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Debatte um Kleiderordnung an Flüchtlingsheim

Minirock und Missverständnisse Debatte um Kleiderordnung an Flüchtlingsheim

In der Turnhalle des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums sind seit Juni 100 Asylsuchende vorübergehend untergebracht. Die Bitte des Schuldirektors an seine Schülerinnen, mit Verweis auf die Flüchtlinge auf die Kleiderordnung zu achten und auf Miniröcke zu verzichten, hat eine Debatte ausgelöst. Die Reaktionen auf den Rat fallen unterschiedlich aus.

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Die Turnhalle des Michendorfer Gymnasiums dient derzeit als Flüchtlingsunterkunft. Zu Schuljahresbeginn soll die Halle aber wieder für ihren eigentlichen Zweck zur Verfügung stehen.
 

Quelle: Bernd Gartenschläger

Michendorf.  Sollte es eine Warnung sein, um Konflikte zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen nicht aufkommen zu lassen oder werden hier Freiheiten eingeschränkt, die sich junge Frauen in diesem Land mühevoll erkämpfen mussten? Der Rat des Leiters des Michendorfer Gymnasiums an seine Schülerinnen, mit Verweis auf die in der Schulturnhalle untergebrachten Asylsuchenden auf die Kleiderordnung zu achten, schlägt hohe Wellen. Die Reaktionen auf die Empfehlung von Henrik Reinkensmeier, auf Miniröcke zu verzichten, fallen unterschiedlich aus.

„Ich finde es nicht unangemessen, dass Herr Reinkensmeier drauf hinweist. Ich finde es eher gut, dass er sich darüber Gedanken macht“, sagte Michendorfs SPD-Fraktionschef Volker Gerd Westphal. Auch wenn die Asylsuchenden Gäste seien, „ist es angemessen, dass man Rücksicht auf deren Gefühle und deren Situation nimmt“. Nicht gut findet er, dass eine Kulturdiskussion daraus gemacht werde. Westphal verweist auf eine Warnung, die vor einiger Zeit im Potsdamer Helmholtz-Gymnasium von der Klassenlehrerin seiner Tochter ausgesprochen wurde. Mit dem Rat, nicht zu kurze Röcke zu tragen, hatte sie in dem Fall eine Bitte der männlichen Kollegen weitergegeben. „Kurze Röcke? Na und! Auch die Mädchen in der Asylunterkunft tragen kurze Röcke“, sagte Michendorfs Ortsbürgermeister Hartmut Besch (FDP). „Die Äußerung des Schulleiters grenzt schon wieder an einer Ausgrenzung der Flüchtlinge. Wir bemühen uns gerade ums Gegenteil und haben die Asylsuchenden zum Sommerfest am 4. Juli eingeladen“, so Besch.

„Dass Herr Reinkensmeier die Unterbringung von Asylbewerbern im Schulumfeld zum Anlass nimmt, mit den Schülern über fremde Kulturen und Menschenbilder in fremden Kulturen zu sprechen, ist völlig normal. Aber daraus abzuleiten, dass Asylsuchende eine Gefahr für Schüler darstellen könnten, war für einen Schulleiter nicht angemessen“, sagte Landrat Wolfgang Blasig (SPD). Der Polizei sei in Potsdam-Mittelmark in den vergangenen Jahren kein einziger Übergriff von Asylsuchenden auf Einheimische bekannt geworden. „Ich hoffe, dass es missverständliche Äußerungen waren. Ich habe Herrn Reinkensmeier anders kennengelernt.“ Die Unterbringung von Asylsuchenden in der Turnhalle sei störungsfrei verlaufen, so dass die Halle zu Schuljahresbeginn wieder für Sportunterricht zur Verfügung stehe. „Da kann ich mich nur bei allen Beteiligten bedanken, auch bei Herrn Reinkensmeier“, so Blasig.

Florian Engels, Sprecher des Brandenburger Bildungsministeriums, sieht für sein Haus keinen Grund, „in irgendeiner Weise einzuschreiten“. „Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern half Herr Reinkensmeier, Anfang Juni die Turnhalle für die Asylbewerber vorzubereiten und war mit Kollegen bei der Begrüßung an jedem der drei Ankunftstermine anwesend“, so Engels. Da es sich insgesamt um ein hochsensibles Thema handele, „haben wir Herrn Reinkensmeier gebeten, auf eine genaue Wortwahl zu achten“, sagte der Ministeriumssprecher und fügte hinzu: „Einzelne Worte können schnell missverstanden, von manchen sogar bewusst missverstanden werden, um sie möglicherweise öffentlich anzuprangern.“

Henrik Reinkensmeier bedauerte, „dass meine Äußerungen missverständlich aufgenommen wurden“. Sie seien keinesfalls in einem negativen Sinn gegenüber Asylbewerbern gemeint gewesen. Er sei an einem guten Miteinander seiner Schüler mit den Asylbewerbern interessiert. „Dazu gehört, den jeweils anderen Kulturen und Situationen Respekt zu zollen“, so der Direktor.

 Laut seiner Sekretärin war er m Mittwoch mit zwei Asylsuchenden im Potsdamer Berufsberatungszentrum, um Ausbildungsperspektiven für sie auszuloten.

Von Jens Steglich

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