Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Nabu würdigt Fläminger Schwalben-Gastgeber

Niemegk Nabu würdigt Fläminger Schwalben-Gastgeber

Schwalben haben es heute schwer, in Städten und Dörfern geeignete Brutbedingungen zu finden. Entsprechend willkommen sind Naturschützern passive Gastgeber wie Peggy Rippl und Burkhard Pitack in Niemegk. Sie dulden Schwalbennester an ihren Gebäuden. Dem Naturschutzbund ist das nun eine Würdigung wert.

Voriger Artikel
Schulleiter Reiche geht in den Ruhestand
Nächster Artikel
Unbekannte stehlen silbernen VW-Bus

Janek Wähnert vom Naturschutzbund würdigt Peggy Rippl in Niemegk als Schwalbenpatin.

Niemegk. Etwas schief – und vor allem mit einem schönen großen Spalt über ihr – hängt die alte Tür im Scheunentor. „Das bleibt auch so“, erklärt Hausherrin Peggy Rippl. Denn in ihrer Scheune hinter dem kleinen Haus in der Grünstraße zu Niemegk nisten Schwalben. Mindestens fünf Nester gibt es dort. Entsprechend Rege ist der Flugbetrieb. Der Zwischenraum über der Tür ist die Einflugschneise für das Sommerquartier der Zugvögel.

„Allerdings ist das heute nicht mehr selbstverständlich“, sagt Janek Wähnert vom Naturschutzbund Deutschland Regionalverband Belzig „Hoher Fläming – Planetal“. Ihm ist das passive Engagement der Niemegkerin eine spezielle Würdigung wert. Für Schwalbenpaten gibt es eine Plakette für die Hausfassade und eine Urkunde für die Bewohner.

Längst nicht mehr überall geduldet

„Heute werden Quartiere für Schwalben längst nicht mehr überall geduldet“, erklärt der Naturschützer zum Hintergrund des Projektes „Schwalben willkommen!”. Es läuft seit 2012 mit dem Ziel, Menschen auf die Problematik aufmerksam zu machen und zu mehr Toleranz gegenüber den wohnungssuchenden Vögeln zu bewegen. Mehr als 500 schwalbenfreundliche Brandenburger wurden seither mit Plakette und Urkunde ausgezeichnet. Auch im Fläming. Neben Peggy Rippl wurde jetzt auch Burkhard Pitack, ebenfalls in Niemegk, gewürdigt.

Einst galten Schwalben als Glücksbringer, da die Vögel mit ihrer Rückkehr aus dem sonnigen Süden hierzulande den Sommer verkündeten und Hof und Stall vor Feuer schützen sollten. Die Vögel waren willkommen und ihre Nester an Wohnhäusern, Nebengebäuden und in Ställen geduldet. Seit Jahren gehen die Schwalbenbestände jedoch zurück. Es mangelt an geeigneten Brutbedingungen. Veränderungen in der Landwirtschaft, Bodenversiegelungen und ein verstärktes Hygieneempfinden erschweren es den Mehl- oder Rauchschwalben, Baumaterial aus lehmigen Pfützen und geeigneten Neststandorte in Gebäuden oder an Fassaden zu finden.

Geschützte Vögel

Wer an seinem Haus geschützte Schwalben duldet oder aktiv schützt, kann sich um die Plakette „Schwalben willkommen“ des Naturschutzbundes Nabu bewerben. Der Nabu ruft dazu auf, Schwalbennester nicht zu entfernen.

Seit Jahren gilt der Bestand an Schwalben landesweit als rückläufig. Wurden 1996 noch bis zu 300 000 Brutpaare im Märkischen gezählt, sind es derzeit noch zwischen 37 000 und 55 000.

Auch der Bestand an Mehlschwalben, die ebenfalls an Häusern nisten, ist um die Hälfte zurückgegangen.

Wer auf seinem Grundstück eine Lehmpfütze lässt, erleichtert den Schwalben den Bau von Nestern. In dem Lehmmaterial verkleben sie Gras als Bewehrung für die Konstruktion.

Schwalben ernähren sich von Mücken, Fliegen und andere Insekten. Zusätzliches Füttern lehnen Naturschützer ab.

Weitere Informationen über diese Schutzaktion gibt es auf der Website des Nabu.

Dabei ist es nicht schwer, den Schwalben das Leben in ihren Sommerquartieren hier zu Lande zu erleichtern. Dazu gehören Nistsimse, die Halt an glatten Wänden geben und das Abbrechen des Nestes verhindern. Mit einfachen Mitteln können Naturfreunde auch Kunstnester bauen. „Einfache Kotbretter unter dem Nest an der Hauswand schützen vor Verschmutzung“, erklärt Janek Wähnert bei den Ortsterminen in Niemegk.

Vogelkot im Hofzugang stört nicht

Burkhard Pitack stört der Vogelkot im Hofzugang seines Hauses nicht. „Hier gibt es schon seit 20 Jahren ein Schwalbennest, das mein Vater schon geduldet hat“, erzählt der Naturfreund. In Niemegk und Umgebung ist er als „der Indianer“ bekannt, befasst sich mit Tradition der amerikanischen Ureinwohner und wohnte über Jahre in einem Tipi-Zelt.

Burkhard Pitack duldet das Schwalbennest in seinem Niemegker   Torhaus

Burkhard Pitack duldet das Schwalbennest in seinem Niemegker Torhaus.

Quelle: Thomas Wachs

Nun teilt Pitack das Elternhaus mit Schwalben. Von der Würdigung wurde er überrascht. Sein 27 Jahre alter Sohn hat ihn von Berlin aus für das NABU-Projekt angemeldet. Ein Foto als Beweis und ein kurzer Kontrollbesuch vom Nabu-Verantwortlichen für die Region folgten. „Wir freuen uns über jede Bewerbung, die einfach über die Nabu-Internetseite möglich ist“, sagt Janek Wähnert.

Peggy Rippl hingegen hatte aus der Zeitung von der Aktion erfahren und sich angemeldet. „Ich stehe Umweltthemen und Naturschutz offen gegenüber“, erzählt die Mutter dreier Kinder. Die Plakette bekommt einen Ehrenplatz an der Fassade ihres Hauses. „Damit wollen wir weitere Leute animieren, sich ebenfalls als Schwalbenpaten zu engagieren“, versichert Janek Wähnert vom Naturschutzbund.

Von Thomas Wachs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg