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Noch einmal mit dem Ikarus durch Bad Belzig

Mehr als 1000 Besucher beim Bustreffen Noch einmal mit dem Ikarus durch Bad Belzig

29 Ikarus-Busse kurven durch Bad Belzig: Manch ein Einwohner der Kreisstadt glaubte sich am vergangenen Wochenende in die DDR-Zeit zurückversetzt. Der Freundeskreis Ikarus hatte zum Deutschlandtreffen geladen, das erstmals im Land Brandenburg stattfand. Mehr als 1000 Besucher ließen sich die "Häkelhaken" nicht entgehen.

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In Bad Belzig wurden Fahrten mit den guten alten Ikarus-Bussen angeboten.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig. Zurückversetzt in frühere Zeiten glaubte sich am Wochenende manch Bad Belziger. Einen Tag lang dominierten die Reise- und Linienbusse der 1970er- und 1980er-Jahre das Straßenbild der Kreisstadt. Zum vierten Mal hatte der Freundeskreis Ikarus zum Deutschlandtreffen eingeladen. Zum ersten Mal fand es in Brandenburg statt. Die Verkehrsgesellschaft Bad Belzig (VGB) war Gastgeber. Sie feierte mit dem Treffen das 20-jährige Bestehen ihres Betriebshofes.

Teilnehmer-Rekord

Mit deutlich mehr als 1000 Besuchern bei Bustreffen wurden die Erwartungen der Organisatoren mehr als erfüllt. Auch die Anzahl der 29 angereisten Ikarusse wurde zum neuen Teilnehmer-Rekord. Angereist waren sie auch aus Ungarn, vor allem aber aus allen Himmelsrichtungen der ehemaligen DDR. Immerhin war diese vor der politischen Wende der größte Abnehmer des ungarischen Herstellers Ikarus. Auf ostdeutschen Straßen rollten die für ihre Zeit hochmodernen Linien- und Überlandbusse in größerer Zahl als im Herstellerland selbst.

Knallroter Ikarus des SED-Zentralkomitees

„Sogar einige Überraschungsfahrzeuge haben wir heute mit dabei“, freute sich der Chemnitzer Roy Glaser von den erst 2010 gegründeten Ikarus-Freunden. Denn nicht nur die Standard-, sondern auch Sonderausführungen der ab dem Ende der 70er-Jahre produzierten 200er-Reihe konnten die Besucher aus der Nähe und auch von innen bestaunen. Auch Raritäten wie der knallrote Ikarus aus dem Bestand des SED-Zentralkomitees, Spezialausführungen für Polizei und Militär und der Gästebus des DDR-Gewerkschaftsbosses waren darunter.

Mehr als eine Stunde benötigte Glaser allein für die Vorstellung aller Fahrzeuge. Baujahr, technische Details und Besonderheiten, aber auch die Einsatzgeschichte und Angaben zum jetzigen Besitzer gab es zu erfahren.

Ikarus 311 noch immer im Einsatz

Die älteste, am Wochenende präsentierte Baureihe war der Ikarus 311 – in den 60er-Jahren von Busfahrern wegen der recht hakeligen Schaltung meist nur als „Häkelhaken“ bezeichnet. Noch heute befindet sich der im originalen Taxi-Gelb lackierte Bus im Einsatz als Mietfahrzeug. Denn das Reisen wie in alten Zeiten kommt immer mehr in Mode. Das freut die Besitzer, die damit die enormen Unkosten für den Unterhalt ihrer großen Oldtimer etwas decken können. Auch die Busse der legendären 55er- und 66er-Baureihe erwiesen sich noch immer als echte Hingucker – und Hinhörer. „Rakete“ wurden sie früher im Volksmund genannt – wegen der damals als futuristisch geltenden Heckgestaltung. Zu überhören waren sie mit ihren 145 oder auch 190 PS starken Dieselmotoren auch im Fläming nicht.

Vergleichsweise modern wirkten dagegen die angereisten Typen der 80er-Jahre. Beim Betasten der teils schlicht, teils luxuriös gefertigten Polster leuchten die Augen vieler Besucher, die sich noch gut an die eigenen Fahrten zur Schule, zur Arbeit oder in den Urlaub im Ikarus erinnern konnten. „Busse aus vergangenen Zeiten sind immer gern gesehen und für viele quasi ein Stück ihres Lebens“, sagte Roy Glaser und freute sich mit den Gästen.

Ikarus-Schulbus für die Bürgermeisterin

Auch für Bürgermeisterin Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) bedeutet der Ikarus Erinnerung. „Ich bin mit so einem von Lüsse immer zur Schule nach Belzig gefahren, aber nur im Winter – im Sommer gab es keine Schulbusse.“ An die einzige Ausnahme erinnert sich das Stadtoberhaupt noch lebhaft. „Denn als Mitte April noch Schnee lag, streikten die Eltern so lange, bis doch ein Bus kam“, erzählt die Bürgermeisterin.

Stadtrundfahrten und Dörfertour "mit einem richtigen Bus"

Dass das Treffen so viele Besucher anziehen würde, hätte Hannelore Klabunde-Quast nicht gedacht. Höhepunkt des Ikarus-Treffens waren die zehnminütigen Stadtrundfahrten und die eineinhalbstündige Dörfertour am Ende des Tages. „Da merkt man noch, dass man mit einem richtigen Bus fährt, wegen der bequemen Sitze und wegen der hohen Lautstärke“, lautete danach das Urteil des Bad Belzigers Hans Rettig.

„Ich würde auch gerne selber mal wieder einen Ikarus fahren“, gestand Hans Berger aus Chemnitz. Wie viele Erdumrundungen er auf dem Fahrersitz eines Ikarus früher absolviert hat, kann er nicht genau sagen. „Aber es waren wohl etliche. Heute hab ich die alte Liebe wieder ein wenig aufgefrischt“, sagt der 75-Jährige und zieht stolz die alten Fotos von sich und seinem Ikarus aus der Tasche.

Von Uwe Klemens

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