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Niemegk Nach Wolfsriss: Schwarzes Schäfchen kriegt das Fläschchen
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Nach Wolfsriss: Schwarzes Schäfchen kriegt das Fläschchen
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13:54 28.05.2018
Frank Golm zieht ein Heidschnucken-Jungtier nach einem vermutlichen Wolfsriss in Ziezow mit der Flasche auf. Quelle: Josefine Kühnel
Ziezow

Noch ist das schwarze Jungtier scheu und springt umher, wenn Frank Matthias versucht, es für die Fütterung einzufangen. Doch beim zweiten Versuch klappt es.

Er streichelt das verspielte Tier und setzt es vorsichtig auf seinen Schoß. Die Milchflasche hat er schon in der Hand. Doch noch hat das Lamm den Sinn der weißen Flasche nicht verstanden, Frank Golm muss nachhelfen: Er drückt das Fläschchen behutsam in die Schnauze des Lämmchens, nach mehreren Anläufen funktioniert es: Es trinkt.

Damit die Wölfe nicht so schnell wieder zuschlagen können, sollen Zäune die Schafe schützen.

Die ganze Familie umsorgt das schwarze Schaf

Der 40-jährige Tischler wechselt sich ab mit seiner Mutter, Christa Matthias. Vater Günter hatte kürzlich einen Unfall mit der Kreissäge und musste an der Hand operiert werden, deshalb kann er momentan nur zusehen.

Mehrmals am Tag versuchen die Hofbesitzer, das Schaf mit angerührtem Milchpulver zu säugen. 50 bis 100 Milliliter füllen die Flasche „aber alles trinkt sie selten aus“, sagt Christa Matthias, Frank Golms Mutter.

Schicksalsschlag Wolfsriss

Normalerweise müsste die wenige Wochen junge Heidschnucke von ihrer Mutter gesäugt werden, doch die ist über Pfingsten gerissen worden. Damit macht das schwarze Schaf seinem Namen alle Ehre.

„Das waren Wölfe, das hat man sofort am Kehlbiss gesehen“, ist sich Günter Matthias sicher. Er, seine Frau Christa und Sohn Frank Golm wohnen gemeinsam auf dem Hof mit Schwager Hartmut Ziegler, dem die Schafe gehören.

Totes Mutterschaf beim Heumachen entdeckt

Ein Bauer aus der Nachbarschaft, der beim Heumachen war, entdeckte am Pfingstsonntag das tote Tier und rief Hartmut Zieglers Chef im Niemegker Trockenwerk an. „Irgendwas ist mit deinen Schafen“, sagte der Chef zu Hartmut Ziegler.

„Ich bin sofort nach Hause gefahren, dort sah ich das gerissene Schaf“, sagt der 55-jährige Tierhalter. Auch die Familie stand schon um den Tatort herum. Sie riefen Uwe Schanz, den Wolfsbeauftragten des Landes Brandenburg an. Am Abend sah er sich den Vorfall an. „Er hat nicht ausgeschlossen, dass es ein Wolfsrudel war“, sagt Günter Matthias.

Geschädigte fordern Konsequenzen

Seit 40 Jahren hat die Familie Schafe. Noch nie ist ihnen etwas Derartiges passiert. „Nach den vielen Jahren rechnet man doch nicht mehr mit so etwas“, sagt die erfahrene Schafhalterin Christa Matthias.

Nun wollen die Geschädigten, dass der Vorfall Konsequenzen hat. „Das ist im Umland nicht der erste Wolfsriss. Man müsste eine Regelung finden, dass der Wolfsbestand nicht Überhand nimmt“, sagt Hartmut Ziegler.

Schadensansprüche sind mit Auflagen verbunden

Auf Entschädigung hofft die Familie nicht. „Wir sind ja nur private Halter“, sagt Frank Golm. Auch der Wolfsbeauftragte sagt: „Um Entschädigung bekommen zu können, müssen viele Auflagen zum Schutz der Tiere erfüllt sein.“ Daraufhin kann Günter Matthias nur scherzen: „Man müsste doch besser die Wölfe einsperren und nicht die Schafe“.

Kinder dürfen nicht mehr allein auf die Wiese

Seit dem Vorfall sperrt die Familie ihre Schafe jeden Abend im inneren Hofbereich ein und lässt auch die beiden Kinder nicht mehr allein auf der Wiese spielen. „Die Wölfe sind so nah an unser Haus gekommen, die scheinen gar keine Berührungsängste mehr zu haben“, sagt Frank Golm.

Die Hofbesitzer hoffen, dass sich das Wolfsrudel nicht noch einmal bei ihren Tieren bedient und bleiben optimistisch: „Immerhin spielen die Kinder gern mit unserem armen schwarzen Schaf“, sagt Frank Golm.

Von Josefine Kühnel

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