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Mit Wollschals gegen die Armut

Zehn Jahre Handarbeitsgruppe Mit Wollschals gegen die Armut

Mit Strickmützen und warmen Socken kämpfen fünf betagte Bad Belzigerinnen seit zehn Jahren gegen Armut und Kälte an – nun feiert die Handarbeitsgruppe der Volkssolidarität großes Jubiläum. Bei Sekt und Torte erinnern sich die Damen, wie alles anfing. Und daran, dass eine von ihnen sogar „zu dusselig“ zum Stricken gewesen sein soll.

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Edeltraud Grossian, Hilde Krzewski, Hanny Loth, Klaus und Karola Benke und Christa Kallenbach (von links nach rechts) blicken mit Stolz auf zehn gemeinsame Jahre in der Handarbeitsgruppe zurück.

Quelle: Kirf

Bad Belzig. Seit zehn Jahren stricken fünf Frauen aus Bad Belzig nun schon für Menschen in Not. Am Sonnabend durfte sich die Handarbeitsgruppe der Volkssolidarität für ihr Engagement gebührend feiern lassen.

Inmitten ihrer vielen Hundert Strickstücke strahlen Hilde Krzewski, Edeltraud Grossian, Hanny Loth, Karola Benke und Christa Kallenbach um die Wette. Sie sind die aktiven Strickerinnen in der Gruppe. Klaus Benke unterstützt die Damen bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit. „Stricken kann er bis heute nicht“, sagt seine Ehefrau Karola schmunzelnd.

Sie hat die Gruppe im Jahr 2006 ins Leben gerufen. Benke las damals einen Aufruf, für Kinder aus sozial schwachen Familien in Sachsen-Anhalt Schals und Mützen zu stricken. „Ich dachte sofort, Mensch, das sollten wir hier auch machen“, erinnert sich die 62-Jährige. Die Mitstreiterinnen waren schnell gefunden; seither stricken die Bad Belzigerinnen gegen Armut und soziale Ungleichheit an.

1.300 Euro Einnahmen spendete die Runde im letzten Jahr

Anfangs war es warme Winterkleidung, welche die Gruppe direkt an die Tafel weitergab. Mittlerweile betreut Klaus Benke bis zu 18 Verkaufsstände im Jahr. Die Erlöse werden weiterhin gespendet. „Im Letzten Jahr konnte für 1.300 Euro Kleidung gekauft werden“, sagt Karola Benke stolz. Die Wolle bekommen die Strickerinnen gestellt. „Es gibt Händler, die uns etwas spenden“, sagt Benke.

Bei der Verarbeitung der Wolle hat jede der Frauen ihr Spezialgebiet. „Ich stricke hauptsächlich Topflappen und Figuren“, sagt die 86-jährige Hanny Loth. Das „Holländische Muster“ hat es ihr angetan – kein Wunder, stammt Loth doch aus den Niederlanden.

Im Mai 2012 wurde die Handarbeitsgruppe zum Empfang des Bundespräsidenten geladen. Im selben Jahr erhielt sie von Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Auszeichnung „Ehrenamt des Monats“.

Mit aufsehenerregenden Aktionen machen die Frauen immer wieder auf sich aufmerksam. So strickten sie 2014 mit vielen Helfern den Schal der Generationen. Das 462 Meter lange „Band der Solidarität“ entstand 2015. An ihm arbeiteten mehr als 250 Freiwillige mit. Später wurden Kinderhocker aus dem Strickstück gefertigt und verkauft. Der Erlös ging wie immer an die Tafel.

Die Strickgruppe der Volkssolidarität freut sich über Spenden. Ob Wolle, Reißverschlüsse oder Knöpfe: die Frauen können alles gebrauchen.

Christa Kallenbach hingegen arbeitet am liebsten an Socken, rund 100 Paar habe sie im letzten Jahr gestrickt. Dazu kamen noch 20 Setz mit warmen Schals, Mützen und Strümpfen für Obdachlose.

Trefefn sind den Frauen wichtig

Dabei arbeitet jede der Strickerinnen für sich allein. „Ich stricke viel vor dem Fernseher“, sagt Kallenbach, „dabei kann ich sogar nebenher noch lesen.“ Sie hat ihr Handwerk noch in der Schule gelernt. „Auch wenn meine Handarbeitslehrerin mich für zu dusselig zum Stricken hielt“, erinnert sich Kallenbach. Sie ist Linkshänderin, muss daher eine andere Technik anwenden. „Ich wollte das unbedingt können, deshalb habe ich mich reingefuchst.“

Zu Geburtstagen und zur Organisation der Gruppe treffen sich die fünf Frauen und ihre gute Seele im Hintergrund, Klaus Benke, regelmäßig. „Man kommt ja nicht mehr so viel raus“, sagt Hanny Loth, „deshalb ist das immer schön.“

Von Saskia Kirf

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