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Namenssteine für 127 ermordete Italiener

Schüler erforschen Kriegshistorie Namenssteine für 127 ermordete Italiener

Am Ort des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers Sebaldushof bei Treuenbrietzen erinnern jetzt Namenssteine an 131 Italienische Militärinternierte. 127 von ihnen wurden im April 1945 bei einem Massaker getötet. Schüler der Geschichtswerkstatt des Gymnasiums schufen die persönlichen Gedenksteine in den zurückliegenden vier Jahren.

Treuenbrietzen Sebaldushof 52.1167698 12.8846502
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Mitglieder der Geschichtswerkstatt Treuenbietzen mit ihren Namenssteinen der Erinnerung.

Quelle: Privat

Treuenbrietzen. Die Mitglieder der Geschichtswerkstatt des Gymnasiums „Am Burgwall“ in Treuenbrietzen haben jetzt ihr besonderes Langzeitprojekt beendet. In den zurückliegenden vier Jahren schufen sie persönliche Gedenksteine für 131 italienische Militärinternierte. Sie waren zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Zwangsarbeiterlager Sebaldushof inhaftiert. 127 der Italiener wurden am 23. April 1945 bei einem Massaker in der Kiesgrube bei Nichel von deutschen Militärs erschossen. An alle erinnern nun Feldsteine mit ihren per Hand von den Schülern aufgemalten Namen.

Die Idee für diese Langzeitaktion kam den Schülern bei der jedes Jahr im April stattfindenden zentralen Gedenkfeier der Stadt Treuenbrietzen für die Kriegsopfer dreier Nationen. „Die Teilnahme an den Gedenkveranstaltungen brachte für die Jugendlichen zahlreiche Begegnungen mit Antonio Ceseri, dem letzten Überlebenden des Massakers an den Italienern, sowie mit Verwandten der Opfer“, erzählt Katrin Päpke. Gemeinsam mit ihrem Vater Hellmut Päpke, betreut sie die Geschichtswerkstatt. In deren Rahmen beschäftigen sich Schüler seit Jahren mit Kriegsereignissen bei Treuenbrietzen.

Schüler hatten selbst die Idee zum Gedenken

Dabei forschen und arbeiten sie auch an der Gedenkstätte des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers Sebaldushof in der Nähe des Waldstadions an der Berliner Chaussee. Dabei entstanden Tafeln und Schilder, die über das Schicksal der Italienischen Militärinternierten informieren.

Carmine Mancini verlor in Nichel seinen  Vater

Carmine Mancini verlor in Nichel seinen Vater. Die Erinnerungssteine der Treuenbrietzener Schüler rühren den Italiener.

Quelle: Katrin Päpke

Im Jahre 2012 wurde die Idee für die „Steine der Erinnerung“ geboren. Bei der Gedenkveranstaltung im April war der erste Stein fertig. Er wurde an der Stelle, wo sich das Lager der Italiener befand, niedergelegt. Eine Gruppe aus Berlin um Gianfranco Ceccanei, der gemeinsam mit Bodo Förster intensive Forschungen zu den Militärinternierten betrieben hat, besuchte an diesem Tag die Gedenkstätte. Unter den Gästen war der Italiener Carmine Mancini, dessen Vater in Treuenbrietzen den Tod fand. Er zeigte den Schülern ein Foto und Dokumente seines Vaters. Dieses Erlebnis sei für die Jugendlichen sehr emotional und Motivation gewesen, weiter zu arbeiten, sagt Katrin Päpke. Jedes Jahr wurden in akribischer Handarbeit neue Steine mit Pinsel und Farbe beschriftet.

Eine lange Reihe mit Namenssteinen

An der Stelle, wo die Italiener in der Zeit ihrer Gefangenschaft im Sebaldushof gelebt und gelitten hatten, entstand so eine lange Reihe mit Namenssteinen. In den vier Jahren des Projektes haben die Schüler circa zwei Tonnen Steine beschriftet und mehrfach bewegt. „Als Carmine Mancini 2014 erneut an der Gedenkveranstaltung teilnahm, zeigten ihm die Akteure den Stein für seinen Vater“, erzählt Katrin Päpke: „Dieser Moment berührte alle Beteiligten tief“. Die Ergriffenheit auf beiden Seiten zeige die Wichtigkeit des Erinnerns.

Bei einem Besuch der Schüler in Italien wurden sogar Steine vom Ufer des Esino, des Flusses der Partnergemeinde Chiaravalle, mitgebracht. Auf diese Steine wurden die Namen der vier Überlebenden des Massakers geschrieben. Einer von ihnen, Edo Magnalardo, machte 2002 den Vorschlag zur Städtepartnerschaft zwischen seiner Heimatstadt Chiaravalle und Treuenbrietzen als Zeichen der Versöhnung. Diese wird seit 2010 nun aktiv gelebt. Jetzt auch mit Steinen der Erinnerung.

Von Thomas Wachs

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