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Nur eine Ziegelei von 30 arbeitet noch

Neue Ausstellung am Glindower Ringofen Nur eine Ziegelei von 30 arbeitet noch

Zum 700. Jahrestag von Werder und Glindow im nächsten Jahr zeigt der heimische Förderverein Ziegelei bereits jetzt eine Ausstellung über die einstigen Ziegeleien in der Region. In der Blütezeit um 19 00 prägten 30 Produktionsstätten das Antlitz der Orte. Nur ein Betrieb arbeitet heute noch und brennt Steine im denkmalgeschützten Ringofen.

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Nur eine Ziegelei von einst 30 um 1900 arbeitet heute noch in Glindow. Quelle: Greiner

Glindow . Wo heute in Glindow der Fußball rollt, stand um 19 00 zur Blütezeit der Steineproduktion eine von damals 30 Ziegeleien in der Region. Auch der Rewe-Supermarkt steht auf historischem Grund der Ziegelindustrie zwischen Petzow, Werder und Glindow. Nur ein Betrieb hat all die Höhen und Tiefen des Industriezweigs überlebt, produziert und brennt bis heute als Manufaktur Ziegel für Kunden im In- und Ausland. „Mit den Gästen in der Ausstellung des historischen Ziegeleiturms besuchen wir natürlich die Manufaktur, können den Arbeitern sogar einmal die Woche bei der Produktion über die Schulter schauen“, sagt Barbara Czycholl vom Förderverein Historische Ziegelei Glindow.

Zum 700. Jahrestag von Werder und Glindow 2017 eröffnet der Verein bereits in diesem Jahr am 1. März eine neue Ausstellung im Ziegeleiturm. „Wir wollen die Gäste auf das Jubiläum der Stadt einstimmen, an prägende Jahre erinnern, die bis heute das Antlitz der Region mitbestimmen“, sagt der Vereinsvorsitzende Helmut Nier. Und damit meint er nicht nur die denkmalgeschützten Hoffmannschen Ringöfen in der Manufaktur am Glindower See. Auch das Naturschutzgebiet Glindower Alpen als Abraumhalde der Tongewinnung ist ein Andenken an die Ziegelindustrie und lädt heute zum Wandern ein.

„Die wenigsten Gäste werden wissen, dass auf dem heutigen Sportplatz, am Rewe-Markt und auf dem Gelände des Ton- und Kirschen-Theaters Glindow einst Ziegel hergestellt wurden“, sagt Czycholl. Das Museum im 1890 erbauten Turm am Glindower See wird alljährlich von annähernd 3000 Gästen besucht. „Gern kommen auch Studenten, Bauexperten und Architekten in die Ausstellung. Die Kinder stürmen oft ganz nach oben und staunen, wie weit man von dort aus auf die Umgebung und die großen Ringöfen nebenan schauen kann“, sagt Czycholl.

Für den Erhalt des Turmes, seine Sanierung haben sich der Verein und die Stadt Werder immer wieder stark gemacht. „Erst im vergangenen Jahr musste die Stadt Renovierungen am Holzaufsatz und am Putz im Sockelbereich finanzieren“, sagt Nier. „Nun müssen die Fenster in der zweiten Etage renoviert werden.“ Und der Verein wünscht sich mehr Platz im Galeriegeschoss, doch für den Ausbau fehlt gegenwärtig das Geld. Auch einen Start der einstigen Grubenbahn auf 600 Millimeter Spurbreite kann Nier nicht ankündigen. Noch gebe es kein grünes Licht, aber der Verein will die Hoffnung nicht aufgeben.

Wer durch das Museum schlendert, entdeckt uralte Fotos von Familien und Arbeitern die von der Ziegelproduktion lebten. „Berlin aus dem Kahn gebaut“ steht unübersehbar an der Wand. 550 000 Schiffsladungen mit 23 Billionen Steinen sollen aus der Region für den Aufbau in Berlin entladen worden sein. In den 60iger Jahren wurde in Ziegeleien Kohle gepresst, zuvor fertigte 1959 der VEB Tonwaren Glindow Blumentöpfe.

Heute werden im Hoffmannschen Ringofen der Manufaktur am Glindower See wieder Ziegel für Denkmale und Gebäude gebrannt. So schmücken die Glindower Grundschule die typischen Glindower Ziegel aber auch die Stadtmauer in Kyritz, das Justizzentrum Potsdam und das Schloss Rosenborg in Kopenhagen.

Beim alljährlichen Kirsch- und Ziegelfest als Höhepunkt im Dorfleben dreht sich alles um die Steine und das Obst. Und das wird in diesem Jahr ganz gewiss nicht anders sein. Dabei erwarten die Glindower nicht nur die Einheimischen sondern auch viele Gäste aus Nah und Fern. „Nicht zu vergessen die vielen Radfahrer, die die gut ausgebauten Radwege und den Obstpanoramaweg besonders schätzen“, sagt Barbara Czycholl.

Mönche auf der Suche

1462 haben Mönche des Klosters zu Lehnin erste Spatenstiche auf der Suche nach Ziegelerde in Glindow gesetzt.

Um 1750 werden viele Ziegeleien in Preußen vom König Friedrich II verkauft.

1906 begann das Sterben der Ziegeleien in Glindow.

1945 im Zweiten Weltkrieg ruht die Produktion.

Nach Rekonstruktion nimmt 1948 der VEB Ziegelwerke Glindow seine Arbeit auf.

Tontöpfe werden 1959 hergestellt.

Von einst 50 Ringöfen um 1870 arbeitet heute nur noch einer in Glindow.

 

Von Regine Greiner

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