Buch, in dem er dokumentiert hat, was in Michendorf passiert ist, als dort Menschen mit dem Nagelkreuz unterwegs waren. Eine Seite hat der Pfarrer frei gehalten, das Jahr ist schließlich noch nicht ganz zu Ende. Die Bilder von der Abschlussveranstaltung am Freitagabend im Gemeindezentrum „Apfelbaum“ und die vom Gottesdienst am Sonntag in der Kirche, wenn das Nagelkreuz verabschiedet wird, sollen die freie Stelle im Buch füllen.

„Sei der Grund, das heute jemand lächelt“

Die Rückgabe des Nagelkreuzes „wird ein Moment der Wehmut sein, aber auch einer der Freude und Dankbarkeit über das, was war“, sagt der Pfarrer. Er spricht von einer segensreichen Erfahrung und weiß, dass sie sich so nicht wiederholen lässt. „Ereignisse empfangen ihre Würde damit, dass sie einmalig sind“, sagt er. Am Freitagabend im „Apfelbaum“ soll mit einer Bilderschau auf das Nagelkreuzjahr zurückgeschaut werden, das am 23. Februar 2018 begann, als die Michendorfer in Pforzheim das Versöhnungssymbol anvertraut bekamen. An dem Tag erinnern die Pforzheimer jedes Jahr an die Zerstörung ihrer Stadt, deren Kirchengemeinde seit 2005 ein Nagelkreuzzentrum ist. Pforzheim war am 23. Februar 1945 von 379 britischen Bombern in Schutt und Asche gelegt worden. 17 600 Menschen starben bei dem Angriff, der nur 22 Minuten dauerte.

Plakate mit Versöhnungszitaten werden versteigert

Den Versöhnungsgedanken der Nagelkreuzbewegung holten junge Leute des Wolkenberg-Gymnasiums in den Alltag, als sie im Juni 2018 auf Plakaten, Visitenkarten und Abrisszetteln in Michendorf Botschaften wie diese verbreiteten: „Sei der Grund, dass heute jemand lächelt.“ Einige dieser Plakate mit Versöhnungszitaten sowie Bilder und Skulpturen, die Michendorfer Grundschüler zu dem Thema geschaffen haben, werden am Freitagabend im „Apfelbaum“ zugunsten einer Schulstiftung versteigert.

Vom Michendorfer Nagelkreuzjahr, in dem mit zahlreichen Andachten, Konzerten, Ausstellungen, Ausflügen und bemerkenswerten Projekten und Aktionen der Versöhnungsgedanke gefeiert wurde, „bleibt mehr in Erinnerung, als in das Buch hineinpasst“, sagt Pfarrer Dürschlag. „Das wirkliche Wunder ist, wie viele Menschen sich an den Friedensgebeten beteiligt haben“, sagt er. Ein Jahr lang, jeden Freitag um 18 Uhr, trafen sich unterschiedliche Menschen an verschiedenen Orten, um das Versöhnungsgebet von Coventry zu sprechen. So kam es, dass in Kirchen, auf Friedhöfen, im Michendorfer Rathaus, am Seddiner See oder auch am Aldi-Parkplatz jede Woche Worte wie diese zu hören waren: „Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse – Vater, vergib.“

Seit mehr als 50 Jahren Partnerschaft mit Pforzheim

Die Kirchengemeinde Michendorf-Wildenbruch ist seit mehr als 50 Jahren in Partnerschaft mit der Kirchengemeinde in Pforzheim verbunden. Diese ist seit 2005 ein Nagelkreuzzentrum.

Der Gedenktag an die Bombenopfer in Pforzheim am 23. Februar war lange mit einer außergewöhnlichen Versöhnungsgeste verbunden. Ausgesendet hat sie John Wynne, ein britischer Pilot, dessen Maschine im März 1945 in der Region Pforzheim schwer getroffen wurde. Sechs seiner Kameraden wurden damals am Boden von Deutschen erschossen oder erschlagen.

Der Brite, der den Krieg überlebte, ließ immer am 23. Februar, dem Tag, als britische Bomber die deutsche Stadt zerstörten, die Arbeit ruhen und einen Kranz mit gelben Narzissen an der Gedenkstätte in Pforzheim niederlegen.

Die letzten Veranstaltungen im Michendorfer Nagelkreuzjahr finden am Freitag, 19.30 Uhr, im Gemeindezentrum „Apfelbaum“ und am Sonntag, 9.30 Uhr, in der Kirche in Michendorf statt.

Von Jens Steglich

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