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Niemegk Streit um die Rettung der Kirche
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Streit um die Rettung der Kirche
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18:13 21.05.2018
Claudia Grünthal, Anneliese Fürstenberg und Gudrun Wieland (von links) engagieren sich für die Dahnsdorfer Kirche. Quelle: Christiane Sommer
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Dahnsdorf

Am Fuß des Dahnsdorfer Kirchturms liegt ein großer Feldstein im Gras. Würde der Bauzaun um ihn herum nicht andeuten, dass vom Gemäuer Gefahr ausgeht, könnte man glauben, er hätte schon immer an dieser Stelle gelegen. „Er ist von ganz oben herabgestürzt“, gibt Anneliese Fürstenberg zu verstehen und deutet in Richtung Turmspitze.

Der Fugenmörtel im Mauerwerk ist stark ausgewaschen. „Glücklicherweise wurde niemand verletzt“, sagt die Dahnsdorferin und öffnet die Kirchentür. Dabei wird offenbar, dass die ausgewaschenen Fugen nicht das einzige Problem sind.

Die Dahnsdorfer Kirche gammelt vor sich hin. Hilfe ist dringend nötig.

Das Dach scheint undicht und an den feuchten Wänden im Innern wuchert Schimmel. Ein modriger Geruch wabert durch das Kirchenschiff. Es ist ein Bild des Jammers. Damit die Kirche auch für nachfolgende Generationen erhalten bleibt, gründete sich vor drei Jahren ein Freundeskreis. Fürstenberg erzählt von dieser Idee. Davon, wie man Geld für die Kirchensanierung einwerben und das Gotteshaus für kirchliche, kulturelle und soziale Veranstaltungen nutzen wollte.

Doch die Visionen des Freundeskreises, in dem sich Christen und Nichtchristen für die Kirchenrettung engagieren wollten, fielen auf keinen fruchtbaren Boden. Mittlerweile herrscht zwischen den Akteuren und dem evangelischen Pfarrer Jörg Frenzel aus Mörz, vorsichtig formuliert, Streit. Das respekt- und vertrauensvolle Miteinander ist verloren gegangen.

Die Kirchenleitung weiß Bescheid

Dem Vernehmen finden beide Seiten nicht zueinander. Alle Versuche, moderierend einzugreifen, sind bislang ergebnislos verlaufen. Zwischenzeitlich hat Superintendent Siegfried-Thomas Wisch in Lehnin und die Generalsuperintendentin Heilgard Asmus in Potsdam Kenntnis über die Situation vor Ort.

In einem Brief an die übergeordnete Stelle hat sich Fürstenberg „im Auftrag von Gemeindegliedern“ aus Dahnsdorf über den Pfarrer beklagt. Ihm wird Fehlverhalten vorgeworfen. Unter anderem wegen der Nichtausstellung von Spendenquittungen und der nicht korrekten Zählung einer Kollekte. Das Schreiben liegt der MAZ vor.

Bauwerk mit langer Geschichte

Die Kirche in Dahnsdorf entstand im frühen 13. Jahrhundert.

Ihre bauliche Zwillingsschwester steht im Nachbardorf Mörz.

Im Jahre 1227 wurde die Dahnsdorfer Kirche durch Graf Baderich von Belzig dem Deutschen Orden zum Geschenk gemacht.

Die Ordensritter waren bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts in dem Dorf im Hohen Fläming präsent.

Im vergangenen Jahr weilte auf Einladung des Freundeskreises eine Delegation des Deutschen Orden in Dahnsdorf.

Aktive Unterstützung bei der Kirchenrettung wurde versprochen.

Damit nicht genug. Frenzels Arbeitgeber, der Kirchenleitung, wird vorgeworfen, die Vorwürfe zu decken und zu tolerieren. „Wenn die Ansprüche an Geistliche in unserer Kirche so gering sind, dann stellt sich die Kirche ein Armutszeugnis aus, dann schafft sie sich selber ab und muss sich über sinkende Mitgliederzahlen nicht wundern“, heißt es im Papier. Das Schreiben ist allerdings in der Kirchengemeinde in Dahnsdorf umstritten.

Der Pfarrer will sich nicht äußern: „Ich bin mit dem Thema durch und sage dazu überhaupt nichts mehr.“ Der Rat der übergeordneten Stelle, dass der Gemeindekirchenrat der Kirchgemeinde Planetal in der Angelegenheit zuständig sei, verfehlte ebenfalls die Wirkung.

Nur eine Stimme im Gemeinderat

Hinter vorgehaltener Hand heißt es dass ein Teil der Mitglieder dem Pfarrer Gefolgschaft leisten würde. Optimal besetzt ist der Rat tatsächlich nicht. So hat die Gemeinde Mörz fünf Sitze, die aus Kranepuhl vier, die aus Locktow und Ziezow jeweils drei, und die Dahnsdorfer nur einen.

Bei Abstimmungen, wie über Baumaßnahmen, bleiben deren Wünsche dadurch oft ungehört. Dass die Dahnsdorfer im Gremium schwach vertreten sind, liegt jedoch an ihnen selbst. Als die Gemeinden 2013 fusionieren mussten, war man darüber derart verärgert, dass man trotzig erklärte, im Rat nicht mitarbeiten zu wollen.

Neuwahl erst 2019

Der Fehler ist zwischenzeitlich erkannt, kann aber nicht mehr rückgängig gemacht werden. Bis zur offiziellen Neuwahl in 2019 müssen sie sich damit begnügen, dass mit Christian Hoffmann im vergangenen Jahr wenigstens ein Vertreter nachnominiert werden konnte.

Wegen der andauernden Differenzen stellten einige Gemeindeglieder im vorigen Herbst auch noch den Antrag, der Kirchengemeinde Niemegk zugeordnet zu werden. Vergeblich und mit der Folge, dass das ohnehin schon unterkühlte Verhältnis zwischen ihnen und dem Pfarrer auf eisige Temperaturen gesunken ist.

Kantor Kuntz ist in Sorge

Bei all dem bleibt die Kirche auf der Strecke, die eigentlich gerettet werden sollte. Das Schicksal der Orgel macht sich längst auch dem Bad Belziger Kantor Winfried Kuntz Kopfzerbrechen. Das Instrument nehme aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit Schaden. Mehrere Register, das sind Pfeifenreihen der gleichen Klangfarbe, sind schon jetzt nicht mehr nutzbar.

Vor Resignation haben sich mittlerweile auch die Reihen des Freundeskreises gelichtet. „Als Nichtkirchenmitglied gerät man zwischen die Fronten“, bemerkt dessen Sprecher Bernd Lüthke. Und: „Ich frage mich, was man mit der Dahnsdorfer Kirche vorhat. Will man sie aufgeben?“

Noch hat der Streit auf das dörfliche Leben nicht abgefärbt. Ortsvorsteher Joachim Zobel betont: „Ich hoffe, dass alle Beteiligten doch noch zueinander finden.“

Von Christiane Sommer

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