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Mittelmark hat die Müllautos geschrumpft

Rückwärts aus Sackgassen Mittelmark hat die Müllautos geschrumpft

Normalerweise werden Müllautos immer größer. Ihr Einsatz soll sich rechnen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb Potsdam-Mittelmark geht den umgekehrten Weg. Vier Mini-Entsorgungsfahrzeuge wuseln ab Januar 2016 durch alle mittelmärkischen Stichstraßen. Die Kleinen haben einen großen Vorteil: Sie dürfen rückwärts fahren.

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APM-Fuhrparkleiter Steffen Patiga vor einem Müll-Multicar in Miniaturausführung.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Mittelmark. Sie sind klein, flink – und wendig. Entgegen dem Trend setzt der kreiseigene Abfallwirtschaftsbetrieb Potsdam-Mittelmark (APM) neuerdings Miniatur-Entsorgungsfahrzeuge ein. Nach einer jetzt abgeschlossenen Testphase kommen ab Januar 2016 in den 400 Stichstraßen des Landkreises nur noch die deutlich geschrumpften Geschwister der Magnum-Klasse zum Einsatz.

Die Mini-Autos wuseln durch die Werderaner Altstadt, kommen mit den engen Verhaltnissen im Wohnpark Am Mühlenberg in Briest zurecht, können besser wenden in der Stolper Siedlung in Kleinmachnow und trauen sich ohne Probleme in die Bad Belziger Fichtestraße. Überall dort, wo es für dicke APM-Brummis zu eng ist, rollen nun die in kommunalorange lackierten Zwerge an. Großer Vorteil: Die Kleinen dürfen rückwärts fahren.

Auf Stichstraßen unterwegs

Die Unfallverhütungsvorschrift der berufsgenossenschaftlichen Vorschriften „Müllentsorgung“ erlauben die Abholung von Abfall nur, wenn ein Rückwärtsfahren nicht erforderlich ist.

Deshalb haben sich der kreiseigene Abfallwirtschaftsbetrieb und der Landkreis als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger zur Anschaffung von Mini-Müllautos entschlossen.

Mit denen kommen die Fahrer unter beengten Verhältnissen besser zurecht. Sie dürfen auch rückwärts fahren. Einsatzgebiet sind rund 400 Stichstraßen in Potsdam-Mittelmark.

Grund für die Anschaffungen sind Vorgaben der Berufsgenossenschaften, wonach das Rückwärtsfahren von Lkw-Entsorgungsfahrzeugen in Sackgassen ohne Wendemöglichkeiten unzulässig ist. „Die Regelung ist nicht neu, aber wurde je nach örtlicher Gegebenheit nur halbherzig umgesetzt“, berichtet APM-Geschäftsführer Thomas Wendenburg. Zum Glück kam es bisher nie zu Unfällen mit Personenschäden. Es blieb bei dem einen oder anderen abgerissenen Spiegel oder eingebeultem Blech. Wo die Mülltonnen nicht mehr vor der Haustür gelehrt wurden, mussten Anwohner ihre Behälter zur nächst erreichbaren Straße vorrollen. So sieht es auch die Abfallentsorgungssatzung des Landkreises vor. Das sorgte für Ärger, Widerstand und Unterschriftensammlungen.

Damit soll es in Zukunft vorbei sein. In heiklen Einsatzgebieten zwischen Havelland und Fläming setzt APM-Fuhrparkleiter Steffen Patiga auf zwei Multicar und zwei MAN-Fahrzeuge, die mit Abfallsammel-Aufbauten des Spezialausrüsters Zöller bestückt sind. Diese entsorgen Restmüll, Papier und Biomüll in allen Tonnengrößen. Es kann also passieren, dass in einem Wohngebiet oder Stadtteil zwei unterschiedliche Fahrzeuge zu verschiedenen Zeiten unterwegs sind. „Eine logistische Herausforderung im Interesse des Arbeitsschutzes und der Bürger“, so Geschäftsführer Wendenburg. Damit der weitere Transport zu den Entsorgungsanlagen nicht zum ökonomischen Unsinn wird, stellt der Abfallwirtschaftsbetrieb in den Regionen Transportcontainer mit 20 Kubikmeter Fassungsvermögen auf, in denen das rund acht Kubikmeter fassende Mini-Müllfahrzeug den gesammelten Abfall abladen kann, ohne das Entsorgungsgebiet verlassen zu müssen. Im Amt Beetzsee dürfte dies eher weniger der Fall sein. Denn von dort ist der Weg bis zur Müllverbrennungsanlage nach Premnitz nicht mehr weit.

Akribisch hat der Außendienst des Abfallwirtschaftsbetriebes alle derzeitigen Sackgassen in Potsdam-Mittelmark aufgelistet und einer Gefährdungsanalyse unterzogen. Die vier neuen Fahrzeuge sollen ausreichen, um den jetzigen Bedarf in engen Straßen zu decken. Kommen weitere neue Wohngebiete hinzu, wo Planer und Investoren den Platz für Standard-Müllfahrzeuge nicht berücksichtigen, geht das aktuelle Konzept nicht mehr auf.

Von Frank Bürstenbinder

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