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Zwischen Papst und Morgenstern

Neue Werke in der Stadtgalerie Werder Zwischen Papst und Morgenstern

Die Stadtgalerie Werder zeigt neuerdings Tierisches und Menschliches in Zeichnungen und Skulpturen. Zu sehen sind noch bis zum 9. November Werke von zwei Künstlern, die zwar nicht in Werder leben, sich aber immer wieder gern von der Blütenstadt inspirieren lassen: Carmen Stahlschmidt und Eberhard Linke.

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Carmen Stahlschmidt vor „Fisches Nachgesang“, entstanden beim Pleinair in Werder 2013.

Quelle: Edith Mende

Werder. Mit einem langgezogenen Ja antwortet Carmen Stahlschmidt auf die Frage, ob Werder für sie mittlerweile nicht schon ein bisschen wie Nachhausekommen sei. „Es ist so wunderschön in Werder. Ich denke, wir werden im kommenden Sommer auch hier Urlaub machen.“ Schon zweimal nahm die Künstlerin aus Oppenheim, der rheinland-pfälzischen Partnerstadt von Werder, an Pleinairs in der Blütenstadt teil, hat vor allem unter den Künstlerkollegen freundschaftliche Kontakte geknüpft. Nun also ihre erste große Ausstellung in der Stadtgalerie.

Gemeinsam mit dem Bildhauer Eberhard Linke, mit dem Carmen Stahlschmidt häufig zusammenarbeitet, zeigt sie Zeichnungen und Skulpturen unter dem Titel „Menschliches und Tierisches“. Und auch unter den Exponaten findet man Bekanntes wie „Fisches Nachtgesang“ (Schwarzmine und Blattgold) frei nach dem Gedicht von Christian Morgenstern. Die Arbeit entstand während des Pleinairs 2013. Anregung dafür fand die Künstlerin offenbar am Fischrestaurant „Arielle“ auf der Insel. Von den Galgenliedern inspiriert, die Morgenstern in Werder schrieb, befasste sie sich weiter mit dem Dichter. Davon zeugen in der Schau die drei Blätter „Mondschaf wanted“ sowie die Zeichnung „Christian Morgenstern und die Mitternachtsmaus“.

Das Zeichnen, für die meisten bildenden Künstler die Vorarbeit zur Malerei, ist die bevorzugte Ausdrucksform von Carmen Stahlschmidt. Fein und dicht in den kleinen und schwungvoll in großen Formaten. Farben gebraucht sie eher zurückhaltend. Ihre wenigen druckgrafischen Blätter wie „Singender Hase“ (Ätzradierung) oder „Widder“ (Farbradierung) nötigen Respekt ab. Vor einigen Jahren wandte sie sich auch plastischen Arbeiten zu. Bei Professor Eberhard Linke in Flonheim lernte sie den Hohlaufbau in Terracotta. Mit dieser Technik sind auch große Arbeiten kostengünstig und ohne übermäßiges Gewicht möglich. Und man kann Bronzegüsse vom fertigen Stück machen.

Aus Terrakotta schuf Eberhard Linke diesen überlebensgroßen Charakterkopf seines Freundes Uli Böttger

Aus Terrakotta schuf Eberhard Linke diesen überlebensgroßen Charakterkopf seines Freundes Uli Böttger.

Quelle: Edith Mende
„Papst mit Schatten“ nannte Eberhard Linke seine Terrakotta-Skulptur

„Papst mit Schatten“ nannte Eberhard Linke seine Terrakotta-Skulptur.

Quelle: Edith Mende

Zwei Terrakotta-Skulpturen (Huhn und Widderkopf) sowie den „Singenden Hasen“ als Bronzeguss hat Carmen Stahlschmidt nach Werder mitgebracht. Alle anderen teils recht großen Plastiken stammen aus dem Atelier von Eberhard Linke. Persönlich konnte der heute 78-Jährige nicht nach Werder kommen. Ein Unfall fesselte ihn vor zwei Jahren an den Rollstuhl. Dennoch ist er weiter künstlerisch tätig, nun häufig unterstützt von Carmen Stahlschmidt. Sein bronzener „Ikarus“ und die meisten der großen Formate entstanden vor 2013. Den überlebensgroßen Charakterkopf seines Freundes Uli Böttger (Terrakotta) schuf er danach. Mit den körperlichen Einschränkungen sicher ein Kraftakt, umso mehr beeindruckt das Ergebnis. Den Verlust seiner ursprünglichen Mobilität verarbeitete Linke in mehreren kleinen Bronzeskulpturen die er „Relikt auf Rädern“ oder „Wirbel auf Rädern“ nannte. Auffallend Linkes offensichtlich immerwährende Auseinandersetzung mit dem Papst. Drei interessante Arbeiten zeugen von seinem kritischen Blick auf das Kirchenoberhaupt.

Die Ausstellung ist bis zum 8. November in der Stadtgalerie, Uferstraße10, zu sehen. Jeweils donnerstag, samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr.

Noch mehr Kunst

Die Galerie am Glas im Treppenhaus des Schützenhauses zeigt Fotos aus der Plessower Heide, dem größten Waldgebiet von Werder. Man blickt in erhabene Eichenalleen und auf kleine Bewohner, die dort ihren Lebensraum haben. Hier sollen 50 Windkraftanlagen mit einer Höhe von 200 Metern gebaut werden. Ökologischer Sinn oder Unsinn? Die Antwort der Anwohner ist eindeutig. Der Wald muss intakt und für kommende Generationen erhalten bleiben.

Bis zum 20. November geöffnet.

Von Edith Mende

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