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Michendorf Radfahrer überfahren: Sechs Monate auf Bewährung
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Radfahrer überfahren: Sechs Monate auf Bewährung
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00:38 20.04.2018
Der Unfallort am 8. Dezember 2016 – acht Monate später starb der Radfahrer an den Folgen des Zusammenstoßes. Quelle: Julian Stähle
Potsdam/Michendorf

Wenn er ihn nur gesehen hätte – ungezählte Male hat René R. dieses „Wenn“ beschworen. „Ich hätte doch sofort gebremst!“ Aber René R. hat den Mann, der die Bundesstraße 2 am Abzweig nach Michendorf überqueren wollte, nicht gesehen. Nicht sein Fahrrad. Nicht die rote Ampel.

Am 8. Dezember 2016 hat René R. mit seinem Laster einen Menschen überfahren. Nun sitzt er im Potsdamer Amtsgericht. Dem 54-jährigen Berliner wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Dafür sieht das Gesetz eine Geld- oder eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor.

Die Ampel, die den beiden Männern zum Verhängnis wurde: Der Lkw-Fahrer sagt, er habe das rote Licht nicht gesehen, nur das grüne. Quelle: Julian Stähle

„Ich habe ihn nicht gesehen“, beteuert René R. immer wieder. „Mir kam die Sonne entgegen – sie hat mich so geblendet, dass ich auch die rote Ampel nicht gesehen habe.“ Die Ampelanlage an der Unfallstelle ist dreifach ausgeführt: So gibt es für alle, die auf der B2 weiterfahren, eine Ampel direkt über der Geradeaus-Spur und eine weitere am rechten Straßenrand – dort sind allerdings auch die Rot-Gelb-Grün-Pfeile für die Rechtsabbieger installiert. Als René R. von Potsdam kommend mit etwa 60 Stundenkilometern – langsamer als dort erlaubt – auf die Kreuzung zuhält, gilt für die B 2 gerade Rot, für die Rechtsabbieger aber Grün. René R. sagt, er habe nur diesen grünen Schein gesehen und für sein Signal gehalten: „Ich war mir sicher, dass bei mir Grün war.“ R. war das erste Mal auf der Strecke unterwegs.

Er will sofort zum Verletzten

Augenzeugen, die sehen, dass sich eine Katastrophe anbahnt, hupen. „Ich habe auch kein Gehupe gehört“, sagt René R. kopfschüttelnd. Musik habe er nicht angehabt, denn das Radio sei kaputt gewesen, der Lkw sei auch nicht besonders laut. Der Radfahrer, der vom Wald her nach Michendorf übersetzen wollte, sei für ihn plötzlich von links hinter dem großen Außenspiegel des Lastwagens aufgetaucht. Sicher, da habe er gebremst – vergebens. „Ich habe nicht mal den Motor ausgemacht, ich bin sofort ausgestiegen und wollte zu dem Verunglückten. Es kam aber schon jemand, der sagte, ich soll besser zurückgehen und die Firma anrufen.“ Als René R. den Sani-Kasten aus dem Laster holen und zu den Ersthelfern bringen will, versagen ihm die Knie. „Ich war nicht in der Lage dazu“, sagt er leise.

Nach dem Unfall ein Pflegefall

Klaus-Peter A. ist an jenem Dezembertag 72 Jahre alt und verlässt sich darauf, dass er die viel befahrene B 2 bei Grün gefahrlos queren kann. Er erleidet schwere Hirnverletzungen und eine Beckenfraktur. Der Hubschrauber bringt ihn in die Klinik, er wird ein Pflegefall, kehrt nie wieder nach Hause zurück. Am 2. August 2017, acht Monate nach dem Unfall, stirbt er an einer Lungenentzündung. – Trägt René R. die Schuld an seinem Tod? Verteidigerin Ulrike Martinius sagt: nein. Klaus-Peter A. war Ende Mai 2017 mit seinem Rollstuhl eine Treppe hinabgestürzt. Die Ärzte diagnostizieren eine Platzwunde am Kopf. „Sein Allgemeinzustand verschlechterte sich erheblich“, argumentiert die Anwältin. „Er war auf dem Weg der Besserung und kam nach dem Sturz auf die Intensivstation – ich habe Zweifel an der Zurechenbarkeit. Der Sturz liegt außerhalb der Verantwortung meines Mandanten.“

René R. hat am 8. Dezember 2016 mit seinem Lkw einen die B2 querenden Radfahrer erfasst und wurde nun verurteilt. Quelle: Friedrich Bungert

Der Rechtsmediziner Johannes Neumann hat A.s Leichnam obduziert und kommt zu einem anderen Schluss. Demnach habe A. durch das 2016 erlittene Schädel-Hirn-Trauma Schluckstörungen gehabt, eine Lungenentzündung sei da eine häufige Komplikation, zumal bei längerer Bettlägerigkeit. A.s Tod sei eine Folge der Hirnverletzung – also des Unfalls.

Rene R. sieht aus, als ob er das alles gar nicht mehr hören möchte. „Ich will das endlich hinter mich bringen“, sagt er beim Warten aufs Urteil. Richterin Bettina Thierfeldt verurteilt ihn zu sechs Monaten auf zwei Jahre Bewährung. Er muss zudem 1000 Euro an die Verkehrswacht zahlen. Mehrmals hat R. unmittelbar nach dem Unfall versucht, sich bei Klaus-Peter A. im Krankenhaus zu entschuldigen. „Seine Frau hat mich weggeschickt“, sagt er.

Lkw fährt René R. heute nicht mehr. So wie er einen Radfahrer sehe, sei Schluss. Er war deshalb in Behandlung: „Auch für mich ist eine Welt zusammengebrochen.“

Weniger Verkehrsunfälle, aber mehr Schwerverletzte

Das Straßennetz der Polizeiinspektion Potsdam (PI) – dazu gehören die Landeshauptstadt und die angrenzenden Gemeinden Werder, Teltow, Kleinnachnow und Stahnsdorf – umfasst 63,1 Kilometer Bundesstraßen, 136,6 Kilometer Landesstraßen sowie 50,7 Kilometer Kreisstraßen.

Verkehrsunfälle hat die PI für das Jahr 2017 insgesamt 8186 registriert, im Jahr 2016 waren es 8419 Verkehrsunfälle.

Verletzt wurden bei den Verkehrsunfällen 2017 insgesamt 1090 Personen, davon 149 schwer. Im Jahr 2016 wurden 1190 Personen verletzt, davon 127 schwer.

Verkehrstote waren 2017 sieben zu beklagen, 2016 waren es fünf.

Radfahrer waren 2017 an 649 Unfällen beteiligt, dabei wurden 461 Radler verletzt und zwei getötet. 2016 waren es 665 an Unfällen beteiligte Radfahrer: 498 wurden verletzt, getötet wurde keiner.

Kinder gelten als besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer. 2017 verunglückten 90, im Jahr 2016 waren es 106. In beiden Jahren wurde kein Kind getötet. 2017 wurden 49 der Unfälle von den Kindern selbst verursacht; die Kinder waren bei 76 Unfällen mit dem Rad beteiligt. nf

Von Nadine Fabian

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