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Potsdam-Mittelmark Nell Zink beutet Langeweile und Einsamkeit aus
Lokales Potsdam-Mittelmark Nell Zink beutet Langeweile und Einsamkeit aus
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00:17 22.06.2016
Starautorin Nell Zink gab erstmals in ihren Wahlheimat Bad Belzig eine Lesung. Dabei lebt die Amerikanerin schon seit drei Jahren im Fläming. Quelle: Dirk Fröhlich
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Bad Belzig

„Jetzt komme ich zu einer richtig harten pornografischen Stelle, die lese ich lieber auf Englisch, weil ich in Bad Belzig bin“, sagt Nell Zink. Mit Schalk in den Augen greift die Amerikanerin zu einem anderen Buch, um die Erzählung über ihre getriebene Heldin Tiffany für ein paar Sätze in ihrer Muttersprache fortzusetzen. Vorher hatte die passionierte Vogelbeobachterin das Fiepen des Mauerläufers wiederholt nachgeahmt und in den Text eingebaut. Allein dafür schon lohnte sich der Besuch ihrer Lesung im Kino „Hofgarten“ am Samstagnachmittag.

Nominiert für Amerikas Buchpreis

In den USA ist Nell Zink eine durchgesetzte Schriftstellerin. Vor wenigen Jahren von Bestsellerautor Jonathan Franzen („Korrekturen“) entdeckt, wurde ihr zweiter Roman „Mislaid“ 2015 sogar für den National Book Award nominiert. Nach dem Erscheinen der deutschen Übersetzung ihres Erstlings „Der Mauerläufer“ widmete ihr das Magazin der Wochenzeitung „Die Zeit“ im März eine aufrüttelnde Titelgeschichte. Die Homestory versetzt den Leser nach Bad Belzig, wo die 52-Jährige seit drei Jahren in einer Einzimmerwohnung lebt und arbeitet. „Ich bin hergekommen, um Bad Belzigs gewaltige Ressourcen an Langeweile und Einsamkeit auszubeuten“, lautet ihr Credo.

Bad Belziger Kinosaal nur halb gefüllt

Der Saal des Hofgartenkinos war mit 60 Zuhörern nicht einmal zur Hälfte besetzt. „Rowohlt will für eine Lesung 300 Euro, die Bad Belziger können sich eine Lesung mit mir nicht leisten“, hatte Nell Zink vor einigen Wochen noch gesagt. Eine gemeinsame Initiative der Buchhandlung Ritter und des Roger-Loewig-Museums machte es nun aber möglich. Hendrik Röder vom ebenfalls mitveranstaltenden Brandenburgischen Literaturbüro deutete in seiner Anmoderation noch einen weiteren Grund für Zinks Zurückhaltung an. „Sie wollten in Bad Belzig nicht lesen, weil Sie nicht wollten, dass man weiß, wer Sie sind.“ In geschliffenem Deutsch antwortet ihm Nell Zink, die bereits seit 16 Jahren in Deutschland lebt, dass sie sicherheitshalber alle drei Exemplare der „Zeit“ in Bad Belzig aufgekauft habe, um anonym zu bleiben. Anderseits weiß sie ihren weltweiten Erfolg sehr zu genießen. Stolz hatte sie vor sich ein ganzes Dutzend Bücher aufgebaut, darunter Übersetzungen ins Italienische, Französische und Niederländische, die alle gerade erst erschienen sind.

Kaum ein Kompliment für die Kleinstadt

„Langsam, aber stetig gewöhne ich mich an Bad Belzig“, bekennt sie, und lässt sich auch auf ausdrückliche Nachfrage kaum ein Kompliment für die Kleinstadt entlocken. „Bei einigen Dingen werde ich aus Bad Belzig nicht so schlau.“ Sie schätze die Nähe zu Berlin und zu den Elbauen und wünsche der Gegend mehr Mischwälder und keine Straßen durch Vogelschutz- und Großtrappengebiete“, sagt sie.

Als Moderator Röder anmerkt, dass im „Mauerläufer“ auch eifernde Öko-Aktivisten ihr Fett abbekämen und die Windräder und die Verspargelung der Landschaft für die Vögel schädlich seien, stimmt ihm Nell Zink nicht zu: „Ohne Fanatiker gebe es den institutionalisierten Umweltschutz nicht.“ Wenn Nell Zink Zeit hat, fährt sie gern nach Bitterfeld, um in der dortigen Tagebaufolgelandschaft die Vögel zu beobachten. Dort verbrachte sie auch den gestrigen Sonntag.

Von Karim Saab

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