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Neue Asyl-Unterkunft liegt ab vom Schuss

Bundeswehr-Gelände in Ferch für 300 Flüchtlinge Neue Asyl-Unterkunft liegt ab vom Schuss

Wie am Freitag bekannt wurde, ziehen ab 1. Oktober 300 Flüchtlinge in ein ehemaliges Bundeswehr-Wohnheim bei Ferch (Potsdam-Mittelmark) ein. „Wie kann denn die Regierung auf die Idee kommen, die Flüchtlinge so weit abseits unterzubringen?“, fragt ein Anwohner. Die MAZ hat sich dort umgesehen.

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Auf dem Bundeswehr-Gelände in Ferch sollen 300 Flüchtlinge untergebracht werden.

Quelle: Lisa Rogge

Ferch. Von Skepsis bis zu einem herzlichen Willkommen ist alles dabei: Die Anwohner rund um das künftige Wohnheim für Asylbewerber reagieren ganz unterschiedlich auf ihre neuen Nachbarn. Ab 1. Oktober ziehen in das ehemalige Wohnheim der Bundeswehr auf der Grenze zwischen Ferch und Geltow 300 Flüchtlinge ein, wie am Freitag bekannt wurde.

Nur Acker und Gewerbe

Viele zweifeln jedoch an der Richtigkeit des Standortes. „Wie kann denn die Regierung auf die Idee kommen, die Flüchtlinge so weit abseits unterzubringen?“, fragt Jürgen Schneider, der seit 1998 in der kleinen Siedlung direkt neben dem Militärgelände wohnt. „Hier gibt es doch nur Acker und Gewerbe“, sagt er und hat damit durchaus Recht. Um die Kaserne herum haben sich einige Firmen angesiedelt, ein Abschleppunternehmen, eine Bauschlosserei und der Märkische Fruchthof. Ansonsten: Brache. Ackerland so weit das Auge reicht. Nur eine holpriger Weg mit Betonplatten führt von dem einstigen Soldaten-Wohnheim weg. Das rot-weiße „Einfahrt verboten“-Schild steht am Anfang dieser Straße, nur Anlieger dürfen hereinfahren. Vielleicht zwei Dutzend Einfamilienhäuser stehen hier, die meisten nach der Wende gebaut. Erst vor zwei Wochen ist eine Familie aus Nordrhein-Westfalen in eines dieser Häuser gezogen. „Wir haben noch den Makler gefragt, ob es Pläne für die ehemalige Kaserne gibt“, sagt die Frau mäßig begeistert. Raus ins Grüne wollten sie, dafür haben sie auch die fehlende Infrastruktur in Kauf genommen.

Schlechte Infrastruktur

Die ist alles andere als gut in dem südlichsten Teil von Geltow. Höchstens ein Mal pro Stunde fährt ein Bus nach Werder, am Wochenende gar keiner. Bis nach Potsdam gibt es keine direkte Verbindung. „Für Behördengänge muss dann ja fast ein ganzer Tag eingerechnet werden“, sagt ein Vater aus Ferch, der mit dem Auto an dem Gelände vorbeifährt und seiner Tochter das Areal zeigen will, nachdem er von den Plänen gehört hat. Ihm ist wichtig, dass vor dem Einzug der ersten Flüchtlinge das Gelände noch einladender gestaltet wird. Jetzt umgibt die Gebäude noch ein meterhoher Zaun, oben sind drei Reihen Stacheldraht gespannt. Etliche Warnschilder sind daran befestigt, alle mit der Aufschrift „Militärischer Bereich. Unbefugtes Betreten verboten“. Zu Nazi-Zeiten gab es hier eine Funkstation, dann wurde das Gelände zum NVA-Stützpunkt und nach der Wende Bundeswehrstandort, heißt es von Glindows Ortsvorsteher Sigmar Wilhelm (Freie Bürger). Einem künftigen Flüchtlingsheim steht er mit gemischten Gefühlen gegenüber: „Die Menschen brauchen unsere Hilfe, aber die Bedingungen für sie müssen auch stimmen. Das Haus der Bundeswehr steht zwar im Gewerbegebiet Ferch, aber dennoch abgelegen.“

Auch in der Klaistower Straße, ein paar Hundert Meter weiter, gibt es keine Geschäfte für den täglichen Bedarf. Döner oder Bockwurst, sehr viel mehr gastronomisches Angebot gibt es nicht, erst recht kein Lebensmittelladen. „Wenn sie herkommen und essen, ist mir das recht. Dann hab ich nichts gegen den Plan“, sagt Silke Zander, Inhaberin von „Haralds Imbiss“. Auch ihr Stammgast Mario Rabe würde sich über etwas mehr Trubel in dem kleinen Ort freuen: „Wenn die verfolgt werden in ihrer Heimat, können sie doch herkommen. Ehe das Gebäude leer steht, könnte es doch so sinnvoll genutzt werden.“

Anwohnerversammlung geplant

Aus welchen Ländern die Asylsuchenden stammen, wie lange sie in dem Fercher Wohnheim bleiben und wie die Betreuung aussehen soll, das ist zur Zeit noch unklar. Für solche Fragen ist eine Anwohnerversammlung geplant. „Wie die Bürger in der Nachbarschaft der künftigen Außenstelle müssen auch die Betriebe im Gewerbegebiet Ferch vom Land über die neue Situation informiert werden“, sagt Schwielowsees Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU).

Von Lisa Rogge und Regine Greiner

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Die bei Potsdam geplante Außenstelle der Eisenhüttenstädter Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende wird voraussichtlich ab Mitte November in Betrieb gehen. Langfristig sollen in die Einrichtung rund 280 Asylbewerber einziehen. Derzeit gibt es noch Probleme mit dem Brandschutz und der Abwasserentsorgung.

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