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Potsdam-Mittelmark Nach Dorffest: Auge, Nase und Zähne kaputt
Lokales Potsdam-Mittelmark Nach Dorffest: Auge, Nase und Zähne kaputt
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13:08 15.04.2019
Voll im Gesicht landete der Schlag, durch den ein Sehnerv durchtrennt, fünf Zähne ausgeschlagen und die Nase gebrochen wurden. Das vorliegende Bild ist ein Symbolfoto. Quelle: Peter Geisler
Marzahne

Manchmal hilft es Angeklagten, wenn sie sich vor Gericht doch noch für die Wahrheit entscheiden und sich beim Opfer entschuldigen. Ein 29 Jahre alter gebürtiger Brandenburger hat seine Chance im letzten Moment genutzt und muss daher nicht ins Gefängnis. Den Hauptgrund dafür hatte er allerdings nicht selbst in der Hand.

Ein einziger Faustschlag am 29. Juli 2017 auf dem Dorffest in Marzahne richtete Verheerungen an. Das Opfer wurde an Nase, Kiefer und Auge verletzt. Die Nase gebrochen, fünf Zähne ausgeschlagen und am schlimmsten: Ein Sehnerv durchtrennt, das Auge fast zerstört.

Knapp zwei Jahre nach der Gewalttat sieht der 20 Jahre junge Mann aus Zeitz in Sachsen-Anhalt immer noch sehr schlecht auf dem linken Auge. Die Sehkraft lag zeitweise nur bei 10 Prozent.

Lebenslange Beeinträchtigung

Sein Leben lang wird der junge Mann nicht mehr so sehen können wie vor dem großen Schlag. Er wollte eigentlich Polizist werden. Diesen Berufswunsch musste er aufgeben. Nun lernt er Immobilienkaufmann.

Der junge Mann ist damals mit Kumpels zu einem Freund gereist, der gerade bei Brandenburg ein Haus baut. Die Gruppe will an jenem 29. Juli 2017 ein bisschen feiern und geht aufs Dorffest in Marzahne.

Die Gruppe fällt auf, schließlich sind die Jungen im Gegensatz zu den meisten Gästen keine Einheimischen. Das ist stundenlang fast kein Problem, die jungen Männer von außerhalb amüsieren sich. Zwei-, dreimal werden sie zurechtgewiesen, als sie auf der Bühne tanzen wollen.

„Auffällig“ benommen

Der 29 Jahre alter Angeklagte, ein Facharbeiter mit festem Job, kennt im Dorf Hinz und Kunz. Auch er feiert auf diesem Fest, trinkt ein bisschen. Ihm fallen die fremden Jungs auf, weil sie sich „auffällig“ benehmen.

Lange geht alles gut, da wollen die jungen Männer nach Hause, das Taxi ist für Mitternacht bestellt. Eine Viertelstunde davor gehen zwei von ihnen noch einmal auf die Bühne, diesmal gibt etwas Ärger, eine kleine Schubserei mit einem Kumpel des Angeklagten. Nichts Ernsthaftes.

Der 20-Jährige aus Zeitz geht ein bisschen dazwischen, will beschwichtigen. Sekunden später hat er eine Faust im Gesicht, Staatsanwalt und Gericht sind überzeugt, dass ein silberner metallener Gegenstand in der Faust die Wirkung erheblich verstärkt.

Geständnis und Entschuldigung

Der junge Mann geht schwer verletzt zu Boden. Der Schläger verzieht sich, wird aber später ermittelt und angeklagt. Bis zur Gerichtsverhandlung schweigt er.

Dort aber legt er ein Geständnis ab, bestreitet nur den Metallgegenstand, den ein Zeuge gesehen in seiner Hand hat. Die Entschuldigung des Täters vor Gericht wirkt zwar nicht sehr herzlich, aber doch ehrlich.

Er wird wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Die Bewährung hätte er wahrscheinlich nicht erhalten, wenn nicht kurz vor dem Prozesstermin eine verbesserte Sehkraft von 40 Prozent festgestellt hätte.

15.000 Euro Schmerzensgeld

Bei 10 Prozent wäre eine strengere Strafe wegen schwerer Körperverletzung fällig geworden. Der 29-Jährige muss wegen seiner „Ausreißertat“ zudem 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Angreifer und Opfer einigen sich vor Gericht noch auf ein Schmerzensgeld von 15.000 Euro. Zahlt der Schuldige alle Raten pünktlich, endet die Verpflichtung, wenn 12.500 Euro gezahlt sind.

Die Sozialprognose des verurteilten Mannes ist günstig. Er hat feste Arbeit, lebt mit einer Partnerin zusammen, will ein Haus kaufen und zahlt Unterhalt für seine Tochter aus einer früheren Beziehung.

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