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Potsdam-Mittelmark Nachbarn retten bewusstlosen Freund
Lokales Potsdam-Mittelmark Nachbarn retten bewusstlosen Freund
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10:40 06.03.2017
Dirk-Torsten Siebert und seine Frau Christine Gorecki aus Briest haben einem Nachbarn das Leben gerettet. Dieser lag mit Zuckerschock über Stunden hilflos in seinem Haus.
Briest

Sie im Ernstfall in der Nähe zu haben, ist offensichtlich ein Glück. Christine Gorecki und Dirk-Torsten Siebert haben einem befreundeten Rentner in Briest das Leben gerettet. Der Mann war mit Zuckerschock in seinem Bungalow zusammengebrochen und lag dort stundenlang bewusstlos, bis ihn die besorgten Nachbarn fanden und die Rettungskräfte alarmierten. Es ist bereits das zweite Mal, dass Dirk-Torsten Siebert einem Menschen das Leben gerettet hat.

1992 bewahrte Siebert einen Angler vor dem Ertrinken: Als dessen Boot gekentert war, zog er den 59-jährigen Mann an Land. Ein zweiter Angler ertrank, ein dritter konnte sich selbst ans Ufer retten. Dicker Neben herrschte damals. Es war November, die Havel eiskalt. Für diesen mutigen Einsatz ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit zeichnete ihn der damalige Innenminister Alwin Ziel mit einer Dankesurkunde der Landesregierung Brandenburg aus. Die hängt schon leicht vergilbt hinter Glas.

Dirk-Torsten Siebert ist kein Superman

Dabei ist Siebert kein Superman, gestählt und topfit. Den 57-Jährigen plagen selbst gesundheitliche Probleme. Er war am Tag der Rettungsaktion erst aus der Klinik gekommen. Dorthin war der ebenfalls zuckerkranke Siebert Tage zuvor eingeliefert worden, nachdem er selbst während seiner Arbeit einen Zuckerschock erlitten hatte und ohnmächtig geworden war. In einer Autowerkstatt in Brandenburg war das, Siebert arbeitet als Kfz-Monteur.

Auf den Tag genau vor 25 Jahren

Heute auf den Tag genau vor 25 Jahren erhielt Dirk-Torsten Siebert die Auszeichnung des Landes Brandenburg: „Herrn Dirk-Torsten Siebert aus Briest in Anerkennung seiner mutigen Tat, mit der er dem 59-jährigen“ Siegfried R. „das Leben gerettet hat, den Dank der Landesregierung Brandenburg. Potsdam, den 4. März 1992 Alwin Ziel, Minister des Innern.“ So der Wortlaut.

In Deutschland wird fast alles gesetzlich geregelt, so gibt es das Gesetz über staatliche Auszeichnungen für Rettungstaten des Landes Brandenburg vom 13. Februar 2003, auch Rettungsmadaillengesetz genant. Es erging also ein Jahr nach Sieberts erster Heldentat.

„Wegen der Krankheit meines Mannes weiß ich ja, wie schnell es einen Zuckerkranken schlecht gehen kann“, berichtet Christine Gorecki von jenem Abend, an dem ihr Mann wieder zum Helden wurde und diesmal auch sie zur Heldin. Der Rentner habe sich etwas von ihnen borgen wollen, kam aber nicht und war über Stunden telefonisch nicht zu erreichen. Dass der Briester zuckerkrank ist, wusste das Ehepaar. „Ich wurde immer unruhiger“, sagt die 54-jährige gelernte Köchin. „Dann sind wir einfach über den Acker gerannt zu dem Haus unseres Freundes.“ Die beiden wohnen am Ortsrand, das Haus des Bekannten ist in Sichtweite, doch hunderte Meter entfernt.

„Das Auto stand davor, im Garten bellte der Hund.“ Auf Klopfen und Klingeln keine Reaktion. Mit der Taschenlampe gingen beide um das Haus, Dirk Siebert leuchtete in die Zimmer. Hinter dem letzten Fenster schließlich entdecken sie den Freund. Er war hinter dem Sofa zusammengebrochen, „wir sahen nur seine Füße und ich dachte, er sei tot“. Christine Gorecki stockt noch immer die Stimme, ihrem Mann schießen die Tränen in die Augen bei der Erinnerung. „Das war kurz vor Tod“, sagt sie. Dirk Siebert brach die Haustür auf. Sie stürmten ins Wohnzimmer. Der Rentner war schon stark unterkühlt. „Aber ich tastete noch seinen Puls.“ Dirk Siebert alarmierte die Feuerwehr. „Ich war zu aufgeregt, die Notrufnummer zu wählen“, berichtet Christine Gorecki. Die Freiwillige Feuerwehr Briest rückte an, der Dirk Sieberst selbst seit Jahrzehnten angehört. Dann holte er vom Küchentisch das Messgerät für den Blutzucker.

Lebensbedrohlich unterzuckert und stark unterkühlt

Mit lebensbedrohlicher Unterzuckerung und starker Unterkühlung kam der Rentner ins Klinikum. Die Rettungskräfte schafften es, dass der Mann wieder ansprechbar war zu diesem Zeitpunkt. Wie lange er dort gelegen hat, kann niemand so genau sagen. Christine Gorecki schätzt, dass es vier bis fünf Stunden waren. Er habe sich gerade Kartoffeln schälen wollen, als es passierte, berichtete der Rentner später seinen beherzten Rettern.

„Wir hatten einfach das unbestimmte Gefühl, das irgendetwas nicht stimmt“, sagt Christine Gorecki. Und: „Wir haben das Robin-Hood-Syndrom. Wir müssen einfach helfen, mein Mann und ich.“ Natürlich haben sie auch Teddy aufgenommen, den Yorkshire-Terrier ihres Freundes. Er darf so lange bleiben, bis sich sein Herrchen im Krankenhaus von seinem Zusammenbruch erholt hat.

Von Marion von Imhoff

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