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Michendorf Versöhnungszitate an Eisenbahnbrücken
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Versöhnungszitate an Eisenbahnbrücken
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21:02 14.06.2018
Für das erste Zitat haben sie sich einen besonderen Ort ausgesucht: Die Michendorfer Eisenbahnbrücke an der Potsdamer Straße. Quelle: Jens Steglich
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Michendorf

Das hat Michendorf noch nicht erlebt: Am Freitag schwärmen junge Menschen aus dem Wolkenberg-Gymnasium aus, um im Ort und im benachbarten Wildenbruch 100 Plakate aufzuhängen. Sie verteilen auch Visitenkarten unter den Leuten und bringen Abrisszettel in Geschäften, Gaststätten, Schulen und Kirchen an. Es sind Plakate und Visitenkarten mit besonderen Botschaften. Und auch auf den Abrisszetteln stehen keine Telefonnummern, sondern Zitate wie dieses hier: „Ein langer Streit beweist, dass beide Seiten Unrecht haben.“ Oder: „Das Leben ist zu kurz für ’irgendwann’.“ Es kann auch sein, dass der Kunde zum Beispiel im Edeka-Markt auf dem Abrissstreifen eine Aufforderung findet: „Sei der Grund, dass heute jemand lächelt.“

„Die Botschaft ist: Geht friedlich miteinander um“

„Die Botschaft ist: Geht friedlich miteinander um“, sagt Anne Wagner. „Die Menschen sollen mal inne halten und nachdenken und dabei überlegen, dass man bei einem Streit auch den ersten Schritt tun kann“, fügt Laura Mrozek hinzu. Den ersten Schritt, um sich zu versöhnen. „Versöhnungszitate im öffentlichen Raum“ heißt denn auch das Schulprojekt am Wolkenberg-Gymnasium, mit dem sich 13- und 14-jährige Schüler aus dem Religionsunterricht an dem Programm beteiligen, mit dem in Michendorf die friedensstiftende Symbolik des Nagelkreuzes erlebbar gemacht und gefeiert wird. Die Kirchengemeinde Michendorf-Wildenbruch ist noch bis Februar 2019 ein Jahr lang Teil der Nagelkreuz-Bewegung, die Wunden der Geschichte heilen und einstige Feinde versöhnen will.

Ihren Ursprung hat diese Bewegung im britischen Coventry, das die deutsche Luftwaffe im November 1940 samt der Kathedrale in Schutt und Asche legte. Der damalige Domprobst des zerstörten Gotteshauses reagierte mit einer ungewöhnlichen Geste auf den brutalen Angriff: Mitten im Krieg lässt er die Worte „Vater vergib“ in die Chorwand der Kirchenruine meißeln und drei große Zimmermannsnägel aus dem Dachstuhl der Kathedrale bergen, um sie zu einem Kreuz zu formen. Es war der Beginn der Nagelkreuz-Bewegung, der auch die Stadtkirchengemeinde in Pforzheim angehört, das am Ende des Zweiten Weltkriegs von britischen Bombern zerstört wurde. Die Pforzheimer haben ihr Nagelkreuz für ein Jahr den Michendorfern anvertraut. Beide Kirchengemeinden verbindet seit mehr als 50 Jahren eine freundschaftliche Partnerschaft.

Das Banner mit dem illustrierten Zitat wurde am Donnerstag per Hebebühne angebracht. Wie es sich gehört, wurden vorher alle Genehmigungen eingeholt. Quelle: Jens Steglich

Mit der Geschichte und den Zielen der Nagelkreuz-Bewegung haben sich vor ihrer Aktion auch die Wolkenberg-Gymnasiasten in ihrem Religionsunterricht befasst. Auf die Idee, nicht nur darüber zu reden, sondern den Versöhnungsgedanken auch hinaus zu tragen, kam Schulpfarrerin Anne Voß, die am Gymnasium den Religionsunterricht leitet und auch in der Vorbereitungsgruppe mitarbeitete, die das Programm fürs Michendorfer Nagelkreuz-Jahr erarbeitete. „Es wird für so viel Kram Werbung gemacht. Wir machen Werbung für ein gutes Miteinander – hier vor Ort, wo wir leben“, sagt sie. Das erste Versöhnungszitat wurde bereits am Donnerstag gut sichtbar platziert – an der Michendorfer Eisebahnbrücke in der Potsdamer Straße. Dort sind jetzt Worte von Isaac Newton zu lesen: „Die Menschen bauen viele Mauern und zu wenig Brücken.“ Das Brücken-Zitat mit der dazugehörigen Illustration haben die Schülerinnen Carlotta Meyer und Fiene Baselau gestaltet.

Malermeister stellte die Hebebühne zur Verfügung

Um das Banner hoch an die Brücke zu kriegen, brauchte es gut ausgerüstete Helfer und das Okay der Deutschen Bahn. Beides haben die Friedensstifter vom Wolkenberg-Gymnasium bekommen. Malermeister Matthias Plönzke brachte die Hebebühne mit, um mit Christoph Abraham von der Bird-Shirt GmbH, der bei technischen Gestaltungsfragen den Schülern unter die Arme griff, das Zitat an der Metallbrücke anzubringen. Heute hängen die Schüler 90 Plakate mit Versöhnungszitaten in Michendorf auf, zehn in Wildenbruch. „Die Jugendlichen haben entschieden, was wir den Menschen sagen wollen“, erzählt Schulpfarrerin Anne Voß.

„Öffne zum Geben deine Hand, zum Nachgeben dein Herz und zum Vergeben deinen Verstand.“ Die Plakate mit den Versöhnungszitaten werden am Freitag aufgehängt. Quelle: Jens Steglich

Rund 200 Zitate kamen zusammen, bevor sich die jungen Leute „nach friedlicher Diskussion“ auf zehn Zitate einigten, die auf die Plakate gedruckt wurden. Sie wählten unter anderem Worte von Voltaire und Goethe aus und von Mitschülerin Luna Kari Lehmann, die selbst ein Zitat kreierte: „Zu einem Streit gehört Versöhnung dazu.“

Ökumenischer Sommerabend zum Weltethos

Das Projekt förderten die Gemeinde Michendorf, die Kirchengemeinde und der Förderverein des Gymnasiums.

Die Plakate mit Versöhnungszitaten bleiben bis zu den Sommerferien hängen.

Die nächste Veranstaltung im Nagelkreuz-Jahr findet am 6. Juli, 19.30 Uhr, in der Wildenbrucher Kirche statt. Auf dem Programm stehen ein ökumenischer Sommerabend und die Eröffnung einer Ausstellung zum Weltethos.

Von Jens Steglich

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