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Niemegk Pünktlich zum Jubiläum ist ein neues Fontane-Buch erschienen
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Pünktlich zum Jubiläum ist ein neues Fontane-Buch erschienen
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12:53 28.01.2019
Hans-Dieter Rutsch hat eine Biografie über Theodor Fontane geschrieben. Quelle: Josephine Mühln
Grabow

 Mit Theodor Fontane hätte man keinen Blumentopf gewinnen können. Das ist Hans-Dieter Rutsch schon bewusst, als er als 13-Jähriger erstmals mit dem 1819 geborenen Schriftsteller in Berührung kommt. „Fontane war nicht Karl May, damit konnte man nicht angeben“, sagt der heute 64-Jährige. „Als in der Schule ’Effi Briest’ dran war, hatte ich die Geschichte schon längst gelesen – und konnte nicht verstehen, dass alle anderen sie nicht mochten.“

Dass Fontane das Besondere im Unscheinbaren beschrieben hat, habe eine magische Anziehungskraft auf ihn, sagt Hans-Dieter Rutsch. „Das Wesen der Gegenwart liegt im Vergangenen. Da ist mir Fontane sympathisch und ähnlich – wer die Gegenwart verstehen will, muss begreifen, wie sie so geworden ist.“ Pünktlich zum diesjährigen Fontanejahr hat der in Grabow lebende Autor eine Biografie über Fontane veröffentlicht: „Der Wanderer – Das Leben des Theodor Fontane“.

Neid auf vermeintlich gutes Leben

Dass er bereits als Kind über die Bücher von Fontane gestolpert ist, verdankt Hans-Dieter Rutsch seiner Großmutter. Diese sei in den 1920er Jahren Dienstmädchen in Berlin gewesen, erzählt er. „Sie hat Fontane gelesen und ich habe oft bei ihr übernachtet. Als sie starb, erbte ich ihr Zimmer und die Bücher.“

Auch das 1907 in Neuruppin enthüllte Fontane-Denkmal sei ihm noch aus Kindertagen in Erinnerung. „Ich war neidisch auf den Mann, der scheinbar nur spazieren gegangen ist, in einem Schloss gelebt hat und von Gutsherren empfangen wurde – und darüber noch geplaudert und geschrieben hat“, sagt der Dramaturg, Autor und Regisseur. „Wenn man selbst mit schreiben zu tun hat, möchte man genau so leben.“

Verbindung zwischen Fontane und Neuruppin fehlt

Was die Verbindung zwischen Fontane und Neuruppin angeht, da sieht Hans-Dieter Rutsch allerdings noch Nachholbedarf – sagt vielmehr, diese sei noch gar nicht hergestellt. „Die Stadtväter haben nicht erkannt, mit welcher Figur sie es zu tun haben. Fontane ist in der Mitte zwischen Goethe und Thomas Mann, dem ist Neuruppin nie gerecht geworden. Die Stadt ist über ihr Schulwissen nie hinausgekommen.“

Auch kritisiert der Autor, dass versäumt wurde, Fontanes Nachlass zusammenzuhalten. „Bis heute liegt er im Archiv in Potsdam, das Brandenburgische Literaturarchiv hat ihn übernommen. Aber das gehört eigentlich alles nach Neuruppin – das ist tragisch für das Land Brandenburg.“ Manche Dokumente – Briefe und Tagebücher – seien zudem unwiederbringlich weg oder es werde weltweit nach ihnen gefahndet. „Aber mit dieser Suche hat Neuruppin nichts zu tun.“

Dramaturg, Autor und Regisseur

Hans-Dieter Rutsch arbeitete als Dramaturg, Autor und Regisseur beim Defa-Studio für Dokumentarfilme in Babelsberg.

1995 begründete er die Havel-Film Babelsberg.

Er realisierte zahlreiche Dokumentationen, Features und Reportagen vor allem zu Themen der ostdeutschen und osteuropäischen Zeitgeschichte.

Er wolle der Stadt keinen Vorwurf machen, sagt Hans-Dieter Rutsch. Aber sie solle sich dessen bewusst werden. „Ins Fontane-Haus gehört ein Museum von internationalem Rang – es ist dafür noch nicht zu spät, aber es fehlt an Konzepten.“ Die geistige und kulturelle Höhe besitzt die Stadt nach Meinung des Grabowers. „Friedrich war da, das ist der Maßstab. Und auch sonst umgibt die Stadt ein gutes Flair – es waren immer Maler, Künstler und Architekten dort.“

Ein Bewusstsein zu schaffen für die fehlende Verbindung zwischen Fontane und Neuruppin war jedoch nicht Rutschs einziges Ansinnen, das Buch zu verfassen. „Ich hatte das Gefühl, dass mit Fontane jemand um uns ist, der uns ungeheuer nah ist. So wie er gearbeitet hat, um sich und seine Familie vom Schreiben zu ernähren, das war lebensmüde.“

Ein Jahr intensive Arbeit

Fontane habe stets nach Kompromissen gesucht, die ihm sowohl die Chance geben, seine Familie zu ernähren, als auch sich selbst treu zu bleiben. „Er war dabei teilweise sehr radikal und ist auch mal ins Taumeln geraten“, sagt Rutsch. „So geht es uns doch heute auch. „Ich fand das von Anfang an eine hochgradig spannende Geschichte und es war nicht schwer, den Verlag davon zu überzeugen.“

Erstmals mit den Verantwortlichen über das Buch gesprochen hat Hans-Dieter Rutsch 2016. Anschließend seien Exposés verfasst worden – zunächst in verschiedene Richtungen. „Nur, um dann doch wieder zum ersten Exposé zurückzukommen.“ Es folgte ein Jahr intensive Arbeit. „Wobei das nicht kontinuierlich war, weil ich in der Zeit auch weiter Filme produziert habe – und Filmarbeit und Schreibarbeit vertragen sich nicht.“

Entstehungsprozess war eine Kraftanstrengung

Beim Film sammle man und presse am Ende ein paar Tropfen heraus, sagt Rutsch. „Beim Schreiben sammelt man und fragt sich: Wie kommt man zu einem neuem Horizont?“ Über 100 Bücher habe er schließlich gelesen, die sich mit Fontane und dessen Zeit beschäftigen. „Der ganze Boden lag voll, überall waren Zettel drin – das muss man erstmal koordinieren.“

Der Entstehungsprozess sei eine Kraftanstrengung gewesen. Auch physisch mit acht bis zehn Stunden Schreibtischarbeit am Stück. „Wenn man das Geschriebene dann Tage später noch mal liest, beginnt die Verunsicherung. An manch einer Seite sitzt man lange und denkt, es sei viel – bis man merkt, es ist wenig.“ Deshalb sei ein guter Lektor so wichtig, der an den richtigen Stellen ermutigt.

Auch Kleinigkeiten nachgegangen

„Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass ich nicht mal gedacht habe, ich schaffe es nicht“, gibt Hans-Dieter Rutsch zu. „Ich lege mich ja in dem Buch auch mit Leuten an – und wollte mir nicht nachsagen lassen, dass alles Quatsch ist.“

Bei der Auswahl der zu lesenden Bücher für die Recherche sei er wie ein Wanderer einem Pfad gefolgt. „Man googelt noch mal einen Autor, entdeckt dabei Dinge – und folgt ihnen. Ich bin auch Kleinigkeiten nachgegangen und habe Verbindungen hergestellt, wo Literaturwissenschaftler zögerlich sind.“

Hans-Dieter Rutsch ist überzeugt, dass sich Leser auf der ganzen Welt in den Geschichten von Theodor Fontane wiederfinden. „Neuruppin kann für sie alle ein Anlaufpunkt sein – aber dafür muss man etwas tun. Das Selbstverständnis der Stadt zu Fontane müsste überdacht werden. Aus allen Erfahrungen, die wir mit Fontane gemacht haben, müssen wir diese Nähe auf ein neues Niveau heben.“

Von Josephine Mühln

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