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Naturschützer kritisieren Expansion der Spargelfelder

Probleme in der Landwirtschaft Naturschützer kritisieren Expansion der Spargelfelder

Die neue Spargel-Saison hat begonnen. Auch im Fläming wird das Gemüse bereits geerntet. Doch es gibt auch Konflikte und zwar zwischen Spargelbauern und Naturschützern. Letztere kritisieren den Ausbau der Spargelfelder, weil sie sich um den Bestand einer Vogelsorte sorgen.

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Bei Mörz entsteht ein neues Spargelfeld. Natur- und Trappenschützer sehen das kritisch.

Quelle: Norbert Eschholz

Mörz. Das Warten hat ein Ende. Spargelliebhaber können ab sofort wieder das edle Gemüse zubereiten. Der offizielle Anstich ist erfolgt. Die Saison hat begonnen – und mit ihr ganz neue Probleme. Naturschützer kritisieren den Landhunger einiger Spargelbauern für immer neue Anbaugebiete.

Unterdessen wird auch im Fläming schon eifrig geerntet. So wie rund um Bardenitz auf den Feldern von Andreas Wittmann. In dem Treuenbrietzener Ortsteil wird das Stangengemüse auf 60 Hektar unter Folie gezogen. Die ersten Stangen sind längst beim Kunden. Anders auf dem wesentlich kleinerem Hof von Sladjana Mitic in Ragösen. Dort müssen die Kunden noch warten. Da ihre Spargelreihen nicht mit Folie abgedeckt sind, sei frühestens Mitte kommender Woche mit dem Anstich zu rechnen. „Es war bisher zu kühl und zu trocken“, sagt die Spargelbäuerin. Bei ihr sind die Reihen auf insgesamt 14 Hektar gezogen.

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Spargel-Produzenten suchen nach neuen Feldern

Wittmann und Mitic könnten im Fläming bald Konkurrenz bekommen. Da der als Marke bekannte Beelitzer Spargel immer beliebter wird, suchen die dortigen Produzenten immer stärker auch neue Anbauflächen außerhalb von Beelitz. So ist jetzt westlich von Mörz ein neuer, 20 Hektar großer Spargelacker entstanden. Die Gebrüder Jakobs aus Schäpe haben ihn dieses Jahr angelegt. In zwei Jahren könnte geerntet werden.

Gegen diesen Acker regt sich jedoch massive Kritik von Naturschützern. „Der Spargelanbau in Mörz bedroht unseren Großtrappen-Bestand“, fürchtet Henrik Watzke. Er ist Geschäftsführer des Fördervereins Großtrappenschutz. „Der jetzt umgewandelte Acker war eines der wichtigsten Wintereinstandsgebiete der Großtrappe“, erklärt der Experte. Über Jahrzehnte wurde dort Raps angebaut. „Das war nicht nur für die Trappe sondern auch für andere Vögel und die Insekten gut, jetzt hat die Fläche ökologisch Null-Wert“, sagt Watzke. Vor allem dann, wenn der Boden unter Folie liegen wird.

Märkischer Strauß in Not

Im Naturparkzentrum „Hoher Fläming“ informiert derzeit eine Ausstellung zum Thema Großtrappenschutz und den Problemen dabei.

Die Ausstellung mit dem Titel „Der märkische Strauß in Not“ ist noch zum 29. Mai zu sehen. Geöffnet ist sie täglich von 9 bis 17 Uhr im Naturparkzentrum am Brennereiweg in Raben. Der Eintritt ist frei.

Die Großtrappe ist heute ein märkisches Aushängeschild. Das Tier war vor 20 Jahren noch fast ausgestorben. Dann wurden Trappenaufzuchtstationen und Schutzgebiete gegründet in den Belziger Landschaftswiesenbei Baitz, im Havelländischen Luch bei Nennhausen sowie im Fiener Bruch bei Ziesar.

Diese Bereiche wurden eingerichtet, um die Gelege vor den zunehmend auftretenden Beutegreifern wie Waschbär, Marderhund oder Fuchs zu schützen, denen außerhalb der Zäune nahezu alle Bruten zum Opfer fallen. Sobald die Jungvögel fliegen können, nutzen sie dann auch die umliegenden Flächen.

Verhindern konnten die Vogelschützer das neue Feld nicht. „Spargelanbau ist ordnungsgemäße Landwirtschaft“, sagt Silvia Wernitz. „Wir mischen uns da nicht ein. Jeder Bauer und Nutzer kann anbauen, was er für richtig hält“, so die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes. Die Vogelschützer sehen das kritischer. „Das kann nicht die Zukunft sein, wenn immer weniger Betriebe immer mehr Spargel anbauen“, sagt Henrik Watzke. Dies führe zum Anstieg der Pachtpreise und zu immer größeren Äckern.

Naturschützer: Ackerboden wird dauerhaft entwertet

„Das ökologische Gleichgewicht gerät ins Wanken“, sagt der Trappschützer. Er sieht bisher keinen Ersatzstandort für einen Wintereinstand der geschützten Großvögel. Die 70 im Raum der Belziger Landschaftswiesen lebenden Trappen könnten daher im Winter Probleme bekommen, so Watzke. Aus seiner Sicht wurde der Ackerboden dauerhaft entwertet. Denn für Aufbau der Spargelreihen werde Sand aus mehr als einem halben Meter Tiefe hoch geholt und im Fläming seltener, hochwertiger Boden vernichtet.

Vorab habe niemand mit den Trappenschützern gesprochen. Sie seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Trotz der sofortigen Reaktion hatte der Protest keinen Erfolg. „Wir haben versucht, mit dem Spargelbauern zu sprechen, ihn auf die Probleme hinzuweisen“, erzählt der Geschäftsführer des Fördervereins Großtrappenschutz. „Wie man sehen kann, ohne etwas erreicht zu haben“, bedauert Henrik Watzke.

Naturschützer befürchten weitere Expansion der Spargelfelder

Er berichtet zudem davon, dass sein Verein bisher mit den Landwirten in Mörz gut zusammengearbeitet habe. Jetzt befürchten die Trappenschützer, dass dieses umstrittene neue Feld erst der Anfang einer Expansion und des Landhungers sei.

„Ich esse auch gern Spargel, aber ich kaufe bei kleinen Anbietern, die ohne Folie auskommen, wie zum Beispiel in Ragösen“, sagt Henrik Watzke. „Die Saison muss nicht schon Mitte März beginnen und vielleicht bald noch bis Juli verlängert werden.“

Von Andreas Koska

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