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Nicht nur die Kanzlerin liebt die Raute

Salzbrunn Nicht nur die Kanzlerin liebt die Raute

Der spanische Bildhauer, Maler und Schmuckgestalter José Nuevo lebt seit nunmehr 13 Jahren in Salzbrunn. In dieser Zeit hat er vielfach seine spuren in der Region Beelitz hinterlassen. Der Trinkwasserbrunnen am Lustgarten in Beelitz, die Hinweisschilder „Kinder“ in Schäpe oder der Spargelschmuck tragen seine Handschrift.

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Die zwei Meter hohe weiße Vogelfeder hat José Nuevo im vorigen Jahr aus Marmor gearbeitet.

Quelle: Privat

Salzbrunn. Nicht mit der Kettensäge und dem Winkelschleifer, sondern mit original spanischer luftgetrockneter Chorizo-Wurst, Käse aus der Region, in der der berühmte Don Quijote sein literarisches Unwesen trieb, spanischem Wein und Tapas empfängt der Bildhauer, Maler und Schmuckgestalter José Nuevo aus Salzbrunn an diesem Abend seine Gäste zur sechsten Einkaufs- und Erlebnisnacht in Beelitz. Auf dem Kirchplatz neben dem Rathaus bietet er gemeinsam mit seiner Frau Gerlinde Schuchmann Leckereien aus seiner Heimat sowie einige Skulpturen aus seinem Salzbrunner Atelier zum Verkauf an. Der Beelitzer Gewerbeverein hat diesmal nach dem verregneten Sommer den sonnigen Süden als Thema für seine alljährliche Herbstaktion gewählt. In den Geschäften entlang der Berliner- und der Poststraße können die Beelitzer und ihre Gäste bis 24 Uhr shoppen, die spanische Atmosphäre genießen und mit den Füßen zu den Flamencoklängen des Stahnsdorfer Gitarristen Siegfried Renz und seiner Band mitsteppen.

Nuevo kam vor etwa 13 Jahren von Berlin nach Salzbrunn und hat in dieser Zeit schon mehrfach seine Spuren in der Beelitzer Region hinterlassen. Der Trinkwasserbrunnen am Lustgarten an der Hauptkreuzung der Spargelstadt, die Hinweisschilder „Kinder“ an den Ortseingängen von Schäpe oder der Spargelschmuck aus Silber tragen seine Handschrift. Zum Ortsjubiläum im nächsten Jahr soll auch Fichtenwalde einen Wasserbrunnen aus Granit erhalten. Für die Weihnachtsdekoration in Beelitz hat die Stadtverwaltung bei ihm bereits einige Objekte bestellt. Mehr will Nuevo dazu noch nicht verraten.

Der Spanier ist ein vielseitiger Künstler, der nicht nur modelliert, sondern auch malt und zeichnet. Die Bildhauerei mag er allerdings am liebsten. „In der Malerei kann man manchmal ein bisschen tricksen. In der Dreidimensionalität geht das nicht. Da muss man ehrlich arbeiten, damit die Formen und Konturen stimmen“, sagt Nuevo. Seine bevorzugten Materialien sind Marmor, Sandstein, Supraduro, Holz und Metall, die der Salzbrunner in der Region beziehungsweise im Land Brandenburg kauft. Wenn er mit seiner Frau, die aus Darmstadt stammt und die er in einem ihrer Urlaube in Sevilla kennen lernte, mal mit dem Wohnmobil in seine alte Heimat fährt, bringt er ab und zu auch mal von dort ein paar Steine mit.

Jedes Kunstwerk erfordert auch ein bestimmtes Material, das bei seiner Bearbeitung zu seinem späteren Zweck mitspielen muss, meint der Bildhauer. Ein Objekt, dass sich im Freien im Wind bewegen soll, müsse man schon aus Metall herstellen und nicht aus Marmor. Jedes Material hat für José Nuevo auch seine eigene Sprache. Die Raute ist seine Lieblingsform. „Sie begleitet mich durch viele Motive“, schwärmt der Künstler.

Je nach Auftragslage fertigt er neben anderen Objekten drei bis vier Marmorskulpturen im Jahr. Wie lange Nuevo an einer Skulptur arbeitet, hängt jeweils vom Material, von der Größe und vom beabsichtigten Aussehen des Kunstwerkes ab. Bei größeren Stücken wie etwa einem einen Meter hohen einfachen Torso aus Sandstein braucht er nur ungefähr vier bis fünf Tage, weil er relativ ungezwungen mit dem Werkzeug arbeiten kann. Soll dieser Torso allerdings poliert werden, braucht das Kunstwerk schon mal gut einen Monat bis zu seiner Fertigstellung. Richtig aufwendig wird es bei kleineren Figuren, deren filigrane Details sehr sorgfältig herausgearbeitet werden müssen. Dann kann es schon mal ein halbes bis ein Jahr dauer, bis das Objekt endlich fertig ist.

Seine eigenen Motive, die nicht von einem Auftraggeber kommen, findet José Nuevo meist in der täglichen Arbeit im Atelier, wenn ihm beim monotonen Schleifen des Marmors plötzlich eine Idee durch den Kopf schießt, sagt er. Im vergangenen Jahr ging er mit seinem Manchester-Terrier Roxy spazieren und fand eine schöne weiße Feder, die eine Ente oder ein Kranich verloren haben musste. ’Welch ein schönes Motiv’, dachte sich der Künstler und nahm die Feder mit in seine Werkstatt. Bald darauf war das zwei Meter hohe Abbild aus Marmor entstanden. Hund Roxy ist zugleich sein bestes Modell, verrät Nuevo. Geduldig schaut der Vierbeiner zu, wenn sein Herrchen ihn kopiert.

Studiert hat José Nuevo zunächst an der Freien Kunstfachschule in Madrid, später an der Kunsthochschule in Sevilla. Nach drei Jahren Grundstudium der allgemeinen Kunst ging es für drei Jahre in die Spezialisierung. Nuevo entschied sich für die Bildhauerei. Im Sommer 1987 besuchten er und seine Frau in einem Urlaub die Hauptstadt Berlin und trafen sich in der heutigen Hochschule der Künste mit dem Professort Karl-Heinz Biederbick. Der bot dem Spanier einen Studienplatz in Berlin an, und im September desselben Jahres zog der Künstler ins damalige Westberlin. In Berlin-Neukölln richtete Nuevo auf einem Hinterhof sein Atelier ein. Als 1989 die Mauer fiel, sah der Bildhauer eine Möglichkeit, seine enge und dunkle Werkstatt gegen größere und hellere Räume im Berliner Umland einzutauschen. 2004 zog er mit seiner Frau nach Salzbrunn.

Meisterschüler an der Kunsthochschule Berlin

Geboren wurde José Nuevo 1955 in Navalmoral de la Mata in Spanien. Er wuchs in Madrid auf.

Die Grundschule besuchte er ebenfalls in der spanischen Hauptstadt und legte dort später auch sein Abitur ab.

An der Universität der Künste (heute Hochschule der Künste) in Berlin ernannte ihn Professor Karl-Heinz Biederbick zu seinem Meisterschüler.

In Beelitz machte Nuevo 2012 mit seiner Metallinstallation von Stühlen auf der Festwiese erstmals eine große Öffentlichkeit auf sich aufmerksam

Von Heinz Helwig

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