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Neue Firma in Teltow verkauft Insekten

Das Essen der Zukunft Neue Firma in Teltow verkauft Insekten

Insekten gelten laut Welternährungsorganisation als die Zukunft unserer Ernährung. Die 23-jährige Désirée Niehuss hat kürzlich das Unternehmen „What the Bug“ gegründet und verkauft jetzt Grillen, Buffalo-Würmer, Heuschrecken und Mehlwürmer. Bei den Menschen kommen die krabbeligen Gefährten richtig gut an.

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Désirée Niehuss mit einem Insektenmenü.

Quelle: Christel Köster

Teltow. Etwa drei Zentimeter ist die Heuschrecke groß, die auf einen Holzstiel aufgespießt in der kleinen Pappschale auf dem Tisch steht. „Ich musste mich auch überwinden“, sagt Désirée Niehuss und schmunzelt. „Sieht komisch aus, aber hinterher fragt man sich, warum man sich so angestellt hat – es schmeckt sehr gut.“

Die 23-Jährige hat im Februar dieses Jahres das Teltower Unternehmen „What the Bug“ (zu Deutsch: „Was zum Käfer“) gegründet und verkauft geröstete Buffalo-Würmer, Grillen, Mehlwürmer und Heuschrecken auf verschiedenen Festen. Die Idee entstand auf Reisen, als sie im Oktober 2016 in Thailand Insekten probierte. „Natürlich ein Touri-Gag,“ erinnert sich Désirée Niehuss. „Aber als ich wieder in Deutschland ankam, dachte ich: Das hat man hier noch nicht.“ Die geschäftlichen Grundlagen beherrscht die studierte Betriebswirtin aus dem Effeff: Mit 19 gründete sie bereits ihr erstes Unternehmen: einen Marketingdienstleister. Wegen des Studiums musste sie es aber aufgeben. „Das war dann beides zu viel“, sagt sie. Nun hat sie ihre Liebe für Insekten entdeckt. „Wir importieren sie aus Holland und lagern sie in einer kleinen Halle in Beelitz“, erzählt die gebürtige Bonnerin und Halb-Norwegerin. Sprachlich entstehen keine Probleme, denn Freund Stan van Triest (22) ist Holländer und bei „What the Bug“ angestellt. Langfristig, wenn er nach Deutschland zieht, soll auch er aber ganz in die Firma einsteigen. Von ihrem Sitz in Teltow koordiniert sie insgesamt vier mobile Zelte, mit denen sie quer durch Deutschland tourt und dort die krabbeligen Gefährten bei verschiedenen Festen verkauft.

Zu Beginn der Firmengründung gab es einige Hürden – beim Finanzamt, dem Gewerbeamt und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). „Keiner hatte Ahnung, weil keiner das macht“, erinnert sich Niehuss. Dabei gelten Insekten laut Welternährungsorganisation (FAO) als die Zukunft unserer Ernährung. Denn nach aktuellen Schätzungen der Vereinten Nationen soll die Weltbevölkerung 2050 von gegenwärtig 7,6 Milliarden Menschen auf fast 10 Milliarden ansteigen. Experten fragen sich, wie die wachsende Bevölkerung speziell mit Proteinen versorgt werden kann. Ernährungswissenschaftlerin Ina Henkel von der Universität Potsdam weiß, was in Insekten für Potenzial steckt. „Sie verfügen über einen hohen Proteingehalt. Außerdem enthalten sie viele mehrfach-ungesättigte Fettsäuren, also die ’gesunden Fette’ und liefern wichtige Mineralstoffe sowie Vitamine.“ Die Insekten gelten auch als umweltverträglichere Alternative zu Fleisch. Denn um Insekten herzustellen, brauchen wir deutlich weniger Wasser, Futter und Fläche. Ein Beispiel? Die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch, benötigt rund acht Kilogramm Futter, für die gleiche Menge an Insekten lediglich zwei Kilogramm.

Für Niehuss läuft das Geschäft bisher sehr gut. „Manchmal haben wir zwei Schlangen am Stand“, beschreibt sie. Viel Öffentlichkeitsarbeit brauche sie nicht. Lediglich auf Facebook ist Niehuss aktiv. „Das läuft alles über Mundpropaganda“. So würden die Veranstalter sie regelmäßig für Feste anfragen. Sie war sogar schon mit fünf Zelten gleichzeitig unterwegs. „Wir haben extra eins dazu gemietet und ich habe an dem Wochenende vielleicht vier Stunden geschlafen“, erzählt Niehuss. Sechs freie Mitarbeiter beschäftigt sie inzwischen, die sie bei Bedarf an den Ständen unterstützen. Dort erlebt Niehuss unterschiedliche Reaktionen. „Manche finden es witzig, möchten aber nicht probieren. Andere sind mutiger.“ Zu Beginn dachte sie, es seien eher die jungen Leute interessiert, aber auch ältere Menschen finden die Insekten interessant und probieren gerne, erzählt sie. Ein Unterschied fällt ihr allerdings auf: „Im Osten sind die Menschen experimentierfreudiger – im Westen ist die Skepsis größer und ich muss doch mehr reden und erklären.“ In Zukunft möchte sie eventuell noch ein Merchandising in Teltow anbieten oder einen Online-Auftritt. „Ich habe viele Ideen, aber das muss natürlich erst wachsen“, sagt sie.

Interessante Fakten zu Insekten als Lebensmittel

2 Milliarden Menschen auf der Welt essen bereits Insekten – in Asien, Südamerika und Afrika stehen sie seit jeher auf dem Speiseplan.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde Maikäfersuppe in Deutschland noch ganz selbstverständlich gegessen. So servierte Wilhelm Busch (1832-1908) seinen Gästen gerne die Suppe.

Über 1900 essbare Insektenarten haben Wissenschaftler weltweit inzwischen identifiziert.

In Belgien oder Holland werden Insekten schon längst gegessen. Kürzlich zog die Schweiz mit einer umfassenden Gesetzesänderung nach. Seit dem 1. Mai 2017 ist es erlaubt, drei Insektenarten (Grillen, Wanderheuschrecken und Mehlwürmer) im Ganzen oder verarbeitet zu kaufen. Für weitere Insektenarten ist eine Bewilligung vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen nötig.

In Deutschland wird die „Novel-Food-Verordnung“ (übersetzt: Neuartige Lebensmittel) ab dem 1. Januar 2018 aktualisiert und Insekten explizit mit aufgenommen. Dann ist auch die Verarbeitung zu Keksen oder Pasta möglich.

Experten warnen davor, Insekten aus dem Garten zu essen. „Zum einen wissen Sie nicht, ob es sich wirklich um eine essbare Insektenart handelt, zum anderen kann nicht sicher festgestellt werden, wo sich die Tiere vor dem Verzehr aufhielten“, warnt Ina Henkel.

Essbare Insekten können auch online bestellt werden unter www.insektenlutscher.de. Hier finden sich auch bundesweite Termine für Kochkurse mit Insekten sowie Verkostungen.

Von Anne Knappe

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