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Potsdam-Mittelmark Mit Frau Walter ins Kino
Lokales Potsdam-Mittelmark Mit Frau Walter ins Kino
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14:47 13.10.2017
Mit Lotti Ulbrecht (93) geht Gudrun Walter oft spazieren. Wenn es regnet,spielen sie auch „Mensch ärgere dich nicht“ zusammen. Quelle: Jens Steglich
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Saarmund

„Die Druckerpatronen sind schon wieder alle. Könnten Sie mit meinem Mann neue holen?“ Gudrun Walter bekommt öfter solche oder ähnliche Anrufe. Manchmal wird sie am Telefon auch gefragt, ob sie mit ins Kabarett oder ins Kino kommt oder ob sie mit Lotti Ulbrecht (93) am Wasser spazieren gehen kann. Gudrun Walter ist das, was man eine Gesellschafterin und Lebensbegleiterin nennt. Sie begleitet Senioren. Es ist ihr Beruf.

Im März dieses Jahres hat die Saarmunderin den beruflichen Neuanfang gewagt und ihren Seniorenbegleitdienst gegründet. In Potsdam und im Umland ist sie seitdem mit ihrem roten Auto unterwegs, besucht ältere Menschen, geht mit ihnen ins Café oder in die Apotheke, hilft bei Behördengängen und beim Einkauf. Manche wollen auch nur mit ihr reden, weil sie davor ein ganzes Wochenende kein Wort gesprochen haben. Es sind oft ältere Menschen, die allein leben oder deren Angehörige in weiter Ferne wohnen, die ihre Dienste in Anspruch nehmen.

Manchmal wird sie gebucht, um Wünsche zu erfüllen. „Mit einer Frau bin ich über die Dörfer gefahren – so wie sie es früher mit ihrem Mann getan hat. Sie hat es genossen, im Auto zu sitzen und die Felder anzuschauen“, erzählt Gudrun Walter. „Ich habe immer noch Probleme, danach den Preis zu nennen“, sagt sie. Ihr sei es lieber, eine Monatsrechnung zu schreiben. Fast entschuldigend fügt sie hinzu: „Ich kann es nicht ehrenamtlich machen. Ich zahle Steuern, habe Kosten und muss mich krankenversichern.“ Bezahlt wird nach freier Vereinbarung, in der Regel liegt der Stundenpreis bei 25 Euro. Vorher bietet die 58-Jährige ein kostenloses Beratungsgespräch an. „Sie müssen mich ja erst einmal kennenlernen.“

Gudrun Walter hat inzwischen Stammkunden. Manche vertrauen ihr so sehr, dass sie im Arztzimmer mit dabei sein soll – um mitzuhören und zu erklären. „Ich habe ein bisschen medizinische Kenntnisse“, sagt die Saarmunderin. In der Ausbildung zur Zahnarzthelferin stand zu DDR-Zeiten auch die Anatomie des Menschen auf dem Programm. Ab 1979 arbeitete sie als Zahnarzthelferin in Potsdam – bis ihre Chefin die Praxis aufgab. „Irgendwo war bei mir aber auch die Luft raus. Ich hatte die Freude an meinem Beruf verloren.“ Sie ist danach ein Jahr arbeitslos und nutzt die Zeit, um sich selbst einen Lebenswunsch zu erfüllen. Sie pilgert auf dem Jakobsweg – die ersten drei Wochen allein, danach mit ihrer Tochter. Die erste Woche auf dem Jakobsweg habe sie gelitten. Der Weg baue einen danach aber auch wieder auf: „Ich habe dort Mut, Zuversicht und Selbstvertrauen getankt.“ Und die Erkenntnis gewonnen, „dass ich etwas anderes machen muss“. Von diesem Entschluss lässt sie sich auch von der Arbeitsagentur-Mitarbeiterin nicht abbringen, die will, dass sie in ihren alten Beruf zurückkehrt.

Gudrun Walter schreibt indes einige Business-Pläne für die IHK und bekommt für ihre Geschäftsidee sogar einen Gründungskredit von der Investitionsbank des Landes Brandenburg. Mit dem Geld kauft sie das rote Auto, das jetzt die Aufschrift trägt: „Seniorenbegleitung & Alltagsservice Gudrun Walter“. Ihre Flyer verteilt sie unter anderem in Apotheken und Pflegestützpunkten. Dort sagt man ihr: „Das Angebot wird gebraucht.“ Die Pflegedienste haben keine Zeit, sich die Jugendbilder der Senioren anzusehen, ins Stern-Center zu fahren, um für den Mann, der nicht mehr Auto fahren kann, eine Hose zu kaufen. Sie gehen auch nicht mit Lotti Ulbrecht am Caputher Gemünde spazieren. Die 93-Jährige wäre freilich nicht böse, wenn es wieder mal regnen und der Spaziergang ausfallen würde. Bei schlechtem Wetter spielt sie mit Gudrun Walter „Mensch ärgere dich nicht“ oder die beiden plaudern. „Es ist auch für mich interessant, die Lebensgeschichten der Menschen zu hören“, sagt Gudrun Walter. Manchmal hört sie Geschichten auch ein viertes und fünftes Mal. „Es gibt Momente im Leben, die im Gedächtnis bleiben und so gravierend sind, dass sie immer wieder erzählt werden müssen“, sagt sie. Vielleicht ist es bei ihr ja der Moment, als sie bei der Pilgerreise auf dem Jakobsweg mit ihrer Tochter weiter bis zur Atlantikküste läuft, um mit 200 Menschen einen Sonnenuntergang zu erleben. „Die Leute haben applaudiert, als die Sonne unterging.“

Seniorenbegleitung & Alltagsservice

„Einfühlungsvermögen, Respekt, gegenseitiges Vertrauen und Hilfe bis ins hohe Alter“, bietet Gudrun Walter ihren Kunden an.

Zu ihrem Angebot gehören Begleitdienste zum Beispiel zum Arzt, zum Friseur, ins Kino oder ins Lieblingslokal oder gemeinsame Spaziergänge und Theaterbesuche. Auch Haushalts- und Alltagshilfen bietet sie an oder Gespräche, Gesellschaftspiele und das Vertreiben von Einsamkeit. Mehr Informationen gibt es unter Telefon 0170/523 98 91 oder www.seniorenbegleitung-alltagsservice.de

Von Jens Steglich

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