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Nachts bleiben die Sirenen still

Amt Brück schaltet Alarm-Geräte um 17 Uhr ab Nachts bleiben die Sirenen still

Zwei Sirenen bleiben still, weil es ein Anwohner will. Viele Brücker sind beunruhigt, sie fürchten, dass der Brandschutz in dem Planestädtchen nicht mehr gewährleistet ist. Erst ab 7 Uhr dürfen die Kräfte durch Sirenenzeichen zum Einsatz gerufen werden. Nur zehn Stunden später werden die Sirenen wieder abgeschaltet – auf Anordnung des Amtes Brück.

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Der Ortswehrführer hat kein Verständnis für die Beschwerde: Carsten Wendt mit seinem Pieper am Brücker Gerätehaus.

Quelle: Th. Wachs

Brück. Das teilt die Freiwillige Feuerwehr Brück mit. Der klagende Nachbar ist nach Informationen des Ortswehrführers neu zugezogen und wohne in der unmittelbaren Nachbarschaft des Amtshauses, auf dem eine der beiden Sirenen angebracht ist. „Meine Kameraden und ich verstehen die Entscheidung nicht“, sagt Carsten Wendt. Das Sirenen-Verbot zwischen 17 und 7 Uhr „kann zu Problemen führen“, fürchtet er.

Zwar verfügen alle aktiven Floriansjünger über einen Funkmeldeempfänger, aber diese Pieper werden nicht immer am Mann oder Frau getragen. „Wenn ich im Garten bin, hängt das Gerät an der Schuppentür, den Alarm höre ich dann nicht, bei der Sirene ist es anders“, sagt der Ortswehrführer.

Die Brücker Wehr ist im vergangenen Jahr 60-mal ausgerückt. Dabei waren es elf Brände, die gelöscht werden mussten, die anderen Einsätze betrafen hauptsächlich Hilfeleistungen, vor allem auf der Autobahn. Dabei gab es elf Einsätze zwischen 17 und 20 Uhr und 19 Einsätze zwischen 20 und 7Uhr. Das bedeutet, dass die Sirene im Durchschnitt alle zwölf Tage in dem betreffenden Zeitraum Alarm schlug und maximal einmal im Monat nach 20 Uhr.

Überrascht von dieser Entscheidung zeigt sich Karl-Heinz Borgmann. „Ich habe davon nichts gewusst“, sagte er auf MAZ-Anfrage. Immerhin ist er Bürgermeister der Stadt und Amtsausschussvorsitzender in Personalunion. Eine solche Entscheidung müsste zumindest im Amtsausschuss besprochen werden, der für den Brandschutz zuständig ist. Unverständnis wird inzwischen auch in den sozialen Medien laut. In kurzer Zeit wurde die Mitteilung der Brücker Wehr 71-mal kommentiert. 70 Kommentare reagieren mit Unverständnis für diese Maßnahme.

Sirene, Pieper und Mobiltelefon

Im Hohen Fläming gibt es keine einheitliche Weise, die Feuerwehrleute zum Einsatz zu rufen. Im Amt Niemegk etwa läuft der Alarm ausschließlich über den Funkmeldeempfänger, im Volksmund „Pieper“ genannt.
Im Kerngebiet der Stadt Treuenbrietzen ruft man die Kräfte über die Pieper und per SMS auf das Mobiltelefon, in den Ortsteilen weiterhin über Sirenen. In der Stadt Werder wird ebenfalls nur per Pieper alarmiert.
Schon seit einiger Zeit mehren sich die Beschwerden und juristischen Klagen von Menschen, denen die Sirene den Nerv raubt – und dies quer durch ganz Deutschland.
Sie fordern die Umstellung des Systems auf Pieper und Mobiltelefon.
Der Nachteil: Nicht immer haben die freiwilligen Kräfte diese Geräte bei sich und sind auf anderes Signal angewiesen, um rechtzeitig zum Gerätehaus eilen zu können.

„Ich finde das verantwortungslos“, sagt Kai Fröhlich, von der Gömnigker Feuerwehr. „In diesem Zusammenhang sollte unbedingt erwähnt werden, dass bei weitem nicht alle Feuerwehrmänner und -frauen einen Pieper haben. Darüber gibt es wohl Missverständnisse in der Bevölkerung. Im Übrigen wundere ich mich darüber, dass ein Einzelner seinen Willen dem Rest der Bevölkerung aufzwingen kann“, sagt Fröhlich.

Die Anordnung die Sirenen abzuschalten, erließ der Brücker Amtsdirektor Christian Großmann in Zusammenarbeit mit dem Amtsbrandmeister. „Wir haben mit dem Bürger einen Vergleich geschlossen“, sagt Brandmeister Uwe Paul. Trotzdem hat Paul wenig Verständnis für die Beschwerde. „Eine Sirene sensibilisiert auch die Nachbarschaft, die dadurch auf das bestehende Problem aufmerksam gemacht wird“, sagt er.

Mit der Abschaltung wollte man einer Klage zuvorkommen. „Es gibt in diesem Zusammenhang unterschiedliche Urteile“, erläutert Paul mit Blick auf die Erkenntnisse, die eine Anwaltskanzlei im Auftrage des Amtes eingeholt habe. Das Amt Brück wolle das Risiko einer Klage nicht eingehen. Jetzt können der Nachbar und seine Familie ruhig schlafen.

Im Internet bleibt es laut: „Derjenige sollte sich was schämen! Wer sich sooooo gestört fühlt in seinem Schlaf, sollte einfach bei geschlossenem Fenster schlafen“, schreibt eine erboste Frau. Und: „Übrigens, wir sind auch direkte Anwohner und es ist keine Zumutung zu wissen, wie oft die freiwillige Feuerwehr im Einsatz ist.“

Von Andreas Koska

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