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Potsdam-Mittelmark Niemegker Mühle soll beflügelt werden
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegker Mühle soll beflügelt werden
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00:18 10.03.2017
Vollständig erhalten ist die Technik der alten Niemegker Mühle. Sie stammt noch aus den 1950er Jahren. Quelle: Danilo Hafer
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Niemegk

Eigentlich wollte Sabine Wendt schon viel weiter sein. Doch der Winter und die frostigen Temperaturen der vergangenen Wochen haben die Sanierungsarbeiten an der alten Niemegker Mühle zum Erliegen gebracht. „Für die notwendigen Bodenarbeiten war es einfach zu kalt“, sagt Wendt, die sich im hiesigen Mühlenverein engagiert. Der Verein kümmert sich um den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes. Die Arbeiten im Erdreich und am Fundament der Mühle sind Teil des zweiten Projektabschnittes, der seit 2016 durch die Ehrenamtler realisiert wird.

Das große Ziel: Eines Tages sollen sich wieder Flügel an der Mühle drehen. Quelle: Danilo Hafer

Eines der größten Probleme der letzten Wochen war die Feuchtigkeit, die durch das Mauerwerk in die Mühle eindrang. „Wir mussten alte und kaputte Ziegel austauschen und die Mühle rundum neu verfugen“, sagt Sabine Wendt. Die Witterung hat dem rund 110 Jahre alte Gemäuer deutlich zugesetzt. Und das nicht erst in den letzten paar Jahren. „Feuchtigkeit war schon immer ein Problem, auch als die Mühle noch in Betrieb war“, so Wendt.

Daher wurde auch irgendwann an der Westseite des Gebäudes eine Putzschicht auf das rote Klinkermauerwerk aufgetragen. Die Spuren davon sind noch heute an den farblichen Unterschieden der Steine zu erkennen. „Wir möchten diese Schicht aber wieder aufgreifen und einen neue dünne Putzschicht auf die Wetterseite auftragen, um das Mauerwerk zu schützen", sagt Sabine Wendt.

Auch an der historischen Haube der alten Mühle, die noch aus der Gründerzeit stammt, müsse dringend etwas getan werden. „Sie hat so viele schadhafte Stellen, dass wir zunächst eine Notsicherung durchführen werden, um weitere Schäden zu vermeiden.“

Seit fünf Generationen ist die Mühle in Familienbesitz – einst arbeiteten hier die Vorfahren von Sabine Wendt. Quelle: Danilo Hafer

Für eine neue Haube reicht aber momentan das Geld noch nicht. Wie viel allein die derzeiteigen Arbeiten kosten, will Sabine Wendt nicht sagen. Nur so viel: wenig ist es nicht. Denn die Arbeiten können von den derzeit 16 Vereinsmitgliedern nicht in Eigenregie geleistet werden, sondern müssen von einer professionellen Firma durchgeführt werden. „Um weitere Arbeiten zu erledigen, müssten wir erst wieder in die Akquise gehen. Und das ist gar nicht so leicht“, sagt Wendt, deren Familie der alte Turmholländer gehört.

Doch das Innere der Mühle müsse dringend geschützt werden. „Das Besondere hier ist, dass die Mühle noch vollständig ausgestattet ist.“ Auf mehreren Ebenen stehen diverse Geräte, mit denen noch heute gearbeitet werden könnte. Teilweise sieht es so aus, als wäre der Müller nur kurz weg. Doch ziehen hier nur noch die Mitglieder des Vereins und einige Besucher regelmäßig ihre Runden.

Bis ins Detail ist die Niemegker Mühle mit originalen Gegenständen eingerichtet. Quelle: Danilo Hafer

„Auch im Winter sind wir jeden Tag hier und schauen nach dem Rechten“, sagt Sabine Wendt. Dazu gehört auch das Lüften der Mühle. „Regelmäßig müssen die Fenster geöffnet werden, damit die Mühle nicht schwitzt.“ Ein solch altes Gebäude benötigt viel Zuwendung. Überließe man es sich selbst, würde es schnell verfallen.

Aufgrund der wetterbedingten Verzögerungen werden die aktuellen Bauarbeiten voraussichtlich erst Ende Juli abgeschlossen werden können. Das ist zumindest der Wunsch von Sabine Wendt. Doch auch dann ist es noch weit bis zu ihrem Ziel. „Mein größter Wunsch ist es, dass ich es noch erlebe, dass sich irgendwann wieder Flügel an der Mühle drehen“, sagt sie. Auch wenn bis dahin noch viel zu tun ist, Sabine Wendt und die Mitglieder des Mühlenvereins geben nicht auf. Schließlich befindet sich die Mühle bereits in fünfter Generation in Familienbesitz.

Aus der Chronik

1906 wurde die Mühle von Wilhelm und Lydia Großkopf an der Straße nach Zixdorf, in Höhe des Abzweigs nach Marzahna, errichtet.

In den 30er Jahren wurde in einem Nebenraum der Mühle ein Dieselmotor errichtet. Er diente als Reserveantrieb bei Windflauten. Mit dem Motor war es demzufolge auch möglich, windunabhängig zu produzieren.

In Folge des zweiten Weltkrieges wurde die Mühle teils stark beschädigt und verlor dabei auch ihre Flügel.

In den frühen 1950er Jahren wurde die Mühle grundlegend modernisiert. Die damals verbaute Technik ist auch heute noch vollständig erhalten. Sie wurde seither durch einen Elektroantrieb angetrieben.

Seit 1998 steht die Mühle unter Denkmalschutz.

„Letztlich zählen die vielen kleinen Erfolge mehr als die Momente, in denen man vielleicht ein bisschen verzweifelt“, so Wendt. Ihr Wunsch, an einem authentischen Ort zeigen zu können, wie das Müllerhandwerk einst aussah, treibt die 54-Jährige weiter an. „Mühlen sind die ältesten Maschinen, die es gibt. Sie müssen einfach erhalten werden“, ist sie überzeugt.

Von Danilo Hafer

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