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Neue Mieter für den Kirchturm

Treuenbrietzen: Chance für die Schleiereule Neue Mieter für den Kirchturm

Von zirka 60 auf ein einziges Brutpaar ist der Bestand an Schleiereulen auf dem Territorium des Naturparks Nuthe-Nieplitz zurückgegangen. Dessen Leiterin Kordula Isermann sieht Handlungsbedarf. Nisthilfen sollen die Neuansiedlung beflügeln. Seit Freitag befindet sich eine hinter den Fensterläden im Glockenturm der katholischen St.-Nikolai-Kirche in Treuenbrietzen.

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Pfarrer und Naturparkchefin assistierten Marco Kaiser (li.) beim Aufbau des Nistkastens.

Quelle: U. Klemens

Treuenbrietzen. Pfarrer Burkhard Stegemann gab dafür gern seinen Segen. Denn nicht nur ihm selbst, sondern auch seinem Chef auf Erden liegen Artenschutz und -vielfalt sehr am Herzen. In einem Rundbrief an alle Geistlichen warb Papst Franziskus vor wenigen Tagen zur ökologischen Umkehr.

„An sich nichts Neues, aber in dieser Deutlichkeit wurde dieser Aspekt bislang von einem Papst noch nie betont “, sagt Stegemann, der seit fünf Jahren für die Gemeinde im Hohen Fläming zuständig ist. In einer Schöpfungsandacht vor dem Anbringen des Nistkastens nahm der Geistliche den Faden auf und mahnte zum Blick über den Tellerrand. „Wenn wir nicht anfangen global zu denken, können wir die Welt nicht retten.“

Weitaus weniger pathetisch übersetzt hat Marco Kaiser die Botschaft. Seit Oktober kümmert sich der Potsdamer im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes um die Greifvögelpopulation des Naturparks und hat dabei mittlerweile die meisten der rund 50 hiesigen Kirchtürme erklommen.

Die dabei entdeckten Schleiereulen-Kadaver gaben Aufschluss über die Ursache ihres besorgniserregenden Rückgangs. „Die meisten sind im Winter wegen der schlechten Futterlage einfach verhungert“, sagt der gelernte Krankenpfleger, der seit vielen Jahren als ambitionierter Hobby-Ornithologe unterwegs ist.

„Wenn eine Schleiereule nicht auch an kalten Tagen genug zu fressen findet, stirbt sie.“ Wehmütig denkt Marco Kaiser an die Zeiten zurück, als Bauern in harten Wintern für die Greifvögel hohe Zinkwannen mit lebenden Mäusen und Stroh aufs Feld stellten. Doch selbst auf dem Lande geht das Wissen über solche Dinge seiner Erfahrung nach immer spürbarer zurück.

Zusammen mit seinem Vater hat er Bretter vom Sperrmüll geholt und zu einer 50 x 60 x 50 Zentimeter großen Kiste zusammengeschraubt. „Denn Geld vom Land gibt es wegen der Haushaltslage für dieses Projekt nicht“, so Kaiser.

Zusammen schleppten er und Burkhard Stegemann Freitagvormittag die Nisthilfe über schmale Stiegen bis zum Glockenstuhl empor. Überreste toter Tauben und Mäuse deuten auf die tierischen Bewohner hin, die sich dort bereits häuslich niedergelassen haben: Steinmarder und ein Turmfalkenpärchen mit seinen vier Jungen.

Dass Turmfalken und Schleier-eule als Nachbarn zur selben Zeit in der selben Höhle ihre Jungen aufziehen, sei kein Einzelfall, sagt Kaiser. Sollte dies auch hier passieren, müsste freilich eine größere Kiste her.

Von Uwe Klemens

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