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Potsdam-Mittelmark Nazigrößen waren Ehrenbürger von Teltow
Lokales Potsdam-Mittelmark Nazigrößen waren Ehrenbürger von Teltow
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17:00 31.10.2013
Teltows bekanntester Ehrenbürger war einer der Haupttäter des Hitlerregimes: Joseph Goebbels. Quelle: Archiv
Teltow

Sichtbares Entsetzen breitete sich nicht aus unter den Zuhörern angesichts dessen, dass Goebbels und Kube bisher niemand die Ehrenbürgerschaft aberkannt hatte. Sie erlischt mit dem Tod des Geehrten. Für Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) ist dies aber zweitrangig. Er kündigte an, dass sich die Stadtverordnetenversammlung mit dem Thema befassen werde. Bei einer spontanen Abstimmung unter dem Publikum wurde das Vorhaben klar unterstützt. Durchaus erstaunt zeigte sich Schmidt, dass keiner seiner Vorgänger sich mit dieser dunklen Seite in der Stadtgeschichte beschäftigt habe.

Diese Gedanken dürften auch eventuelle weitere Diskussionen zu den Ehrenbürgern bestimmen. Jedenfalls sehen die Veranstalter in der Bewertung der Geehrten aus heutiger Sicht einen interessanten Aspekt des Abends.

Teltow ist nicht die einzige Stadt, die sich plötzlich damit konfrontiert sieht, über frühere Ehrenbürgerschaften zu reden. Am selben Abend, als im Stubenrauchsaal referiert wurde, hat die Stadt Goslar (Niedersachsen) Adolf Hitler die Ehrenbürgerwürde aberkannt. Ein Sprecher sagte, die Verwaltung sei davon ausgegangen, dass die Ehrenbürgerschaft des Diktators mit dessen Tod erloschen sei. Zu Lebzeiten hatten Hitler rund 4000 Kommunen die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Von Stephan Laude

Die Ehrenbürger von Teltow

Ernst von Stubenrach
Der Jurist wurde im August 1885 von Kaiser Wilhelm I. in sein Amt als Landrat des Kreises Teltow eingeführt. Der ehrgeizige Beamte war fest entschlossen, im Interesse der Bewohner bei der Verwaltung und Förderung der Entwicklung des Kreises neue Wege zu gehen. Eine besonders bedeutende Arbeit waren die Planung und der Bau des Teltowkanals von 1900 bis 1906. Damit war die Ansiedlung von Industrie verbunden, Teltow profitiert davon bis heute. Als der Bau fertig war, wurde Stubenrauch zum Ehrenbürger ernannt.

Wilhelm Kube
Kube hat Geschichte, Sozialwissenschaften und Kirchengeschichte studiert. Von 1928 bis 1933 machte er Karriere in der NSDAP. 1933 zog er in den Reichstag ein, 1934 wurde er Ehrenbürger. 1936 wurde seine Karriere im Zusammenhang mit einer Affäre unterbrochen. 1940/41 war er SS-Wachmann im KZ Dachau. Später, als Generalkommissar in Weißrussland, hat er die Ermordung Zehntausender Juden unterstützt. Kube kam 1943 bei einem Attentat seiner russischen Hausangestellten ums Leben.

Joseph Goebbels
Teltows bekanntester Ehrenbürger war einer der Haupttäter des Hitlerregimes. In seinem „Bogensee-Tagebuch“ wird Teltow einige Male erwähnt, auch dass er 1936 Ehrenbürger wurde. Anlass war der zehnte Jahrestag der Gründung der NSDAP-Ortsgruppe. Überreicht wurde die Urkunde zu Goebbels Geburtstag am 29. Oktober 1936. Nach Schätzungen war Goebbels Ehrenbürger von mindestens 1000 Städten und Dörfern. Ihre Vertreter wollten damit ihre Verbundenheit mit dem Nationalsozialismus unterstreichen.

Erich Correns
Erich Correns war in der DDR vor allem als Präsident des Nationalrats der Nationalen Front bekannt (1950–1981). Hauptamtlich war er aber Leiter des Instituts für Faserstoffchemie in Teltow, bereits seit den 1920er Jahren war Correns auf dem Gebiet der Kunstfaser-Entwicklung tätig. Er war Inhaber mehrerer Patente und ist nach Angaben seines Enkels Andreas Correns immer stolz darauf gewesen, in keiner Partei zu sein. Correns war in erster Ehe mit einer Jüdin verheiratet, die in Gestapo-Haft starb.

Albert Wierach
Teltows erster Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg war zunächst Gärtner in Berlin. Während der Nazizeit hatte er Widerstand geleistet und rund anderthalb Jahre in Gestapo-Haft gesessen. Als Bürgermeister hatte er vor allem, damit zu tun, die Wiederherstellung der zerstörten Infrastruktur und die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu organisieren. Er hatte das Amt nur ein dreiviertel Jahr inne. Danach war er auf landwirtschaftlichem Gebiet tätig. So half er, die Kollektivierung der Landwirtschaft durchzusetzen.

Konstantin F. Tschaika
Konstantin Fjodorowitsch Tschaika wurde in der Nähe von Odessa geboren und war während des Zweiten Weltkriegs beim Kampf um den Teltowkanal dabei, wo er schwer verwundet wurde. Später war er im Parteiapparat der KPdSU tätig. Dabei unterstützte er in den 1970er Jahren die DDR-Bauleute an der Erdgastrasse „Drushba“. Er besuchte mehrmals Betriebe und Armee-Einheiten in Teltow und der Region. Bei den Treffen zeigte er sich Teilnehmern zufolge als sehr humorvoller und fesselnder Gesprächspartner.

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