Bluttat im Asylbewerberheim: In einem der beiden Wohnblöcke an der Potsdamer Straße in Teltow (Potsdam-Mittelmark) ist am Dienstag ein 21 Jahre alter Mann aus Somalia erstochen worden. Die Tatzeit liegt zwischen 7 und 9 Uhr. Der Mann wurde offenbar Opfer eines Streits mit einem 35-Jährigen, der ebenfalls aus Somalia stammt und mit dem späteren Opfer dasselbe Zimmer bewohnte.
In diesem Zimmer war der 21-Jährige gegen 10.30 Uhr auch schwer verletzt aufgefunden worden. Er starb an einem Stich in die Halsschlagader. Die Heimleitung alarmierte einen Notarzt und die Polizei. Der dringend Tatverdächtige flüchtete. Nach dem Anruf einer Autofahrerin von der am Heim vorbeiführenden Landesstraße 40 wurde er aber gesichtet und vorläufig festgenommen. Er war zu Fuß unterwegs. Das Messer hatte er noch bei sich. Daran klebte Blut. Zu seiner Vernehmung am Nachmittag wurde ein Dolmetscher hinzugezogen. Ob der Beschuldigte die Tat einräumte oder nicht, darüber wurde nichts bekannt. Voraussichtlich am heutigen Mittwoch will die Potsdamer Staatsanwaltschaft über einen Haftbefehl entscheiden.
Die Mordkommission der Polizeidirektion West war um 13 Uhr angerückt und noch am späten Nachmittag vor Ort. Auch die Zentrale Kriminaltechnik und der Kriminaldauerdienst waren im Einsatz. Die Heimleitung äußerte sich nicht zu der Bluttat, auch die Behörden hielten sich bedeckt. Es soll in dem mehrstöckigen Gebäude aber ruhig geblieben sein. Fremden war der Zutritt nicht erlaubt, die Bewohner durften aber hinein und hinaus, zum Beispiel, um Einkäufe zu erledigen.
Unmittelbare Anwohner des Heims gibt es nicht. Deshalb sammelten sich auch kaum Neugierige an. Ein Polizist reichte zur Bewachung. Das Gebäude ist von zwei Straßen umgeben, auf dem rückwärtigen Grundstück ist eine Baugrube für Wohnungen ausgehoben. Direkt neben dem Heim befinden sich Polizeirevier und Feuerwehr. Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) äußerte sich tief bestürzt über die tödliche Attacke. Er hoffe auf schnelle Aufklärung. Schmidt betonte, dass es in Teltow bisher zu keinen besonderen Vorkommnisse im Zusammenhang mit den Asylbewerbern gekommen war. Es habe ein gutes Miteinander gegeben. Die Stadt hatte zusammen mit dem Landkreis und der Willkommens AG die ersten Flüchtlinge, die im Frühjahr 2013 angekommen waren, mit einem Fest herzlich begrüßt.
Offenbar handelt es sich um den ersten folgenschweren Fall in dem Heim. Die Leiterin, Doreen Düring, hatte im März gegenüber der MAZ gesagt, größere Auseinandersetzungen habe es bislang nicht gegeben. In dem Wohnblock leben überwiegend Männer, aber auch einige Familien mit Kindern.
2014 hatte es im Asylbewerberheim in Beelitz-Heilstätten eine lebensgefährliche Messerstecherei zwischen zwei Männern aus dem Tschad gegeben. Ein 23-Jähriger wurde zu dreieinhalb Jahren Haft und Schmerzensgeld verurteilt.
Von Stephan Laude