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Potsdam-Mittelmark Michendorfs Sehnsucht nach einer Mitte
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorfs Sehnsucht nach einer Mitte
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18:25 10.08.2016
Mit Postkarte: Die Studenten Paula Pons, Gunnar Grandel und Jannik Noeske (v.l.). Quelle:  Jens Steglich
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Michendorf

Was verbindest Du mit der Michendorfer Ortsmitte? Eine Frage, auf die einige mit einer Gegenfrage antworteten: „Welche Ortsmitte?“ Paula Pons, Gunnar Grandel und Jannik Noeske, drei Urbanistik-Studenten der Bauhaus-Universität Weimar, sind in den vergangenen Wochen mit Michendorfern ins Gespräch über die Mitte und ihre Zukunft gekommen, haben sich auf die Spur ihrer Wünsche gemacht und Postkarten verteilt, auf denen eigene Vorstellungen von einem Ortskern festgehalten werden konnten. Die Ergebnisse ihres Dialogprojekts „Michendorf mittendrin“ stellten sie am Dienstag im Gemeindezentrum „Apfelbaum“ vor. Ein Befund: Michendorf hat eine positive Entwicklung genommen und wird weiter wachsen. Speziell die Ortsmitte wird aber anders wahrgenommen. Da fällt schon mal das Wort „Leere“. Was indes kein Wunder ist: Die geografische Mitte Michendorfs – das ehemalige Teltomat-Gelände – ist immer noch eine Brache und die Potsdamer Straße als langgezogenes Geschäftszentrum kann offenbar das Bedürfnis nach einem vitalen Ortskern derzeit nicht erfüllen.

Dieses Bedürfnis gibt es, wie viele Antworten auf den 100 Postkarten zeigen, die ausgefüllt zurückgesendet wurden. Die drei Studenten haben die Sehnsüchte in Kategorien zusammengefasst – etwa in den Wunsch nach einer „Mitte für Jung und Alt“ und nach einer „Mitte mit Café“. Michendorf hat zwar gute Restaurants, was fehle, sei etwas, wo man nicht gleich die Speisekarte unter die Nase gehalten bekommt, sagte Jannik Noeske. So erklärte der Student den oft formulierten Wunsch, die Ortsmitte brauche eine Eisdiele oder ein Café.

Überhaupt wollen die Michendorfer zuallererst einen Ortskern, wo sich Menschen begegnen und ihre Freizeit verbringen, wo Platz für die Jungen und Alten ist, es bezahlbare und barrierefreie Wohnungen gibt und damit keinen Grund für Ältere, wegzuziehen. Ein Landschaftsarchitekt im Saal vermisste zu den Visionen Bilder, die zeigen, wie das Ganze gestaltet werden könnte. „Unsere Aufgabe war es, Stimmen aus dem Ort hörbar zu machen, aber nicht, ein fertiges Bild zu präsentieren“, sagte Student Gunnar Grandel.

Ihre Wünsche nach Einkaufsmöglichkeiten in der Ortsmitte verbanden Michendorfer mit der Maßgabe, vorhandene Geschäfte etwa in der Potsdamer Straße müssten erhalten bleiben. Die Studenten machten daraus die Empfehlung, den Bestand an Geschäften zu stärken und nur behutsam zu erweitern, dabei direkte Konkurrenz zu vermeiden und alte und neue Angebote räumlich miteinander zu verbinden. Die Studenten ließen auch ihren Eindruck durchblicken, dass Geschäftsleute in der Potsdamer Straße derzeit eher nebeneinander existieren als zusammen zu agieren. Am Rande der Veranstaltung formulierte Jannik Noeske einen Appell: „Ihr habt gemeinsam eine eigene Gestaltungskraft, nutzt sie.“ Die Studenten raten, langfristige Strategien zusammen zu entwickeln und kurzfristig Aktionstage zu organisieren. Claudia Hilbert, Inhaberin der Klee-Apotheke und Mitglied im Freien Unternehmer-Netzwerk (FUN), lud dazu ein, „uns besser zu vernetzen“ und gemeinsam zu überlegen, wie die Ladenstraße attraktiver werden kann. Reinhard Mirbach (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Michendorf, sah sich in den Befragungsergebnissen darin bestätigt, „dass wir kein neues Einkaufszentrum brauchen“. Ein Konzeptentwurf, was eine attraktive Ortsmitte – hier speziell auf dem Teltomat-Gelände – haben sollte, wird am 5. September der Gemeindevertretung vorgelegt. Einfließen sollen Vorschläge aus den Gremien und Ergebnisse der Befragung. Bei der Gestaltung dieses Areals gibt es mit der Papenburg AG als Eigentümer freilich noch einen großen Mitspieler, der zwar signalisiert hat, das Gelände entwickeln zu wollen, aber die Wünsche mit Sicherheit einer Kosten-Nutzen-Rechnung unterziehen wird. Vielleicht klappt es trotzdem mit der Vision eines Postkartenschreibers, der sich das wünschte: „Ein Platz, dazu ein Bouleplatz mittendrin, von Bäumen beschattet und von Bänken umstellt.“

Von Jens Steglich

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