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Neue Behördenchefin misstraut dem Frieden

Amt Wusterwitz Neue Behördenchefin misstraut dem Frieden

Die Nerven liegen blank im Amt Wusterwitz: Am Montagabend ist Ramona Mayer, die bisherige Stellvertreterin, zur neuen Wusterwitzer Amtsdirektorin per Losverfahren gewählt worden. Doch vor dem Ende der Einspruchsfrist möchte sich die 51-Jährige öffentlich nicht dazu äußern. Am Rande der Wahlveranstaltung soll es indes angeblich zu einer Rangelei gekommen sein.

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Sie wurde am Montag bekanntlich per Los auf den Chefposten des Amtes Wusterwitz gewählt: Ramona Mayer.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Wusterwitz. Die Nerven liegen blank im Amt Wusterwitz. Am Montagabend ist Ramona Mayer, die bisherige Stellvertreterin, zur neuen Wusterwitzer Amtsdirektorin per Losverfahren gewählt worden. Doch vor dem Ende der Einspruchsfrist möchte sich die 51-Jährige öffentlich nicht dazu äußern.

Die Einspruchsfrist endet 14 Tage nach der Wahl. Zumindest bis Mittwochnachmittag sind noch keine Einsprüche eingegangen. Das sagte Ronald Melchert, Bürgermeister von Wusterwitz und Vorsitzender des Amtsausschusses. Doch auch Melchert hält sich öffentlich bedeckt: „Es ist für mich ein laufendes Verfahren. Da möchte ich mich nicht rauslehnen.“ Selbst zu einer Übergabe eines Blumenstraußes am Montagabend nach der Wahl ließ er sich nicht hinreißen.

Zwischen ihnen beiden hatte im zweiten Auswahlverfahren zuletzt das Los entschieden

Zwischen ihnen beiden hatte im zweiten Auswahlverfahren zuletzt das Los entschieden: Jens Borngräber und Ramona Mayer. Beide hatten zuvor je vier Stimmen von den Amtsausschussmitgliedern erhalten. Borngräber gratulierte als einer der ersten und erwies sich als fairer Verlierer: „Ich habe Pech im Spiel und dafür Glück in der Liebe“, sagte der Bensdorfer zur MAZ.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Wie berichtet, hatte es bei der Wahl eine Pattsituation gegeben zwischen Ramona Mayer und dem aussichtsreichsten Mitbewerber Jens Borngräber mit je vier Stimmen. Letztlich entschied das Los für Ramona Mayer, die seit dem Weggang von Gudrun Liebener vor nun fünf Monaten die Geschäfte des Amtes führt.

Nach der Wahlveranstaltung in der gut besuchten Wusterwitzer Kulturscheune soll es nach Angaben von Helmut Edelhäußer eine Rangelei gegeben haben. Melchert bestätigte, derartiges gehört zu haben, „aber ich habe selbst nichts gesehen“. Edelhäußer hatte während der Wahl in den Zuschauerreihen ein Plakat hochgehalten. „Wann endet hier die Vetternwirtschaft“, stand darauf.

Angeblicher Schlag mit dem Ellenbogen

Der Mittfünfziger behauptet in einem Brief an die MAZ, beim Verlassen des Gebäudes von dem Wusterwitzer Vize-Bürgermeister Manfred Möritz (CDU) vor mehreren Zeugen „einen Schlag des Ellenbogens in mein Gesicht“ erhalten zu haben. So habe Möritz seine Sicht von Demokratie und Meinungsfreiheit kundtun wollen, behauptet Edelhäußer.

„Das ist ja ein Hammer“, sagt dazu Möritz, von der MAZ um eine Stellungnahme gebeten: Der 67-jährige studierte Maschinenbau-Ingenieur räumt ein, dass ihn das Plakat gestört habe während der Wahl. Doch geschlagen habe er Edelhäußer keinesfalls. „Er hat uns ständig das Plakat vor das Gesicht gehalten, aber ich möchte ausschließen, dass wir eine Rangelei hatten. Ich habe mir den Schal angezogen und dabei irgendetwas mit dem Ellenbogen berührt, ich dachte das Transparent. Zeugen habe ich auch, dass da nichts gewesen ist“.

Edelhäußer sagte, verletzt worden sei er nicht. Er war, wie er betont, als Privatperson, in der Veranstaltung und sieht in dieser „ein abgekartertes Spiel“.

Chefposten im Amt Wusterwitz war ein halbes Jahr vakant

Ramona Mayer ist gebürtige Brandenburgerin. Seit 28 Jahren lebt sie in Wusterwitz, seit 17 Jahren arbeitet sie im dortigen Amt. Die Mutter einer erwachsenen Tochter ist Diplom-Betriebswirtin.

Am 2. Januar lief die Bewerbungsfrist des zweite Auswahlverfahrens für den Amtsdirektorenposten ab. Zehn Bewerbungen gingen ein. Seit September 2016 ist die Stelle unbesetzt. Im ersten Verfahren hatten zwei Bewerber vor dem Verwaltungsgericht Potsdam Beschwerde eingelegt.

Einsprüche können die Bewerber 14 Tage lang nach Zugang der Ablehnung ihrer Bewerbung erheben. Zu adressieren sind sie an den Wusterwitzer Amtsausschussvorsitzenden Ronald Melchert.

Es war das zweite Auswahlverfahren im Amtsausschuss der Besetzung des Chefpostens in der Wusterwitzer Verwaltung. Erst am Montagabend beim Verlesen der Kandidatenliste war bekannt geworden, dass sich auch Ramona Mayer selbst um die Stelle beworben hat.

Auf die Frage, warum sie ihre Bewerbung bis zuletzt öffentlich geheim gehalten habe, sagte Mayer der MAZ, es gäbe keine Pflicht, dies vor der Wahl bekannt zu geben. Nach dem Scheitern des ersten Auswahlverfahrens habe sie sich entschieden, selbst zu kandidieren. Das war im September.

Amtsausschuss hatte mit Pattsituation gerechnet

Dass die so wichtige Position letztlich per Losverfahren besetzt worden ist, nachdem rund ein Dutzend Kandidaten zur Wahl gestanden hatten, macht offenbar niemand so recht glücklich. In ihrer Autorität geschwächt sei die Amtsdirektorin dadurch jedoch nicht, so Melchert: „Bei der Konstellation von acht Mitgliedern im Amtsausschuss kann es immer zu einer Pattsituation kommen. Wir hatten damit gerechnet und uns darauf vorbereitet. Es ist schade, dass die Konstellation im Ausschuss so ist. Aber wir haben nichts verkehrt gemacht.“

Möritz begrüßt die Wahl Ramona Mayers, die er als Zuschauer verfolgt hatte: „Sie ist eingearbeitet und wenn sie die Einspruchsfrist übersteht, kann sie gleich von Null auf 100 starten.“ Das Losverfahren selbst sei unglücklich, so Möritz, „aber ich bin mehr als zufrieden, wie das Los entschieden hat“.

Von Marion von Imhoff

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