Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Michendorf Wo Menschen schweben und Hände fliegen
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Wo Menschen schweben und Hände fliegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:22 08.01.2019
Fürs Foto haben sie schon mal weiße Handschuhe angezogen: Hans-Jochen Röhrig, Bernhard Ehrentraut, Annelie Dessombes, Helga Kurjatschy (v.l.). Quelle: Jens Steglich
Michendorf

Das Projekt ist gerade gestartet, an Proben ist noch nicht zu denken, und doch sind die Frauen und Männer, die mit dem Licht und der Dunkelheit spielen wollen, schon für Auftritte gebucht. Der Chef des Caputher Rewe-Marktes will sie zum Beispiel zu Halloween engagieren. Was ist da ihre Aufgabe? „Wir sollen im Wald spuken und die Kinder erschrecken“, sagt Bernhard Ehrentraut, Vorsitzender des Kunstvereins Michendorf. Vorsichtshalber fügt er noch hinzu: „Keine Angst: Es wird nicht laut. Es werden nur Hände zu sehen sein oder Gerippe.“ Hände von den Akteuren des Schwarzlichttheaters, das gerade in den Gemeinden Michendorf und Seddin See entsteht.

Bei dem Projekt des Kunstvereins gilt die Maßgabe: Der Weg ist das Ziel. Die Mitstreiter fangen bei Null an. Bevor die erste Aufführung Ende Oktober zu sehen ist, wird erst einmal gebaut, genäht und geübt. Fast alles, was fürs Schwarzlichttheater gebraucht wird, soll mit den eigenen Händen hergestellt werden – vieles davon in den Werkstätten der gemeinnützigen GmbH Kubus, die sich in Räumen im Michendorfer Bahnhof um Langzeitarbeitslose kümmert. Bei den Kostümen hat Helga Kurjatschy aus Neuseddin den Hut auf. Die Kopfkapuzen, die beim Schwarzlichttheater die Gesichter unsichtbar machen sollen, sind schon entworfen. „Als Sehschlitze habe ich Fliegenvorhänge eingenäht“, sagt sie.

Das Schwarze wird unsichtbar

Das Prinzip ist klar: „Das Schwarze wird unsichtbar. Es muss also alles schwarz sein, außer das, was man sehen soll“, erklärt Annelies Dessombes vom Kunstverein. Sicht- und unsichtbar werden die Dinge, wenn das UV-Licht ins Spiel kommt. „Weiße und neonfarbene Kleidung und Gegenstände springen dann grell ins Auge und entführen den Zuschauer in eine Welt der Illusion“, sagt Ehrentraut. So können Hände und Füße getrennt vom Körper ein Eigenleben entwickeln, Menschen scheinbar über die Bühne schweben oder Kugeln wie von Geisterhand gesteuert hin und her fliegen.

Für das Schwarzlichttheater gibt es zwei Projektgruppen: eine in Michendorf und eine in der Gemeinde Seddiner See, die sich eines Tages aber auch vereinen können. Was später einmal sein wird, ist für Ehrentraut Zukunftsmusik. Und allen in Michendorf, die jetzt sagen, „wir haben doch schon zwei Theater“, erklärt er: „Es ist nur eine neue Kunstform, kein neues, eigenes Theater.“

Bühne, Kostüme und Technik des Schwarzlichttheaters, also alles, was jetzt gebaut und genäht wird, sollen kostenfrei ausleihbar sein. Wer will, kann das Spiel mit Licht und Dunkelheit zum Beispiel bei Dorffesten selbst ausprobieren. Für das schwarze Spektakel gibt es bereits grünes Licht vom Landkreis, der das Projekt mit gut 5000 Euro aus dem Programm „Aktiv sein im Alter“ fördert.

Senioren und Kinder sollen die Hauptrollen übernehmen

Die Hauptrollen im Schwarzlichttheater sollen Senioren und Kinder übernehmen. Geplant ist auch, von Kubus betreute Langzeitarbeitslose mit auf die Bühne zu holen. Weil die Darsteller nicht sichtbar sind und auch keine Texte sprechen, „sind die Hemmschwellen geringer“, sagt Ehrentraut. Die Premiere im schwarzen, transportablen Bühnenpavillon ist beim Herbstfest des Kunstvereins im Oktober im Wilhelmshorster Gemeindezentrum zu sehen.

Dafür wird extra ein Stück geschrieben – passend zum Fontanejahr nach der Fontane-Ballade „Die Brück’ am Tay“, die vom Einsturz der „Firth-of-Tay-Brücke“ in Schottland im Jahr 1879 handelt. Einer soll und darf im ersten Michendorfer Schwarzlichttheater-Stück doch laut und deutlich zu hören sein. Schauspieler Hans-Jochen Röhrig wird zum pantomimischen Lichtspiel aus der Ballade lesen. „Wir haben auch die Erlaubnis, seine Lesung aufzunehmen“, sagt Annelies Dessombes: „Wenn er bei anderen Vorstellungen mal nicht dabei sein kann, kommt die Stimme vom Band.“

Schwarzlichttheater

Schwarzlichttheater ist eine besondere Form des Theaterspiels, bei dem auf einer verdunkelten Bühne mit schwarzem Hintergrund agiert wird. Als einzige Lichtquelle dienen UV-Lampen, die allein weiße oder neonfarbene Dinge zum Leuchten bringen und sichtbar machen.

Da schwarzgekleidete Spieler nicht erkennbar sind und keinen Text sprechen müssen, „kann auch der Schüchternste sich entfalten und ohne Hemmungen auf der Bühne bewegen“, sagt Bernhard Ehrentraut vom Kunstverein.

Für das Projekt will der Verein auch mit Schulen und Kitas kooperieren.

Von Jens Steglich

Heute wird es stürmisch in Potsdam. Der Deutsche Wetterdienst hat eine Warnung herausgegeben, die vorerst bis Mittwochnacht gelten soll.

08.01.2019

Für den Bau des Radweges an der L 77 bei Langerwisch wird die Zeit knapp. Die Lösung eines Entwässerungsproblems ist blockiert. Der Landesstraßenbetrieb schlägt Alarm und setzt der Gemeinde Michendorf eine Frist.

07.01.2019

Die Michendorfer Tanzkommune hat am Samstag das neue Jahr begrüßt – mit Volkstänzen aus aller Welt. In Langerwisch, dem Zentrum der Tanzbewegung, wird ihr bald sogar so etwas wie ein Denkmal gesetzt.

06.01.2019