Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Sprühregen

Navigation:
Nieplitz-Damm: Zugesagte Gelder fließen nicht

Weiter akute Gefahr Nieplitz-Damm: Zugesagte Gelder fließen nicht

Wie weiter bei der seit zwölf Jahren geplanten Umverlegung des Treuenbrietzener Nieplitz-Flüsschens zum Überflutungsschutz? Der Wasser- und Bodenverband soll ein neues Planfeststellungsverfahren anschieben. Landesbehörden zögern aber mit der Überweisung des voriges Jahr zugesagten Fördergeldes.

Treuenbrietzen 52.08653790562 12.864486631738
Google Map of 52.08653790562,12.864486631738
Treuenbrietzen Mehr Infos
Nächster Artikel
Neue Brandschutz-Technologie aus Mittelmark

Mitte 2015 bauten WBV-Arbeiter eine Behelfssperre für Notfälle am Treuenbrietzener Nieplitzdamm nahe der Steinmühlenstraße.

Quelle: WBV Nuthe-Nieplitz

Treuenbrietzen. Munter fließt Wasser die Nieplitz bei Treuenbrietzen hinunter. Überhaupt nicht sprudelt hingegen das seit gut zwölf Jahren verfolgte Verfahren zur Umverlegung des Flüsschens in sein ursprüngliches Flussbett. Das stockt derzeit gar. Das hat jetzt auch Lars Kühne kritisiert. Er ist Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes „Nuthe-Nieplitz“ (WBV).

Zwar habe dieser seit vorigem Jahr vom Landesamt für Umwelt (LfU) den Auftrag, ein neues Planfeststellungsverfahren anzuschieben. Dafür sei im Dezember umgehend der Förderantrag eingereicht und im Januar wunschgemäß überarbeitet worden. „Doch fehlt die versprochenen Zusage für das Fördergeld“, erklärte Kühne in der jüngsten Sitzung des örtlichen Ausschusses für Stadt- und Ortsteilentwicklung.

WBV-Chef kritisiert Entwicklungen

Der Zustand des Nieplitzdammes am einst von Zisterziensermönchen aufgestauten Teich der alten Steinmühle „lässt mich manchmal schlecht schlafen“, sagte der promovierte Gewässer-Experte. „Wir sollten zügig aus der Sackgasse raus, um den Überflutungsschutz für die angrenzenden Eigenheimgrundstücke endlich gewährleisten zu können“, so Kühne. Bei einem Sturm im April vorigen Jahres, der Bäume mitsamt ihren Wurzeltellern vom Damm umstürzen ließ, „hätten nur zehn Zentimeter gefehlt und die Nieplitz wäre ins Wohngebiet ausgelaufen“, schilderte der WBV-Geschäftsführer.

In der Zwischenzeit habe der Verband den neben dem Damm verlaufenden „Fangegraben“ von Unrat befreit und für seine ursprüngliche Aufgabe ertüchtigt. Im Notfall könne er nun wieder einiges Wasser aufnehmen. „Doch wissen wir nicht, wie viel, wenn die Nieplitz noch viel Sediment ausspült“, sagte der Geschäftsführer.

Provisorisches Sperrbauwerk

Im Juni 2015 hatte der Verband zudem ein provisorisches Sperrbauwerk an den Ufern platziert. Innerhalb von circa einer halben Stunde könnten dort Bohlen eingelegt und des Nieplitzwasser auf Felder der Böllrich-Niederung abgeleitet werden. „Je ein Satz Sperrbohlen für den Notfall lagern bei uns sowie bei der Stadt Treuenbrietzen“, erklärte Kühne.

Seit zwölf Jahren erfolglos

Begonnen wurde die Debatte zur Umverlegung der Nieplitz im Jahr 2004.

Das Planfeststellungsverfahren wurde bis 2010 nicht abgeschlossen.

Ab 2103 gab es neue Klärungsversuche. Ein Absperrbauwerk wurde geplant. Doch fehlte dafür am Ende das zugesagte Fördergeld.

Nach Windbruch im April 2015 am Nieplitzdamm wurden der Wasser- und Bodenverband und die Stadt Treuenbrietzen eigenmächtig zur Gefahrenabwehr tätig.

Nach einem Ortstermin mit diversen Behördenvertretern vor gut einem Jahr wurden umgehende Schritte vom Land zugesagt. Der WBV bekam den Auftrag für das neue Verfahren, aber bisher kein zugesagtes Fördergeld, um es beginnen zu können.

Wichtig wäre der Beginn des auf mehrere Jahre angesetzte Planfeststellungsverfahrens aus seiner Sicht auch, um die Belange und Entschädigungen für die Forellenzuchtanlage zu klären, die heute an der alten Steinmühle arbeitet. Mit der geplanten Umverlegung des Flusses wäre der Betrieb von der unentbehrlichen Frischwasserzufuhr abgeschnitten. Ein geeignetes Ersatzgrundstück im weiteren Verlauf der Nieplitz werde gesucht. „Dazu gab es zwei Termine mit den Forellenzüchtern“, sagte Christoph Höhne. „Zwei Grundstücke der Stadt wurden reserviert, die Entscheidung liegt nun bei der Binnenfischerei“, so der Treuenbrietzener Bauamtsleiter.

Er ist aktuell zugleich Vorsteher der WBV-Verbandsversammlung. Aus seiner Sicht könnten Kosten und Zeit gespart werden, wenn für das neue Verfahren bereits erarbeitete Unterlagen aus dem 2004 begonnenen, letztlich aber stecken gebliebenen Planfeststellungsverfahren genutzt werden würden. „Es ist mehr als unverständlich, dass nach den Zusagen vor einem ganzen Jahr für eine unverzügliche Bearbeitung und umgehende Schaffung einer Lösung, immer noch scheinbar formelle Hinderungsgründe vorliegen, um das Verfahren zu beginnen“, schrieb Höhne kürzlich erbost an leitende Mitarbeiter im Umweltministerium. Dort sei die Gefahrensituation mindestens seit einem Ortstermin im April 2015 am Nieplitzdamm bekannt. Nun müsse endlich gehandelt werden.

Ministerium sagt, dass Unterlagen zu alt seien

Das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) verweist darauf, dass die alten Unterlagen des früheren Verfahrens teilweise zehn Jahre alt sind. „Wenn überhaupt, sind sie nur in geringem Umfang ohne Bearbeitung weiter verwendbar“, teilte Jean Henker auf Anfrage der MAZ mit. „Soweit möglich sollen vorhandenen Unterlagen selbstverständlich genutzt werden“, so der Referatsleiter Oberflächenwasser und Siedlungswasserwirtschaft im MLUL. Jedoch müsse die neue Trasse für die Nieplitz auf Basis der EU-Wasserrahmenrichtlinie ausgewiesen werden, damit „ein guter ökologischer Zustand des Gewässers erreicht wird“, so Henker.

Der neue Nieplitzverlauf sei nur als breiter Graben geplant gewesen. Doch seien „Flächeninanspruchnahme, Betroffenheit, Hydraulik, Eingriffsregelung, FFH-Richtlinie, Anbindung der Wege- und Grabenstruktur, Baumgutachten, Dammbewuchs und anderes mehr weitgehend neu zu erarbeiten“,teilte der Referatsleiter mit. Mit der Übergabe des neuen Verfahrens im Dezember an den WBV werde das Altverfahren beendet. „Für das neue wird eine entsprechende Finanzierungszusage ausgestellt“, erklärte Jean Henker. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens würden dann die Entschädigungsfragen zum Standort der Forellenzucht behandelt. Wann die Finanzierungszusage erfolgt, ließ der Referatsleiter jedoch offen.

Von Thomas Wachs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg