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Neues Buch über den Entdecker der Eiszeit

Bad Belzig Neues Buch über den Entdecker der Eiszeit

Der Geologe Konrad Keilhack hat in der Welt viele Spuren gesammelt und einige in Bad Belzig hinterlassen. Die Heimatforscher Helga und Günter Kästner trugen über Keilhack und weitere Mitglieder dieser Familie reichlich Material zusammen und formten ein neues Buch.

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Auf der Suche nach neuen Erkenntnissen: Bohrung für Eiszeitkarte um 1900 im Garten der Villa Keilhack in Belzig

Quelle: Familie Keilhack

Bad Belzig. Von Island hat Konrad Keilhack einiges mitgebracht, eine böse Erkrankung, viele fantastische Eindrücke und den „Sandr“, eingedeutscht „Sander“. Der Begriff bezeichnet breite, schwach geneigte Schwemmkegel, die im Vorfeld des Inlandeises entstanden. Der Beelitzer Sander etwa zeugt von der jüngsten Eiszeit, die das nördliche Mitteleuropa von einigen 10000 Jahren erlebt hat. Wegen dieser Eiszeit und ihrer Auswirkungen war Konrad Keilhack (1858-1944), Sohn des Zauch-Belziger Kreisbaumeister August Ludwig Keilhack (1830-1915), nach Island gereist – im Jahre 1883, vier Monate lang. Was der Mann geleistet und welche Bedeutung seine Arbeit bis heute hat, erfährt man aus dem jüngsten Buch von Helga und Günter Kästner. „Die Keilhacks“ ist soeben in der Reihe „Unvergessene Belziger“ im Berliner Treibgut-Verlag erschienen.

Konrad Keilhack

Konrad Keilhack

Quelle: Familie Keilhack

Vorneweg dieses: Das 144 Seiten umfassende Buch, gespickt mit zahlreichen Illustrationen, ist kein Lesebuch. Es ist eine Materialsammlung, gut aufbereitet und darauf angelegt, für weitere historische oder geologische Arbeiten genutzt zu werden. Das Ehepaar Kästner hat bei Konrad Keilhacks Enkel Hans Wilhelm Quitzow (1911-2010) einen beachtlichen Schatz gehoben. Darunter ein Tagebuch, dass der Belziger Diakon und Sportfreund Albert Baur (1803-1886) für seine Tochter Clara (1863-1889) verfasst hatte. Clara Baur war Konrad Keilhacks erste Frau. Auch anderen Namen aus der Belziger Geschichte begegnet man in diesem Buch.

Konrad Keilhacks Verdienst war es, den Blick auf die jüngste Eiszeit zu schärfen. Als er seine geologischen Forschungen aufnahm, war die Branche in Bewegung. „Die damalige Epoche war fǘr die im norddeutschen Tiefland tätigen Geologen eine Pionierzeit, denn erst wenige Jahre vorher hatte sich die heute selbstverständliche Ansicht einer eiszeitlichen Vergletscherung ganz Norddeutschlands verbreitet“, schreibt Hans Wilhelm Quitzow in einem Beitrag über seinen Großvater.

Die Weichsel-Eiszeit

Als Weichsel-Kaltzeit wird die letzte Kaltzeit und die damit verbundene Vergletscherung für Nordeuropa und das nördliche Mitteleuropa bezeichnet, heißt es im Internetlexikon Wikipedia.

Kennzeichnend war ein großer Eisschild, der vom skandinavischen Hochgebirge ausging und sich bis an die schleswig-holsteinische Ostküste, in die Mark Brandenburg und nach Nordrussland erstreckte.

Sie war im nördlichen Europa die jüngste der Vergletscherungsphasen (Glaziale) des pleistozänen Eiszeitalters.

Die letzte Kaltzeit begann vor etwa 115.000 Jahren und endete vor 11.700 Jahren.

Der Name „Weichsel-Eiszeit“ geht wahrscheinlich auf einen Vorschlag von Konrad Keilhack zurück, heißt es weiter.

Konrad Keilhack sei einer der ersten gewesen, die sich dieser Ansicht anschlossen und mit Untersuchungen belegten. Und geforscht hat Keilhack ohne Ende. Er war in vielen Teilen der Erde unterwegs, bereiste China, Japan, das südliche Afrika, das östliche Russland und sammelte Erkenntnisse, die die Geologie weiterbrachten. Vor allem aber im Brandenburgischen und in Pommern war er mit seinen Arbeitsgeräten im Einsatz.

Villa Keilhack in Belzig

Villa Keilhack in Belzig.

Quelle: Familienarchiv Keilhack

So untersuchte er das Areal bei Stahnsdorf, auf dem ein Gräberfeld entstehen sollte. Keilhack stellte im Jahre 1905 fest, dass das Gelände geeignete Bodenarten aufwies und das Grundwasser immer unterhalb der Bestattungstiefe lag. Aus seiner Sicht stand der Einrichtung des Südwestfriedhofes nichts im Wege. 1909 kam es dann dazu. In Gütergotz (heute Güterfelde) dagegen stand das Wasser zu hoch. Keilhack empfahl, erst das Gelände zu entwässer, bevor die ersten Gräber ausgehoben werden können.

Ein Foto in Kästners Buch zeigt ein großes dreibeiniges Holzgestell im Garten der Keilhack-Villa in Belzig, beschriftet mit der Bildzeile „Bohrungen rund um Belzig, auch in Keilhacks Garten, für die Eiszeitkarte“. Was für den Laien Sand, Kiesel und Steine sind, war für den Geologen ein Geschichtsbuch, das ihm die Verhältnisse der Eiszeit darlegte.

Kreisbaumeister August Keilhack

Kreisbaumeister August Keilhack.

Quelle: Familie Keilhack

Doch Keilhack traf nicht bloß auf solche Befunde. Bei Klepzig holte er dieses Relikt alter Zeiten aus der Erde: „Prachtvoll erhaltener Rhinozeros-Schädel“, notierte Konrad Keilhack 1906 in den Erläuterungen zur Geologischen Karte, Blatt Belzig. Baumeister Keilhack hatte des Öfteren die Stelle gewechselt, ehe er sich für immer in Belzig niederließ. Um seine Schule abzuschließen, war Sohn Konrad in Gera geblieben, wo er 1877 das Abitur besteht. Regelmäßig schaute er jedoch bei seinen Eltern und Geschwistern in Belzig vorbei. Er studierte Geologie in Jena, Freiberg, Göttingen und Berlin und promovierte 1881. In diesem Jahr trat Konrad Keilhack ins Berufsleben ein.

Und es entflammt bald seine Liebe zu Clara Baur. 1884 heiraten sie, drei Kinder sind dem Paar vergönnt. Nach der Geburt des dritten Kindes, es heißt wie die Mutter, stirbt Clara Keilhack.

Helga und Günther Kästner, „Die Keilhacks“, Treibgut-Verlag Berlin, 144 Seiten, 16 Euro.

Von Heiko Hesse

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