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Mit 70 so begehrt wie nie

Kulturbund Michendorf feiert Jubiläum Mit 70 so begehrt wie nie

Mit 70 ist er so begehrt wie nie zuvor. Der Kulturbund Michendorf, von dem hier die Rede ist, erlebt im 70. Jahr des Bestehens seine Blütezeit. In den vergangenen Jahren verzwölffachte sich die Mitgliederzahl – von knapp unter 20 in der Nachwendezeit auf aktuell 235. Das jüngste Mitglied ist drei Jahre alt, das älteste wird 100.

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Die jüngsten Mitglieder im 70 Jahre alten Verein sind gerade drei Jahre alt und trainieren fleißig in der Musical-Gruppe für Kinder.

Quelle: Privat

Michendorf. Es ist zwar nicht unmöglich, aber selten, im Alter von 70 Jahren seine Blütezeit zu erleben. Dem Kulturbund Michendorf geht das gerade so. Auch wenn der aktuelle Höhenflug mit dem Auf und Ab eines Menschenlebens nur schwer zu vergleichen ist, steckt in der Nachricht, dass sich die Mitgliederzahl verzwölffacht hat, schon etwas Besonderes. Zumal von den Ortsgruppen des Kulturbundes, die es zu DDR-Zeiten gab, nicht mehr viele übrig geblieben sind. Der Kulturbund Michendorf, der seine Wurzeln im Ortsteil Wilhelmshorst hat, gehört zu denen, die geblieben und wieder gewachsen sind – von knapp unter 20 Mitgliedern in der Nachwendezeit auf 235 im 70. Jahr des Bestehens. „Die Tendenz ist weiter steigend“, sagt Kulturbundvorsitzende Marita Overbeck.

Was ist das Geheimrezept für die Verjüngungskur?„Wir bieten den Leuten, die Lust haben, kreativ zu sein, das Dach und Schutz. Und wir lassen sie auch machen“, sagt Overbeck. Es gibt auch kaum etwas, was man im Kulturbund nicht machen kann. „Wenn wir einen Kurs noch nicht haben, gründen wir ihn.“

 Marita Overbeck und Klaus-Dieter Becker in der neuen Kulturbibliothek in der Potsdamer Straße in Michendorf, die der Kulturbund erst seit einig

Marita Overbeck und Klaus-Dieter Becker in der neuen Kulturbibliothek in der Potsdamer Straße in Michendorf, die der Kulturbund erst seit einigen Wochen betreibt. Es geht um Kultur von der Region für die Region, sagt Becker.

Quelle: Jens Steglich

Die Angebotsliste ist jedenfalls lang, reicht vom Wandern über den Singekreis und die Schach- und Handarbeitskurse bis hin zum Kindermusical und den Tanzgruppen. Der Kulturbund gibt heimischen Talenten mit oder ohne Bühnenerfahrung auch jedes Jahr die Möglichkeit, ihr Können vor Publikum zu zeigen – beim Vielfalt-Festival der Kleinkunst, das Erika Gaumer-Becker aus der Taufe gehoben hat. Im November erlebt das Gemeindezentrum „Apfelbaum“ die zehnte Auflage des Vielfalt-Festivals, bei dem der olympische Gedanke gilt: Dabei sein ist alles.

Seit 1991 ist auch eine Wandertruppe beim Kulturbund dabei. „Mittlerweile sind wir eine Bummeltruppe geworden“, sagt Leiterin Isa Fitz. Die Wandersleute gehen fast alle auf die 80 zu oder sind schon drüber. Sie können sich darauf freuen, bald den neuen Kunstwanderweg zu ergründen. Der Pfad, den Skulpturen einheimischer Künstler zieren werden, soll in einem ersten Abschnitt von Wilhelmshorst bis Wildenbruch führen. „Darum haben wir fünf Jahre gekämpft“, sagt Marita Overbeck. Die Gemeinde gibt 10 000 Euro, um das Werk zu beginnen. „Die ersten Skulpturen setzen wir dieses Jahr.“ Wie breit das Spektrum im Kulturbund ist, zeigen auch diese beiden Zahlen: Das jüngste Mitglied ist drei Jahre alt und trainiert in der Kindermusical-Gruppe, das älteste wird 100. Lyrikerin Anneliese Cichonczyk, die das Kulturbund-Jubiläum mit ihrem eigenen um 30 Jahre übertrifft, gehört zu denen, die von Anfang an dabei sind. Angefangen hat alles 1947, als Wilhelmshorster um den Literaturwissenschaftler Max Wauer, den Emigranten Otto Beuer und die Rentner Willy Jung und Karl Bromborra die Ortsgruppe gründeten.

Die heutige Chefin macht keinen Hehl daraus, dass der Kulturbund zu DDR-Zeiten auch ein Lenkungsinstrument des Staates war. „Und doch entstand im Kleinen, vor Ort, etwas, was das Leben bunter machte.“ In den 1950er Jahre gehörten etwa literarische Schallplattenabende und Künstlerporträts wie „Louis Armstrong – ein Leben für die Trompete“ zu den Höhepunkten, die Aufmerksamkeit erweckten, weiß Klaus-Dieter Becker, der 2005 und 2013 den Kulturbund leitete. In den 1970er Jahren gründete die damalige Chefin Anna Katritzke auch eine Laienspielgruppe, die mit Aufführungen wie „Bürgermeister Anna“ nach Friedrich Wolf oder „Die Mutter“ von Bertolt Brecht über Ortsgrenzen hinaus von sich reden machte.

Die Anfänge des Theatervereins „Kleine Bühne“ im Jahr 2007

Die Anfänge des Theatervereins „Kleine Bühne“ im Jahr 2007: Ilse Dressler und Anna Katritzke im Stück „Wer war Mr. Hilary?“ Die „Kleine Bühne“ ist ein Spross des Kulturbundes.

Quelle: Privat

Das Theaterspiel bekam später wieder einen Platz im Kulturbund. Zu den Kindern dieser Institution gehört der Theaterverein „Kleine Bühne“, der 2007 entstand, und eine hauseigene Band: Yazzoulution, die 2010 beim Kleinkunstfestival ihre Geburtsstunde hatte. Nicht zu vergessen: „Regine B“ gibt es auch noch. „Das ist unsere Heavy-Metal-Band“, erzählt Marita Overbeck. Die Kulturbundchefin kam aus Berlin und landete durch Zufall im Kulturbund. In Wilhelmshorst hatten sie einen Arbeitskollegen ihres Mannes besucht und beim Spazierengehen ein Schild entdeckt: „Grundstück zu verkaufen!“ In Berlin sei es zu eng gewesen, sagt sie. Und so taten die Overbecks, was Berliner schon Anfang des 20. Jahrhunderts machten: Sie zogen nach Wilhelmshorst. Ihr Mann ist Hobbymaler und zur „juryfreien Kunstausstellung“ hatten beide ihre erste Begegnung mit dem Bund, der für Kultur sorgt. „Mein Mann hat ein Bild vorbeigebracht und ich Kuchen.“ Ein bisschen später, 2013, wird sie Chefin des Vereins, dessen 70. am 26. August gefeiert wird. Ein Paar Wünsche sind noch offen. Nachdem sie es geschafft haben, „Meyers Nachtcafé“ – die Band, die mit Udo Lindenberg spielte – zum „Jazz im Garten“ nach Langerwisch zu locken, fehlt jetzt noch der Deutschrocker selbst. „Wir würden ihm auch einen Eimer Eierlikör spendieren“, sagt Becker.

Geburtstagsfeier am 26. August

Das 70-jährige Bestehen des Kulturbundes Michendorf wird am 26. August gefeiert.

Los geht es an dem Tag bereits ab 14 Uhr beim inzwischen 10.Langerwischer Höfefest, zu dem traditionell der Kulturbund, der Ortsbeirat und Organisatorin Andrea Alms einladen. Bis 18 Uhr wird in Langerwisch gefeiert, bevor es dann zur Festveranstaltung zum 70-jährigen Bestehen nach Wilhelmshorst geht.

Ab 19 Uhr beginnt die Fete im großen Festzelt am Wilhelmshorster Gemeindezentrum in der Albert-Schweitzer-Straße 9 – 11.

Es wird ein Überraschungsprogramm geben, der Eintritt ist frei. Es spielen Yazzoulution und später ein DJ. „Wir wollen Party machen“, kündigt Kulturbundvorsitzende Marita Overbeck an.

Von Jens Steglich

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