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Niemegk Liebesentzug beim Theater in der Kirche
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13:51 07.10.2018
Der Verein Theater in der Kirche trat in Rädigke auf. Quelle: Foto: Eva Loth
Rädigke

Ungewöhnlich ging es am Sonnabend in Rädigke zu. Dort wurden der Altar zur Bühne und die Dorfkirche zum Teil einer Theateraufführung. Ungewöhnliche Ereignisse erfordern eben ungewöhnliche Maßnahmen. Und hinter starken Männern stehen kluge Frauen – das wusste man schon in der Antike.

Damals – um 411 vor Christus –macht der Dichter Aristophanes in Athen aus einem eigentlich schrecklichen Ereignis eine Komödie. Das Stück „Lysistrate“ ist auch heute noch aktuell. Darin spielen Athener Frauen die Hauptrolle. Diese haben von dem bereits seit 20 Jahren tobenden Krieg zwischen Athen, Theben und Sparta die Nase gestrichen voll und sinnen auf eine Möglichkeit, diesen zu beenden. Die Athenerinnen erobern die Akropolis, bemächtigten sich der Kriegskasse und verbünden sich heimlich mit den Frauen der beiden anderen Kriegsparteien. Sie verpflichten sich zur Enthaltsamkeit und wollen durch Liebesentzug ihre Männer dazu bewegen, die kriegerischen Handlungen einzustellen. Sie haben Erfolg.

Im Stück „Lysistrate“ verbünden sich die Frauen gegen ihre Männer. Quelle: Eva Loth

Die eindeutig zweideutigen Dialoge tragen zum Erfolg des Stückes bei, das nun am Samstag in der Dorfkirche zu Rädigke vom Verein „Theater in der Kirche“ aufgeführt wurde.

Aber passt das überhaupt – Kirche und Schauspiel? Diese Frage stellt auch Pfarrer Matthias Stephan in seinen Begrüßungsworten. Ein Ja kommt sofort von den anwesenden Kindern, immerhin ist ihr weihnachtliches Krippenspiel ja auch ein kleines Schauspiel. Der Geistliche sieht dieses aber auch in jedem Gottesdienst.

Dorfkirche ist idealer Spielort

Agnes Weger und Franz Ackermann ist es zu verdanken, dass die Zuschauer in den Genuss dieses Theater-Erlebnisses kamen. „Eigentlich entstand die Idee eher zufällig“, erzählt Agnes Weger: „Ein Kollege in Berlin ist mit einem Techniker der Schauspieltruppe befreundet“, so die Rädigkerin. Sie hielt die Dorfkirche für einen idealen Spielort. Der Theaterverein wurde angesprochen, besichtigte die Kirche und sagte zu.

Der Verein Theater in der Kirche hat in Rädigke das Stück „Lysistrate“ aufgeführt. Quelle: Eva Loth

Angefangen hat alles 2002, als die damalige künstlerische Leiterin Stücke mit ihren Schauspielschülern inszenierte. Bei der Aufführung der Jeanne d’Arc gibt es eine Szene, in der die Jungfrau von Orleans vom Podium herab verurteilt wird. So kam die Idee auf, das Stück in einer Kirche von der Kanzel herab zu spielen. Die ganze Sache kam so gut an, dass sich 2004 der Verein „Theater in der Kirche“ gründete. Zuvor war die Initiative rein privat.

Kirchen vor dem Verfall retten

Die Akteure haben sich auf die Fahne geschrieben, Kirchen für die öffentliche Gemeinschaft zu erhalten und wieder zu nutzen. Denn in Zeiten der DDR waren viele dem Verfall preisgegeben. Erst langsam besann man sich wieder auf das vorhandene Kulturgut. Da kam es schon vor, dass die Kirche vor einem Auftritt erst mal von zentimerhohem Taubendreck befreit werden musste. Inzwischen haben sich die Auftritte des Vereins herumgesprochen. In diesem Jahr gibt es zwölf Aufführungen.

Die Schauspieler sind teils Profis, teils aber auch Schauspielschüler, die so erste Erfahrungen sammeln können. Geeignet sind vor allem kleinere Kirchen, denn die Schauspieler legen großen Wert auf einen engen Kontakt zum Publikum. Natürlich ist da auch noch der finanzielle Aspekt. Der Verein ist auch auf Spenden und Förderung angewiesen, denn der Eintritt für jede Veranstaltung ist kostenfrei. Eine enge Zusammenarbeit gibt es mit dem Förderkreis Alte Kirchen, weitere Unterstützung kommt vom Land Brandenburg und der Sparkassenstiftung. Aber auch Kleinstspenden sind willkommen.

Näherer Informationen zu den Aktivitäten des Vereins im Internet unter www.theater-in-der-kirche.de.

Von Eva Loth

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