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Potsdam-Mittelmark Neubau contra Tradition
Lokales Potsdam-Mittelmark Neubau contra Tradition
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00:37 27.07.2015
Der Zustand des alten Gemäuers sorgt im Ort schon lange für Diskussionen. Quelle: Uwe Klemens
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Mörz

Außen hui – und innen? Das Dorfgemeinschaftshaus auf dem Mörzer Dorfanger ist ein markantes Gebäude. Doch der erste Blick auf das vor wenigen Jahren neu gedachte Dach und die lindgrüne Fassaden mit den neuen Fenstern trügt. Auf bis zu 100.000 Euro Sanierungsbedarf schätzt Amtsdirektor Frank Hämmerling den in den nächsten zehn Jahren fälligen Sanierungsbedarf. Sein Plan, das Gebäude deshalb zu veräußern und eine preiswertere Neubauvariante als Gemeinderaum zu schaffen, erhitzt seit zwei Wochen die Gemüter. Nun stand das Thema auf der Tagesordnung des Ortsbeirates. Eineinhalb Stunden lang wurde heftig gestritten.

Beschlussvorlage war fehlerhaft

Die Sorge, das Gebäude gänzlich zu verlieren und damit auch die Möglichkeit, sich zu größeren oder kleineren Anlässen zusammen zu finden, könne er sehr gut verstehen, sagte Amtsdirektor Thomas Hemmerling. Seine vor zwei Wochen in der Gemeindevertretung diskutierte Beschlussvorlage sei fehlerhaft gewesen, gab er zu. Denn natürlich gäbe es einen Verkauf des jetzigen Dorfgemeinschaftshauses erst dann, wenn der Neubau schlüsselfertig oder zumindest im Bau sei.

Ortsbeiratsvorsitzender Gustav Muschert (li.) und Amtsdirektor Thomas Hemmerling sind sich beim Blick in die Pläne einig: Der Neubau ist die bessere Variante. Quelle: Uwe Klemens

Die Gegenüberstellung der Zahlen, die für die Sanierung des einen oder für den Neubau des anderen Gebäudes ist für Hemmerling einer der wichtigsten Pro-Neubau-Gründe. Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk, Salpeter und die fast überall im Hause anzutreffende Schimmelbildung sind die größten Sorgenkinder. Auch die Fassade und die Freitreppe sind sichtbar in die Jahre gekommen. Als Vermieter sei die Kommune in der Pflicht, für ordentliche Zustände zu sorgen. Mit einem Verkauf könne nicht nur die veranschlagte Sanierungssumme von rund 100.000 Euro gespart, sondern sogar noch ein Verkaufserlös in etwa der Hälfte dieser Summe erzielt werden. Einen entsprechenden Kaufantrag des derzeitigen Mieters gäbe es bereits.

Auch einige Mörzer nutzten die Gelegenheit, auf der Sitzung des Ortsbeirates einen Blick in die Baupläne zu werfen. Quelle: Uwe Klemens

Der als Anbau an das neue Feuerwehrgerätehaus gedachte Neubau eines Gemeinderaumes sei mit einer geschätzten Bausumme von 70.000 nicht nur deutlich preiswerter zu haben, sondern sei auch größer und hätte mit einem barrierefreien Zugang und einem behindertengerechten Sanitärbereich wesentlich mehr zu bieten. Ein Durchgang zum Gerätehaus böte den Kameraden zugleich die Möglichkeit, den Raum für Schulungen und dergleichen mit zu nutzen.

Tradition vs. Moderne

„Schön und gut, aber die Gemeinde ist beim Erhalt eines solchen Gebäudes in der Pflicht, den Mörzern gegenüber und wegen der Historie“, warb Einwohner Rainer Benke engagiert für die zwar teurere, aber seiner Meinung bessere Erhaltungsvariante. „Verscherbelt ist so was schnell“, so Benke. „Aber es kann doch nicht sein, dass das Gebäude sogar die DDR-Zeit überstanden hat, wo es kaum Baumaterial gab, und wir das jetzt nicht schaffen.“

„Tradition ist das eine, aber die Zeit ist weiter gegangen und wir müssen schauen, was wir heute brauchen“, stellte sich Ortsbeiratsvorsitzender Gustav Muschert auf die Seite der Neubaubefürworter. Der Blick in die ersten Entwürfe, die Thomas Hemmerling auf den Tisch gelegt hatte, fand der Zuspruch der meisten Anwesenden, auch wenn sich nur wenige bereits endgültig für eine der beiden Varianten entscheiden mochten.

Bereits am kommenden Mittwoch wird in der Gemeindevertretung über die neue Beschlussvorlage zum Neubau abgestimmt. Um 19 Uhr treffen sich die Abgeordneten dazu im Mörzer Dorfgemeinschaftshaus. Dem Vorschlag Rainer Benkes, unmittelbar zuvor eine Einwohnerversammlung zum Thema abzuhalten, stimmten alle Anwesenden zu.

Von Uwe Klemens

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