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Nach hundert Jahren wieder heimisch in Ferch

Havelländische Malerkolonie Nach hundert Jahren wieder heimisch in Ferch

Seit 15 Jahren kümmert sich der Förderverein Havelländische Malerkolonie in Ferch um die Werke der Maler, die sich einst am Schwielowsee niedergelassen haben. Das Haus zu sanieren und zu einem Museum umzufunktionieren, hat lange gedauert und war mit einigen Hürden verbunden. Heute zählt das kleine Museum mit Reetdach bis zu 6000 Besucher jährlich.

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Carola Pauly (l.) und Helga Martins stehen vor einem Bild von Karl Hagemeister mit dem Titel „Baumblüte mit Bäuerin“ von 1888.

Quelle: Edith Mende

Ferch. Der Anstoß, das Erbe der Havelländischen Malerkolonie Ferch zu pflegen, sei vom Berliner Galeristen Velio Bergemann gekommen, erinnert sich Helga Martins. Er traf auf offene Ohren. Die Gemeinde kaufte 2002 ein leerstehendes Kossätenhaus, eines der ältesten im Ort. Unter Führung eines Vereins sollte es mit viel Eigenleistungen saniert und dann als Museum genutzt werden. „Und du nimmst das in die Hand“, beauftragte der damalige Bürgermeister Roland Büchner die Gemeindevertreterin Helga Martins. Die war gerade in den Ruhestand gegangen. Mit sieben Mitstreitern gründete sie den Förderverein Havelländische Malerkolonie. Man begann, das Haus zu entkernen, den Garten aufzuräumen und Anbauten abzureißen. Aber 2003 machte eine Brandstiftung alles zunichte. Um aus der Brandruine wieder etwas aufbauen zu können, war nun eine Menge Geld nötig. Es dauerte drei Jahre, bis es zusammengetragen war, jeweils ein Drittel von Bund, Land und Gemeinde.

Der Neubau konnte beginnen. Die Potsdamer Kunstwissenschaftlerin Stefanie Krentz half, das Museumskonzept zu erarbeiten. Im Juli 2008 endlich die Eröffnungsausstellung. Inzwischen waren Arbeiten vieler Künstler, die sich vor gut 100 Jahren am Schwielowsee niedergelassen hatten, um in der Ruhe und Schönheit der Landschaft zu arbeiten, in Ferch zu sehen. Der Verein besitzt rund 100 eigene Exponate. Das sind Gemälde, Grafiken sowie Dokumente, die dank verschiedener Sponsoren erworben wurden oder als Geschenke ins Haus kamen. Dauerleihgaben ergänzen den Bestand.

Expertenforum am 18. Juni

„Das Vertrauen von Leihgebern mussten wir uns erst erarbeiten“, sagt Carola Pauly, die vor drei Jahren den Vereinsvorsitz übernahm. Professor Jelena Jamaikina, eine Kunsthistorikerin, die in Ferch wohnt, erwies sich als Glückfall dabei. Sie wurde zur Kuratorin der Ausstellungen, hat Kontakte zu zahlreichen privaten Sammlern. „Dadurch konnten wir schon häufig Bilder zeigen, die man sonst in keinem Museum findet“, erläutert die Vereinschefin. Mit Schwaan, Ahrenshoop und anderen Künstlerkolonien besteht längst ein reger Austausch sowohl kompletter Expositionen als auch einzelner Werke.

5000 bis 6000 Besucher zählt das kleine Museum mit dem Reetdach jährlich. Besonderen Zuspruch hatten im vorigen Jahr die Bilder aus der Berliner Secession sowie die Arbeiten von Julie Wolfthorn. Derzeit sind unter dem Titel „Ferch in der Malerei“ Arbeiten aus den Anfängen der Künstlerkolonie zu sehen. Karl Hagemeister, Carl Schuch und Hans-Otto Gehrcke sind die bekanntesten Namen der Schau. Andere Fercher Kunstwerke werden gerade in Hamm ausgestellt.

„Alles in unserem Verein ist ehrenamtlich“, betont Carola Pauly. Von den 80 Mitgliedern seien etwa 20 sehr aktiv, übernehmen Reinigungsarbeiten, Dienste zu den Öffnungszeiten des Museums oder backen Kuchen für die Vernissagen. Mit einem Expertenforum Havelländische Malerkolonie möchte der Förderverein am 18. Juni sein 15-jähriges Bestehen begehen. Ab 10 Uhr gibt es in der Fercher Kulturscheune vier Vorträge verschiedener Fachleute zu unterschiedlichen Aspekten der Künstlerkolonie.

Geöffnet von Mai bis Oktober: Mittwoch bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Ferch und seine Maler

Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden vielerorts in Europa Künstlerkolonien. Der gebürtige Werderaner Karl Hagemeister brachte Künstlerkollegen wie Carl Schuch an den Schwielowsee.

Auch Berliner Maler kamen, meist zu Sommeraufenthalten. Auf einem Künstlerpfad kann man die einstigen Wirkungsstätten entdecken.

Von Edith Mende

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