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Potsdam-Mittelmark Mystische Wälder und Feste im Kleinen
Lokales Potsdam-Mittelmark Mystische Wälder und Feste im Kleinen
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16:50 31.05.2017
Im Erweiterungsflügel des Caputher Schlosses (links) ist derzeit eine Ausstellung zur Frühen Neuzeit zu sehen. Quelle: Luise Fröhlich
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Caputh

Wer in Caputh weilt, der kommt am ältesten erhalten gebliebenen Lustschloss aus der Zeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg nicht vorbei. Zentral gelegen, fährt fast jedermann automatisch daran vorbei. Mittlerweile blickt das Schloss, das von Kastellanin Petra Reichelt verwaltet wird, auf eine über 350-jährige Geschichte zurück. Seit 1999 erstrahlt das Barock-Haus wieder in vollem Glanz und öffnet die Türen für Touristen und Einheimische. Neben der Nutzung als Museum finden dort das ganze Jahr über Sonderführungen, Vorträge, Konzerte und Ausstellungen statt. Im Erweiterungsflügel wird derzeit eine Schau gezeigt, die sich der Abwechslung halber nicht mit der Hochkultur, sondern mit dem Alltag der kleinen Leute beschäftigt.

Anlässlich des 700-jährigen Bestehens von Caputh in diesem Jahr habe die Idee darin bestanden, eine Hälfte dieser 700 Jahre zu beleuchten – nämlich die Frühe Neuzeit (1450 bis 1850), erklärt Sebastian Ernst von Haven-Volck. Sein Verein engagiert sich in Sachen kulturelle Bildung und Geschichtsvermittlung und arbeitet schon seit längerer Zeit mit dem Schloss zusammen. Auch die Schau ist eine Kooperation: „Das Schloss Caputh ist die perfekte Schnittstelle als Ausstellungsort“, so Ernst. Tafeln mit Texten und Bildern schmücken die Wände des Erweiterungsflügels und verraten dem Besucher, woher der Begriff „Feierabend“ stammt, welch vielschichtiger und widersprüchlicher Ort der Wald war und warum Essen mehr als nur Nahrungsaufnahme ist. Nicht umsonst trägt die Ausstellung den Namen „Mäßige Ergetzlichkeiten und erschröckliche Wildnisse“.

Negative Sichtweise zum Wald entwickelte sich zu einer positiven

„Es ist ein kleiner Rundumschlag der Frühen Neuzeit, der auch dazu führen soll, noch mal über die heutige Zeit nachzudenken“, erklärt Sebastian Ernst. Behandelt werden Themen, die die Menschen sowohl damals als auch jetzt noch beschäftigen. Dinge wie Entwicklung, Möglichkeit und Veränderung sollen aufgezeigt und erlebbar gemacht werden. All das basiere auf wissenschaftlich fundierter Arbeit. Ergänzen sollen die vielen verschiedenen Ausstellungen die Workshops, die in diesem Jahr im Schloss stattfinden. Erklärt wird auf den Schautafeln zum Beispiel, wie das Arbeitsende eines jeden Tages zu festlichem Charakter kam. Der Feierabend wurde mit festlichen Elementen wie Tanz, Spiel oder Essen und Trinken gestaltet und war so ein „Fest im Kleinen“. Als wichtiger sozialer und kultureller Raum wird auch der Hafen näher beleuchtet. Er galt als Sinnbild des Reichtums, Handels und als Selbstverständnis des sich entwickelnden Bürgertums. Empfunden wurde er als „schön und exotisch, aber auch als abscheulich und hässlich“, heißt es.

Ausstellung im Erweiterungsflügel des Schlosses Quelle: Luise Fröhlich

Ähnlich widersprüchlich war auch das Image des Waldes in der Frühen Neuzeit. Die Menschen sahen ihn als unheimlichen Ort, den es zu meiden galt: „Gleich nachdem ich diesen Wald betreten, gerieth ich in Verwirrung über die Menge der sich verzweigenden Wege und gewahrte bald, daß ich je weiter ich voranschritt, desto mehr vom rechten Weg abirrte“, beschrieb Althanasius Kircher eine Wanderung 1616 in seiner Selbstbiografie. Gleichzeitig war der Wald bewohnt von Raubtieren, aber auch mythischen Wesen wie den Werwölfen. Diese negative Sichtweise entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer positiveren, als die Natur zum Sehnsuchtsort und der Wald auch als ökonomischer Nutzraum verstanden wurde.

Zu sehen ist die Schau bis zum 13. August während der Öffnungszeiten des Schlosses. Der Eintritt ist frei.

Von Luise Fröhlich

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