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Potsdam-Mittelmark Michendorfer entrüstet über Staubalarm
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorfer entrüstet über Staubalarm
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17:27 25.07.2015
Autofahrer nutzen Schleichweg über den Caputher Weg, statt die reguläre Umleitung, und wirbeln Staub auf. Quelle: Jens Steglich
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Michendorf/Langerwisch

Staubalarm im Caputher Weg: Seit die Bahnbrücke in der Potsdamer Straße in Michendorf gesperrt ist, rollen zum Unmut der Anwohner immer mehr Autofahrer über den Caputher Weg. Eigentlich sollen sie einen größeren Bogen um die Baustelle schlagen – die offizielle Umleitungsstrecke verläuft über die Teltower Straße und die B-2-Ortsumgehung. Doch nicht wenige biegen in den Caputher Weg ein und nutzen die unbefestigte Straße als Schleichweg – mit unschönen Folgen für die Leute, die dort wohnen oder ihren Garten haben. „Etwa 100 Autos pro Tag nehmen die Abkürzung über den Caputher Weg und stauben die Gegend ein“, sagt Langerwischs Ortsvorsteher Wolfgang Kroll (FBL/UWG). „Wenn es zwei bis drei Tage nicht geregnet hat, entstehen in bestimmten Zeiten Dauerstaubwolken.“ Es stiebt ausgerechnet vor allem in dem Bereich, in dem Familien in ihren Einfamilienhäusern wohnen – östlich der Staubstraße leben Langerwischer, westlich Michendorfer.

Häuser werden eingestaubt

Bei trockenen Wetter rächt sich jetzt, dass in dem Abschnitt die Löcher und Bodenwellen mit Recycling-Material beseitigt wurden. Die gute Sache macht nun alles noch schlimmer. Entstanden ist im Vorderteil ein ebener Fahrweg, Autofahrer können aufs Gas drücken, ohne den Wagen zu gefährden und die Recyclingschicht sondert blasrötlichen Staub ab, sobald jemand ein bisschen schneller unterwegs ist. Anwohner Andreas Winkler zum Beispiel muss regelmäßig auf dem Dach seines Hauses Staub wischen. Er hat dort vor kurzem eine Solaranlage installiert, die mit Staubschicht keine Leistung bringt. „Lüften in den Räumen, die in Richtung Straße liegen, ist auch nicht mehr möglich“, sagt er. Und wer Wäsche draußen aufhängt, muss sie danach erneut waschen.

Derzeit gilt im Caputher Weg Tempo 50. Kroll, der mal Chef im Verkehrsausschuss der Gemeinde war, hatte schon Ende Mai im Michendorfer Ordnungsamt darauf gedrungen, die Geschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde zu reduzieren und die nötige Beschilderung bei der Verkehrsbehörde des Kreises zu beantragen. Die Idee: Wer langsamer fährt, wirbelt weniger Staub auf. Die Verwaltung hat das Anliegen aufgegriffen und Tempo 30 beantragt. Doch die Mühlen in den Ämtern mahlen langsam. „Dass viele Autofahrer diese Abkürzung nehmen, konnte man vorher nicht ahnen. Die Situation ist blitzartig entstanden. Die Behörden müssen darauf ja nicht blitzartig reagieren, aber zügig“, sagt der Langerwischer Ortsbürgermeister.

Tempolimit 30 ist unwahrscheinlich

Mit dem Problem hat er Ende Mai das erste Mal persönlich Bekanntschaft gemacht. Kroll war zu einer Geburtstagsparty eingeladen – gefeiert wurde in einem Garten im Caputher Weg. Der Ortsvorsteher bekam den Unmut der Anwohner ab, musste sozusagen den Blitzableiter spielen. Und er konnte live erleben, was es bedeutet, in Zeiten der Brückensperrung am Schleichweg zu leben. „Wir saßen 15 bis 20 Meter von der Straße entfernt. Die Gastfrau musste mehrmals Tische und andere Utensilien vom Staub befreien“, erzählt er. Und: „Wenn man bei trockenen Wetter draußen essen will und das Essen zehn Minuten nicht abgedeckt hat, knirscht es zwischen den Zähnen.“ Kroll spricht von einem Zustand, der den Leuten nicht zuzumuten ist. Zumal ein Ende der Brückensperrung noch in weiter Ferne liegt.

Die Arbeiten an der Unterführung in der Potsdamer Straße dauern voraussichtlich noch bis Anfang oder Mitte 2018 an. Im Winter 2015/2016 soll es eine kurze Sperrpause geben ohne Umleitung, aber in der Zeit staubt es in der Regel auch nicht. Laut Michendorfs Bau- und Ordnungsamtsleiter Christopher Gerhardt hat der Landkreis der Kommune inzwischen mitgeteilt, dass ein Ja zu Tempo 30 im Caputher Weg unwahrscheinlich ist. Aus Sicht der Behörde lässt sich das Problem damit nicht lösen. „Daraufhin haben wir den Antrag für eine Beschilderung ’Achtung Straßenschäden’ gestellt“, sagt Gerhardt. Diesen Antrag genehmigte die Verkehrsbehörde. Das Schild soll Leute davon abschrecken, dort durchzufahren, sagt der Ordnungsamtschef. Das Kalkül: Droht dem Wagen Ungemach, nimmt der Autofahrer vielleicht doch die längere offizielle Umleitungsroute. Die Warnung vor Straßenschäden ist keine Lüge: Nach dem mit Recycling-Material eingeebneten Abschnitt folgt eine Holperpiste mit Löchern und Bodenwellen.

Achtung Straßenschäden!

Warum Autofahrer trotzdem dort lang fahren, „kann man nicht wirklich erklären“, sagt Kroll. Die Strecke sei zwar etwa um die Hälfte kürzer als die reguläre Umleitung – an Zeitersparnis kann man aber allenfalls vielleicht zwei Minuten herausfahren, schätzt Kroll, der Fahrschullehrer ist. „Es muss am Herdentrieb liegen“, mutmaßt er. „Einige fangen damit an, andere folgen.“ Vielleicht sorgt das neue Schild „Achtung Straßenschäden“ ja für eine Wende. „Die Schilder sind bestellt, müssen aber noch angefertigt werden“, sagt Gerhardt. Sobald sie geliefert sind, werden sie aufgestellt, verspricht er.

Von Jens Steglich

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