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Möwe schleppt Vogelgrippe nach Werder

Stallpflicht ausgeweitet Möwe schleppt Vogelgrippe nach Werder

Am Freitag ist der erste Vogelgrippe-Fall Brandenburgs aufgetreten. Bei einer toten Möwe wurde auf der Werderaner Insel der hochansteckende H5N8-Erreger nachgewiesen. Die Stallpflicht ist auf das ganze Land Brandenburg ausgeweitet worden. Die Hobbygeflügelzüchter sind besorgt um das Wohl ihrer Tiere in den Ställen.

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An der Havel rund um die Werderaner Insel tummeln sich viele Möwen – eine von ihnen war infiziert.

Quelle: Olaf Möldner

Werder. Geflügelzüchter und Bauern in Werder und Umgebung sind alarmiert. Auf der Werderaner Insel ist am Freitag der erste Vogelgrippefall Brandenburgs in diesem Jahr aufgetreten. Bei einer toten Möwe wurde der hochansteckende H5N8-Erreger nachgewiesen. Das teilten das Verbraucherschutzministerium und der Amtstierarzt des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Hans-Georg Hurttig, mit. Die Behörden haben umgehend ein Sperrgebiet im Umkreis von einem Kilometer und ein angrenzendes, drei Kilometer umfassendes Beobachtungsgebiet um den Fundort eingerichtet. In diesen Bereichen gelten ab sofort Beschränkungen für die Geflügelzüchter.

Gänse, Hühner oder Enten dürfen den Sperrbezirk vorerst 21 Tage lang nicht verlassen. Für das Beobachtungsgebiet gelten 15 Tage. Geflügelbetriebe werden regelmäßig kontrolliert, heißt es in der Mitteilung des Landkreises. Die Stallpflicht gilt jetzt nicht mehr nur für die Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel, Uckermark, Barnim und das Havelland, sondern für das gesamte Land Brandenburg, so Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (Linke). Die Ställe dürfen nur mit Schutzkleidung betreten werden, die Ein- und Ausgänge sollen die Geflügelhalter versperren und regelmäßig ihre Hände und Schuhe desinfizieren. Das Veterinäramt bittet die Bürger weiterhin, tote Wildvögel sofort zu melden. In den Sperr- und Beobachtungsgebieten müssen Katzen eingesperrt und Hunde angeleint werden, weil die Gefahr besteht, dass das Virus durch den Kontakt mit toten Vögeln verbreitet wird.

Hobbyzüchter können Geflügel in Ställen kaum artgerecht halten

Laut einem Ministeriumssprecher müssen neben den Landwirten auch Hobbyzüchter die Sicherheitsmaßnahmen und die Stallpflicht einhalten. Uwe Heese, Vorsitzender des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter Potsdam, aus Glindow äußerte sich auf MAZ-Anfrage besorgt. „Das allerschlimmste ist, dass wir bestrebt sind, die Tiere artgerecht zu halten und jetzt müssen wir sie in einen Stall zusammenpferchen. Die Tiere leiden sehr darunter, nehmen ab und haben nicht mehr die Zuchtleistung, die wir wollen“, sagte er. Dass die tote Möwe nur einige hundert Meter Luftlinie von seinen Tieren gefunden wurde, alarmiert ihn. „Ich züchte hobbymäßig Gänse, die ich für die Weihnachtszeit an die Familie oder die Nachbarn gebe. Ich muss die Tiere wahrscheinlich weit vor den Weihnachstagen schlachten und einfrieren“, so Heese weiter.

Für manche Züchter sei es kaum machbar, alle Tiere in Ställe einzusperren. „So große Käfige haben einige gar nicht. Wir halten das Geflügel normalerweise immer draußen und die Ställe sind nur als Unterkunft für die Nacht da“, erklärt der Züchter. Dadurch würden sich die Geflügelzüchter eigentlich von der Haltung in den Mastanlagen unterscheiden. Einige Tiere müssen voraussichtlich geschlachtet werden. Heese kann sich noch gut an die große Vogelgrippe-Welle vor zehn Jahren erinnern. Auch damals fing es im Herbst an. „Es zog sich bis ins Frühjahr hinein. Das kann uns jetzt auch passieren“, sagte er.

Auch Teile Potsdams liegen im Beobachtungsgebiet

Auch Wildpark-West, Potsdam-West und Teile Golms liegen im Beobachtungsgebiet um den Fundort. Sieben Geflügelhalter mit etwa 180 Tieren befinden sich in diesem Bereich der Landeshauptstadt. Besonders betroffen sind aber das Stadtgebiet Werder sowie Glindow und Geltow.

Bislang galt die Stallpflicht im Landkreis Potsdam-Mittelmark nur für die Stadt Beelitz und ihre Ortsteile. Vor zwei Wochen hatte das mittelmärkische Veterinäramt die Kommune wegen der hohen Geflügeldichte als Risikogebiet eingestuft. Die dort ansässige Beelitzer Frischei GmbH hält nach eigenen Angaben 65 000 Hühner. Flächen, in denen mehr als 10 000 Stück Geflügel pro Quadratkilometer gehalten werden, sind Risikogebiete. Einen Vogelgrippe-Fall hat es dort aber bisher nicht gegeben.

Keine direkte Gefahr für Menschen

Eine Infektion des Menschen mit dem Vogelgrippe-Virus ist laut Minister Stefan Ludwig noch nicht nachgewiesen worden. Die Übertragung über infizierte Lebensmittel sei zwar theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich.

Dennoch sollten Verbraucher die Hygieneregeln im Umgang mit und bei der Zubereitung von rohem Geflügelfleisch beachten. Mahlzeiten sollen durchgegart und rohes Geflügelfleisch getrennt von den übrigen Lebensmitteln aufbewahrt werden.

Vor einer Woche ist in Berlin der erste von fünf toten Schwänen, die das H5N8-Virus in sich trugen, am Landwehrkanal gefunden worden. Seitdem häuften sich die Verdachtsmeldungen. Erstmals trat die Vogel-Influenza am 8. November in Deutschland auf. Mittlerweile wurde das Virus in zehn Bundesländern nachgewiesen.

Die genauen Grenzen der Restriktionsgebiete rund um den Fundort der toten Möwe in Werder sind unter www.potsdam-mittelmark.de veröffentlicht.

Von Luise Fröhlich

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