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Neuer Fotoband zu Marie Goslich erschienen

Caputh Neuer Fotoband zu Marie Goslich erschienen

Die Caputher Herausgeberin Krystyna Kauffmann hat kürzlich den dritten Bildband zur Fotojournalistin Marie Goslich veröffentlicht. Es trägt den Titel „Ein Leben hinter Glas“ und greift wieder auf die Original-Negative von Goslich zurück. Auch auf solche, die bislang noch nicht veröffentlicht waren.

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Herausgeberin Krystyna Kauffmann hält ihr Goslich-Fotoband in den Händen.

Quelle: Edith Mende

Caputh. „Marie Goslich. Ein Leben hinter Glas“ ist der Titel eines Buches, das im November im Kettler-Verlag erschien. Es ist das dritte über die Fotojournalistin Goslich, an dem Krystyna Kauffmann als Herausgeberin und Autorin beteiligt war. Dabei konnte die Caputher „Unruheständlerin“ vor gut acht Jahren mit dem Namen Marie Goslichs noch relativ wenig anfangen. Vorbereitungen für eine Ausstellung über Theodor Fontane hatten sie in die Gaststätte Baumgartenbrück in Geltow geführt. Um eine kurze Wartezeit zu überbrücken, drückte ihr der Senior-Wirt Albrecht Herrmann ein kleines Album mit historischen Fotos in die Hand: Bilder von der Landschaft am Schwielowsee, vom ländlichen Alltag der Menschen hier. Ihr Interesse war sofort geweckt. Und so hörte sie aus erster Hand mehr über Marie Goslich, die Fotografin, die in der Nachbarschaft gelebt hatte und mit der Gastwirtsfamilie befreundet war. Als die Nazis Goslich im November 1937 überraschend in die Nervenheilanstalt Brandenburg-Görden brachten, reagierte Lieselotte Herrmann schnell und rettete etwa 400 Glasnegative der Freundin vor der Vernichtung.

Reichtum erschloss sich durch Digitalisieren und Nachbearbeiten

Die gut versteckten Negative haben Krieg und Nachkriegszeit nicht ganz schadlos überstanden, dennoch offenbarte sich die Sammlung, die Albrecht Herrmann von seiner Mutter übernommen hatte, als ein wahrer Schatz. Der Landkreis Potsdam-Mittelmark und Kulturland Brandenburg stellten Mittel zur Verfügung, um den Bestand zu sichern, zu digitalisieren und für Druck und Ausstellungen aufzubereiten. Denn anders als aus der Lebens- und Arbeitswelt der Industriearbeiter waren Bilder aus dem ländlichen Leben des frühen 20. Jahrhunderts rar. Und wie gut hatte Marie Goslich beobachtet!

Wer war sie? Vor allem durch Aufzeichnungen Lieselotte Herrmanns und Briefe des Sohnes von Marie Goslich findet Krystyna Kauffmann Zugang zum Lebens dieser ungewöhnlichen Frau, die offenbar nicht nur als Fotojournalistin in eine Männerdomäne vorgedrungen war. Unter dem Titel „Poesie der Landstraße. Marie Goslich“ gibt Kauffmann 2008 ihr erstes Buch mit einer Auswahl von deren Fotografien und Texten im Lukas Verlag heraus. Längst ist sie in Archiven unterwegs und stößt auf Zeugnisse einer klugen, selbstbewussten und sehr sozialkritischen Journalistin, die schon früh durch die Bekanntschaft mit dem Bodenreformer Adolf Damaschke geprägt wurde, die gut vernetzt war mit fortschrittlichen Persönlichkeiten ihrer Zeit. Am zweiten Buch „Marie Goslich - Die Grande Dame des Fotojournalismus“, 2013 erschienen im Seemann-Verlag, waren mit Mathias Marx und Manfred Friedrich auch zwei Foto-Fachleute aus der Region beteiligt. Durch Digitalisieren und Nachbearbeiten erschlossen sie den Reichtum der analogen Goslich-Bilder.

Vieles aus dem Leben der Fotojournalistin ist ungeklärt

Das gerade erschienene „Ein Leben hinter Glas“ greift wieder auf die Original-Negative zurück. Auch auf solche, die bislang noch nicht veröffentlicht waren. Man erkennt Schäden und Sprünge im Glas, was dem Band etwas Authentisches gibt. Die Texte aller drei Bände sind zweisprachig, sowohl in Deutsch als auch in Englisch.

Noch ist vieles aus dem Leben Marie Goslichs ungeklärt. Hatten es die Nazis auf ihren kritischen Geist abgesehen, als sie die hochbetagte Frau in die Nervenheilanstalt einwiesen? Bekannt ist, dass sie geäußert hatte, Hitler fehle als Politiker die Qualifikation. Der letzte Lebensnachweis, den Krystyna Kauffmann bislang finden konnte, ist eine Überweisung von Brandenburg-Görden in die Landesheilanstalt Merseritz-Obrawalde (heute Polen). Ob sie je dort ankam, liegt wie ihr Tod im Dunkeln.

Goslich verfasste kritische Beiträge

Die Journalistin Marie Goslich hatte sich vorrangig sozialen Themen zugewandt, insbesondere den Interessen der Frauen. Kritische Beiträge über den spärlichen Lohn beispielsweise von Stickerinnen sind überliefert. Auch die katastrophalen Wohnverhältnisse von Berliner Arbeiterfamilien thematisierte sie. Diese Texte vollständig zu publizieren und sie in den Kontext ihrer Zeit zu stellen, könnte sich Krystyna Kauffmann für ein weiteres Buch vorstellen.

Zunächst wird sie am 16. Februar 2017 im Potsdam-Museum am Alten Markt „Marie Goslich, Ein Leben hinter Glas“ vorstellen.

Das Leben von Marie Goslich

Geboren wurde Marie Goslich am 24. Februar 1859 in Frankfurt (Oder). Erste journalistische und fotojournalistische Beiträge veröffentlichte sie um 1900 vor allem in Illustrierten.

1910
heiratete sie den Schriftsteller Karl Kuhls und zog mit ihm nach Potsdam. Goslich wird Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Bote für die christliche Frauenwelt“, ab 1917 ist sie verantwortliche Schriftleiterin des in „Boten für die deutsche Frauenwelt“ umbenannten Blattes.

Nach dem Tod ihres Mannes zog sie 1925 nach Geltow. Wahrscheinlich starb Goslich 1938 in der Landesheilanstalt Merseritz-Obrawalde.

Stolpersteine erinnern in Frankfurt (Oder) sowie in Geltow an die Journalistin und Fotografin.

Von Edith Mende

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