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Neue Aufgaben für die „Neuen Nachbarn“

Neuseddin Neue Aufgaben für die „Neuen Nachbarn“

Die Gruppe der Flüchtlingshelfer in Neuseddin hat bereits einiges erreicht: ehrenamtlicher Sprachunterricht, ein Begegnungscafé, gemeinsame Ausflüge. Mit dem Umzug in eigene Wohnungen und dem Schulbesuch der Flüchtlinge stehen sie nun vor neuen Aufgaben. Am Wochenende wurde die Strategie für die Zukunft gemeinsam mit den Migranten erstellt.

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Werner Ruhnke während des Workshops mit den Syrern Basel Al Ashkar, Ahmad Alshokh und Hani Almussli.

Quelle: Victoria Barnack

Neuseddin. Gerade anderthalb Jahre ist es her, dass sich das Netzwerk „Neue Nachbarn“ gegründet hat. 175 Flüchtlinge bezogen im Oktober 2015 ein Containercamp in Neuseddin. Zur Einwohnerversammlung, die bereits vor der Ankunft der Asylsuchenden stattfand, waren damals 300 Personen gekommen. „60 von ihnen haben sich für einen Verteiler angemeldet, in dem wir uns organisieren wollten, um den Flüchtlingen zu helfen“, sagt Werner Ruhnke von den „Neuen Nachbarn“. Sie sammelten fortan Sachspenden, gaben ehrenamtlich Deutschunterricht und unternahmen Ausflüge in die Umgebung.

Mittlerweile hat sich die Situation geändert. Sachspenden egal ob in Form von Kleidung oder Spielzeug werden kaum noch benötigt. In dem sanierten Übergangswohnheim, das sich inzwischen im ehemaligen Ambulatorium von Neuseddin befindet, sind noch 98 Personen untergebracht. Etwa die Hälfte von ihnen kam aus Syrien nach Deutschland und hat somit gute Aussichten auf einen Verbleib in der Bundesrepublik. „Viele der ursprünglich 175 Flüchtlinge haben Arbeit gefunden und sind in eigene Wohnungen gezogen“, sagt Ruhnke, „einige sind in Neuseddin sesshaft geworden.“ Für das Netzwerk stellte sich deshalb die Frage, ob und wie es für die Gruppe von Flüchtlingshelfern weitergehen soll. In einem mehrstündigen Workshop wurden Probleme und Wünsche der Geflüchteten aber auch die künftige Struktur des Netzwerks „Neue Nachbarn“ am Samstag diskutiert.

„Uns war es immer besonders wichtig, die neuen Nachbarn in die Diskussion einzubeziehen“, sagt Werner Ruhnke. Etwa die Hälfte aller 45 Workshopteilnehmer am Wochenende waren Migranten. Einige von ihnen leben bereits seit über einem Jahr in der Gemeinde Seddiner See und berichteten von ihren Erfahrungen mit Ämtern, Schulen und Einwohnern. „Viele wünschen sich Hilfe für Behördengänge und die Deutschhausaufgaben“, sagt Ruhnke. Alle Flüchtlinge, die momentan in dem Übergangswohnheim leben, erhalten Sprachunterricht. Besonders für die Schüler sei die Unterstützung bei den Hausaufgaben wichtig, weil bei ihnen mit den sprachlichen auch fachliche Defizite einhergingen. Der Stoff an deutschen Schulen sei für Kinder aus dem syrischen, arabischen und nordafrikanischen Raum meist grundsätzlich neu.

Unterstützung wünschen sich jedoch auch die erwachsenen Flüchtlinge in Neuseddin. „Ihr Interesse daran, Arbeit zu finden und einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten, ist erfreulich groß“, sagt Werner Ruhnke, „vor allem wegen der sprachlichen Defizite ist es aber für sie schwer tatsächlich einen Job zu bekommen.“ Selbst wer sich mit passablem Deutsch durch den Alltag schlägt, habe im Berufsleben wegen der unbekannten Fachbegriffe Schwierigkeiten.

Für die Zukunft des Netzwerks haben sich Ruhnke und seine Mitstreiter vor allem eine bessere Kommunikation vorgenommen. Über WhatsApp wollen sie Informationen und Einladungen verbreiten. Flüchtlinge mit besonders guten Deutschkenntnissen sagten zu, bei der Übersetzung ins Arabische und Farsi zu helfen. Auch nach Michendorf, wo im Sommer erstmals Asylsuchende untergebracht werden, wurden erste Kontakte geknüpft. „Wir sind alle mit einem guten Gefühl aus diesem Workshop gegangen“, sagte Ruhnke.

Zuwanderung im Kreis Potsdam-Mittelmark

I m Landkreis Potsdam-Mittelmark werden derzeit insgesamt zwölf Übergangswohnheime für Asylsuchende betrieben. Sie werden in vier Planungsregionen unterteilt. Das Heim in Neuseddin zählt gemeinsam mit dem Standort Beelitz zur Region 2. Weitere Unterkünfte befinden sich momentan in Teltow, Stahnsodrf, Brück, Bad Belzig und Götz.

Betrieben werden die Übergangswohnheime in der Mehrzahl durch private Träger. Lediglich die Unterkunft in Beelitz im Weitzgrunder Weg 21 unterhält der Landkreis selbst. Alle anderen Standorte sind entweder in der Hand des Internationalen Bundes (IB) oder des Arbeits- und Ausbildungsförderungsvereins Potsdam-Mittelmark (AAfV).

Etwa 1300 Flüchtlinge sind in allen Übergangswohnheimen im Kreis Potsdam-Mittelmark untergebracht. Die meisten von ihnen (circa 220) bewohnen die Unterkunft in Brück. Sie ist der einzige Standort, an dem die Flüchtlinge teilweise in Containern untergebracht werden. Die kleinste Unterkunft (circa 50 Flüchtlinge) befindet sich im Belziger Ortsteil Kuhlowitz.

2,4 Millionen Euro will der Landkreis für die Integration der Flüchtlinge ab 2017 investieren. Geplant sind beispielsweise folgende Maßnahmen: ein Jobcoach zur Intensivbetreuung bei der Arbeitssuche, Förderung für die Schaffung von Sozialwohnungen sowie des Vereinssports. Noch keine Mittel sind für die interkulturelle Öffnung der Kreisverwaltung eingestellt.

Von Victoria Barnack

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