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Mopsfledermaus fühlt sich in Neuendorf mopsfidel

Neuendorf bei Brück Mopsfledermaus fühlt sich in Neuendorf mopsfidel

Nun ist nicht mehr nur die Kirche von Neuendorf offiziell gefährdet. Das Gutachten eines Diplom-Biologen zeigt, dass in dem Gotteshaus offenbar mehrere Fledermausarten leben. Eine von ihnen steht der auf der Roten Listen der gefährdeten Tierarten. Gesehen und identifiziert hat die Mopsfledermaus allerdings noch niemand.

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Eine Mopsfledermaus ganz nah: Tiere dieser gefährdeten Art haben in der Neuendorfer Kirche ein Zuhause gefunden.

Quelle: Stefan Thomas

Neuendorf. Mopsfledermäuse haben Gefallen an der Neuendorfer Kirche gefunden. Das zumindest ist das Ergebnis eines Gutachtens, welches im Zusammenhang mit der geplanten Sanierung des Gemäuers erstellt wurde. Ob die geheimnisvollen Flatterer sich dort dauerhaft einquartiert haben, ist hingegen noch nicht geklärt.

„Im Sommer sausen die Fledermäuse hier wie die Wahnsinnigen umher“, erzählt Eike Siedschlag. Schon so manches Mal sind die nachtaktiven Säugetiere dicht über seinem Kopf hinweg geflogen. Der 50-Jährige wohnt der Kirche gegenüber und hat die Fledermäuse auf ihrem Weg dorthin bereits oft erlebt. Derzeit herrscht jedoch absolute Ruhe. Denn die Tiere halten Winterschlaf.

Barbastella barbastellus

Der lateinische Name der Mopsfledermaus lautet Barbastella barbastellus. Ihren Namen erhielt sie von der mopsartigen Schnauze.

Bis zu 18 Jahre alt kann die europäische Fledermausart werden. Fell und Flügel sind schwarz, der Bauch dunkelgrau. Die Spannweite der Flügel misst in der Regel 26 bis 29 Zentimenter. Dennoch bringen die Tiere durchschnittlich nur sechs bis 13 Gramm auf die Waage.

Verbreitet ist die Mopsfledermaus in Deutschland vorwiegend in Bayern, Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. In Brandenburg gelten die Lausitz, der Niedere Fläming und die Märkische Schweiz als Gebiete, in den sie gelegentlich vorkommt. Auch in Potsdam-Mittelmark wurde sie bereits vereinzelt nachgewiesen.

Spalten in Totholz in der Nähe von Waldgebieten nutzen die Tiere oft als Sommerquartier.

Im Winter ziehen sie sich in unterirdische Quartiere aber auch in historische Gebäude mit trockenen und kalten Hangplätzen zurück.

„Vielleicht sogar bei uns in der Kirche“, mutmaßt Dirk Brauer. Dem Gemeinderatsmitglied war der sich allsommerlich wiederholende, rege Flugbetrieb ebenfalls nicht verborgen geblieben. Deshalb verfolgte er die im vergangenen Jahr durchgeführten Messungen mit großem Interesse.

Mittels Fledermausdetektoren wurde den Tieren nachgespürt. Über aufgezeichnete Laute, die für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbar sind, sollte erfasst werden, welche Fledermausarten sich in der Dorfkirche einquartiert haben. Von Juni bis Oktober wurden durch den Diplom-Biologen Kay-Uwe Hartleb aus der Gemeinde Schwielowsee die Aktivitäten der nachtaktiven Säuger aufgezeichnet.

Gemeindekirchenratsmitglied Dirk Brauer (links) und der Neuendorfer Eike Siedschlag engagieren sich für die Kirche

Gemeindekirchenratsmitglied Dirk Brauer (links) und der Neuendorfer Eike Siedschlag engagieren sich für die Kirche.

Quelle: Christiane Sommer

Die Auswertung der Datensammlung sorgte dann für die eigentliche Überraschung: Laute von verschiedenen Arten wurden festgestellt, darunter Zwergfledermäuse, Große Abendsegler, Große Mausohren und Graue Langohren. Für Erstaunen sorgte jedoch der Nachweis der Mopsfledermäuse – einer Art, die auf der Roten Liste steh und Bauprojekte mancherorts schon tüchtig hinausgezögert hat. „Eigentlich soll die Kirche ja zur Eselpilgerkirche entwickelt werden“, sagt Brücks Pfarrer Helmut Kautz und muss aufgrund der Ergebnisse des Gutachtens schmunzeln, „jetzt wird sie vielleicht auch noch Fledermauskirche“.

Wirklich gesehen und dabei auch als Mopsfledermaus erkannt, hat die Tiere in Neuendorf allerdings noch niemand. Obwohl Anwohner Eike Siedschlag und Kirchenschlüsselhüter Dirk Brauer schon mehrmals auf dem Kirchturm Ausschau hielten. Denn dort und auf dem Kirchendach sollen die Flatterer ihr Quartier bezogen haben. Verraten haben sie sich dennoch selbst, und zwar durch ihre Exkremente. „Ich dachte bisher, dass ist Mäusekot“, sagt Brauer und erklärt den Unterschied: Zwischen den Fingern zerrieben zerfällt der Fledermauskot zu Staub.

Der Dachstuhl muss dringend saniert werden

Der Dachstuhl muss dringend saniert werden.

Quelle: Christiane Sommer

Dann deuten Brauer und Siedschlag auf die Problemzonen der im 15. Jahrhundert erbauten Kirche, die ohne eine hinreichende Sanierung mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einstürzen wird. Wann dies geschehen könnte, vermag niemand zu sagen. Die beiden Männer erzählen vom Sanierungskonzept, dass Nico Schäfer vom Architekturbüro Krekeler im Herbst vorgestellt hat, und von den baulichen Veränderungen am Kirchbau, die 1838 erfolgten.

Damals sei unter anderem das Kirchenschiff nach Westen verlängert, eine Patronatsloge gebaut und das Dach verändert worden. Ein Tonnengewölbe wurde eingezogen, die alten Querbalken kurzerhand entfernt. Mit statischen Folgen: Die Dachlast drückt nun die Wände auseinander.

Für die statisch konstruktive Sanierung sind 316 000 Euro veranschlagt. 70 Prozent können über die Leader-Förderung von der EU an die Kirchengemeinde fließen. Weitere 100 000 Euro erfordert die konzeptionelle Veränderung zur Eselpilgerkirche.

In Zusammenarbeit von Kirchengemeinde, Heimatverein und dem Besitzer der „Eselnomaden“, Jan Prowaznik, soll die Kirche wieder zum Dorfmittelpunkt von Neuendorf werden. Wie schnell die Sanierung beginnen kann, ist inzwischen nicht mehr nur vom Geld abhängig. Schließlich ist es auch für die Mopsfledermaus fünf vor zwölf.

Von Christiane Sommer

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