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Neue Eingewöhnungskonzepte in den Kitas

Gemeinde reagiert auf Rechtsstreit Neue Eingewöhnungskonzepte in den Kitas

Nach dem Rechtsstreit um einen Kitaplatz mit einer Caputher Familie hat die Gemeinde Schwielowsee gemeinsam mit den Leitern umgehend das Eingewöhnungskonzept verändert. Konkretere Pläne sollen mehr Rechtssicherheit verschaffen. Nachdem die Familie den Streit vor Gericht gewonnen hatte, sieht sich im Fortgang des Verfahrens nun die Gemeinde im Recht.

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In der Kita „Schwielowsee“ in Caputh ist Platz für bis zu 200 Kinder.

Quelle: Friedrich Bungert

Schwielowsee. In allen Kindergärten der Gemeinde Schwielowsee gilt ein neues Eingewöhnungskonzept. Nach dem Rechtsstreit mit einer Caputher Familie um die Kitaplatzvergabe im September (MAZ berichtete) hat die Verwaltung zusammen mit den Leitern der Einrichtungen einen neuen Plan für die ersten Tage der Krippen- und Kitakinder erarbeitet. „Wir haben jetzt viel konkreter mit Tagen und Uhrzeiten beschrieben, wie die Eingewöhnung abläuft“, erklärte Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) der MAZ. Vor dem Gericht mit dem neuen Konzept sicherer sein zu können, war ein Grund, warum die Kommune innerhalb weniger Wochen gehandelt habe. Auch die wöchentlichen Betreuungsstunden legt der Kita-Träger darin genau fest.

Bei dem Streit ging es darum, dass die Gemeinde einem Kind zum gewünschten Starttermin in der Caputher Kita den Platz aus Kapazitätsgründen versagt hat. Das Gericht hat diese Gründe nicht anerkannt und im Eilverfahren entschieden, dass die Gemeinde einen Platz zur Verfügung stellen muss. Die Familie klagte sich bis zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) durch. Einsprüche und Beschwerden der Gemeinde scheiterten. Das Gericht nahm an, dass nicht nur ein Kind pro Woche eingewöhnt werden kann, sondern zwei, weil die Erzieherin für das zweite Kind am Nachmittag Zeit hätte. Außerdem sei das Eingewöhnungskonzept aus Sicht des OVG als „pädagogisches Konzept“ nicht kapazitätsbeschränkend. Kommt es aufgrund von Urlaub oder Fortbildungen zu einem Mangel dürfe das nicht die Aufnahmefähigkeit beschränken. Beim Fall des Rechtsstreits war die für das Kind zuständige Erzieherin im Urlaub, weshalb es aus Sicht der Gemeinde hätte erst später eingewöhnt werden können.

Familie bleibt auf den Kosten sitzen

„Mit dem neuen Konzept können wir nun genau begründen, ob es Kapazitäten gibt oder nicht. Denn das Wunsch- und Wahlrecht findet dann seine Grenze, wenn keine Plätze zur Verfügung stehen“, so die Bürgermeisterin weiter. Nachdem das OVG entschieden hatte, dass es zum gewünschten Termin rein physisch freie Plätze gegeben hätte und für das Kind eine Erzieherin aus Ferch nach Caputh kam, ging der Rechtsstreit im Hintergrund weiter.

Ein parallel laufendes Verfahren ging zugunsten der Gemeinde aus. Hoppe zufolge räumte das Gericht der Kommune einen organisatorischen Vorlauf von zwei Wochen ein, um dem Kind einen Platz zu verschaffen. Daraus schließt sie, dass das Gericht nicht weiter an seinem ursprünglichen Beschluss festhält, dass eine Eingewöhnung auch am Nachmittag möglich wäre. Auch in puncto Betreuungsvertrag, den die Gemeinde erst zum anberaumten Aufnahmetermin ausstellte, habe die Kommune Recht bekommen. „Ein Fehlverhalten der Gemeinde konnte das Gericht nicht feststellen“, so Kerstin Hoppe. Die Familie muss nun sämtliche Verfahrenskosten zahlen, wie der Vater auf MAZ-Anfrage sagte.

Feste Uhrzeiten und Stunden

Die 500 Euro für das neu erarbeitete Konzept hat der Landkreis Potsdam-Mittelmark übernommen. Stolz ist die Bürgermeisterin darauf, dass alle Kindergärten reagiert und mitgezogen haben, obwohl nur Caputh direkt betroffen war. „Sie haben alle gesagt, dass man das nicht so stehen lassen kann“, berichtet die Gemeindechefin. Der Sozialausschuss habe die neuen Konzepte gut angenommen und auch in der Gemeindevertretung sei wieder Ruhe eingezogen.

Auszüge aus dem Konzept der Caputher Kita

In der ersten Woche der Eingewöhnung steigert sich die Zahl der Stunden täglich. Eine Bezugsperson (Mama, Papa oder Großeltern) ist immer dabei.

Am dritten und vierten Tag nimmt das Kind den ersten intensiven Kontakt zur Kindergruppe auf. Die Bezugserzieherin wird aktiver und gibt Spielimpulse.

Der erste große Trennungsversuch findet am fünften Tag der Eingewöhnung statt. Vom fünften bis neunten Tag ist das Kind schon drei Stunden in der Kita. Vom zehnten bis zwölften Tag nimmt es am Mittagsschlaf teil.

Am 15. Tag endet die aktive Eingewöhnung und läuft individuell weiter.

Das Eingewöhnungskonzept gleicht einem Fahrplan für die Eltern und gibt Hinweise für die ersten Tage in der neuen Einrichtung. Es setzt fest, um welche Uhrzeit es in den ersten zwei Wochen los geht, wie lange Eltern und Kind bleiben und dass eine feste Erzieherin die Eingewöhnung übernimmt. Die Betreuungszeit in der ersten Woche beträgt je nach Kita zwischen 5,5 und 7,5 Stunden. In der zweiten sind es schon etwa doppelt so viele.

Von Luise Fröhlich

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