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Monsterjagd auf der Burg Eisenhardt

PokémonGo in Bad Belzig Monsterjagd auf der Burg Eisenhardt

Einen Monat lang ist das Handy-Spiel PokémonGo nun auf dem Markt, der Hype um die kleinen Monster ist ungebrochen. Sebastian Schmidle aus Bad Belzig ist ein Spieler der ersten Stunde. Er erklärt, wie die Jagd funktioniert.

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Sebastian Schmidle, 26, ist Pokemon-Spieler der ersten Stunde. Das violette Pokémon Bluzuk ist wenig begeistert von seinen Jagdversuchen. Quelle: Saskia Kirf

Bad Belzig. Die Beute sieht flauschig aus. Sie hat ein violettes Fell, rote, insektenartige Augen und etwas, das an die Greifwerkzeuge mancher Käfer erinnert. Bluzuk heißt das Wesen. Als Neuling in der Jagdszene wird man ganz automatisch leise, verfällt in ein Flüstern, wenn das Objekt der Begierde plötzlich vor einem auftaucht.

„Klasse!“ Bluzuk ist gefangen

Das ist natürlich albern. Bluzuk kann nicht hören. Bluzuk ist nicht real, obwohl es hier doch sehr gut sichtbar vor der Burg Eisenhardt in Bad Belzig herumhopst und sich vehement dagegen sträubt, eingefangen zu werden. Sebastian Schmidle ist etwas genervt von Bluzuks Starrsinn. Er greift zu einer besseren Waffe, einem besseren Ball, um das kleine Monster zu erwischen. „Klasse!“, steht nach dem dritten Versuch auf Schmidles Handy-Display. Bluzuk gehört nun ihm.

Im Spiel passiert alles auf dem Handydisplay

Im Spiel passiert alles auf dem Handydisplay

Quelle: Saskia Kirf

Vor genau einem Monat, am 13. Juli, erschien das Handy-Spiel PokémonGo in Deutschland. Der 26-jährige Bad Belziger Schmidle ist ein Spieler der ersten Stunde. Eigentlich arbeitet er in der ambulanten Kinderintensivpflege eines Berliner Unternehmens. In seiner Freizeit spielt Schmidle Tischtennis, ist im Vorstand eines Fußballvereins und spielt Keyboard in einer Band. „Pokémon kann man nebenbei spielen, so lange man unterwegs ist“, sagt Schmidle.

In dem Spiel geht es darum, mit dem Handy möglichst viele digitale Monster einzufangen und auszubilden. Der Spieler fungiert als Sammler und Trainer. Die Monster, die Pokémon, sind seine Beute.

Die Jagd funktioniert nur draußen

Per GPS-Signal wird Schmidle geortet. Die Umgebung taucht sofort in einer digitalen Straßenkarte auf seinem Mobiltelefon auf – Monster muss man draußen fangen, in der eigenen Wohnung kommt man nicht weit. Er kann überprüfen, wie viele Pokémon sich in der Umgebung befinden, sie suchen. Taucht eines der Monster auf, kann er es einfangen. Die Pokébälle sind sein Netz, seine Waffe.

So sieht das ganze aus

So sieht das ganze aus: Schmidles Spielfigur an der Burg.

Quelle: Saskia Kirf

Mit dem Zeigefinger – alles passiert auf dem Display – bewegt Schmidle den Ball auf das Wesen zu, das ausweicht, springt, sich schüttelt und mit aller Kraft seine Unabhängigkeit bewahren will. Hat ein Trainer erst einmal ein Pokémon gefangen, kann er es weiter ausbilden. Es wird stärker, auch der Spieler gewinnt dadurch an Erfahrung und steigt in der Rangliste auf. Schließlich gibt es noch digitale Arenen, in denen die Pokémon gegeneinander antreten können.

Ursprünglich tummelten sich die Monster in einer Fernsehserie. Seit 1997 wird die japanische Zeichentrickserie produziert, in welcher der junge Held Ash zum besten Pokémon-Trainer aller Zeiten aufsteigen will. Mit der Zeit kamen Spiele, Sammelkarten und nun schließlich auch die App fürs Handy dazu. Sie entwickelte sich zum weltweiten Hype, gilt als erfolgreichste App aller Zeiten. Selbst der Messenger WhatsApp, mit dem sich Nutzer kostenlos unzählige Text- und Sprachnachrichten, Fotos und Videos senden können, wurde nicht so häufig heruntergeladen wie PokémonGo.

Kurz und knapp: Darum geht’s bei PokémonGo

Herumlaufen, einfangen, ausbilden – das sind die Aufgaben des Trainers im Spiel. 151 verschiedene Pokémon kann er in der App theoretisch fangen, manche sind allerdings vom Hersteller Nintendo noch nicht freigeschaltet.

Die Wesen tauchen vor allem an belebten Orten auf. Monster, die im Pokémonuniversum beispielsweise Waldwesen sind, findet man auch in der App vor allem in Wäldern, Wasserpokémon an Seen oder Flüssen.

Sie können von jedem Spielern gefangen werden, der in der Nähe ist. Nach einer gewissen zeit verschwindet das jeweilige Pokémon dann wieder.

Besonders seltene Monster findet man nicht einfach auf der Straße. Sie werden zum Beispiel bei Spielemessen oder zu besonderen Anlässen ins System eingespeist.

Das Spiel ist kostenlos, wertvolle Gegenstände können aber mit echtem Geld gekauft werden. Unser Pokémon-Experte Sebastian Schmidle hat noch keinen Cent ausgegeben. er sagt.: „Man kann auch so sehr erfolgreich sein.“

Sebastian Schmidle wundert das nicht. „Man bewegt sich, ist draußen unterwegs und trifft nette Leute.“ Einmal in der Woche organisiert er mit seiner Freundin Laura und einem Kumpel Treffen in Bad Belzig. Am Rathaus, am Seecafé oder an der Burg stehen dann um die 70 Personen, schauen auf ihre Telefone und suchen Monster. „Ich war völlig baff, wie viele Menschen da kommen“, erinnert sich Schmidle an den ersten Abend. „Plötzlich waren wir 40.“

Lockmodule bei den Events

Über die Facebookgruppe „PokémonGo Bad Belzig“ informiert er über den nächsten Termin. Die Spieler gehen dann gemeinsam auf die Jagd. „An Sehenswürdigkeiten und gut besuchten Orten tauchen mehr Pokémon auf“, weiß Sebastian Schmidle. Zudem setzen die Spieler dann so genannte Lockmodule ein, durch die mehr Monster zu ihnen kommen. „Es ist super, dass so mehr Leute an die tollen Orte in der Stadt gehen“, sagt Schmidle.

Thomas Schmöhl, Leiter des Heimatmuseums, stimmt zu: „Wir haben auf der Burg zwei oder drei dieser Pokéstops, an denen die Monster auftauchen“, sagt Schmöhl, der einen gesteigerten Besucherzustrom registriert. „Ich finde das richtig gut. Dieses Spiel bringt junge Leute dazu, rauszugehen und ihre Stadt neu zu entdecken.“

Von Saskia Kirf

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