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Nuthetal Kampf ums stille Örtchen
Lokales Potsdam-Mittelmark Nuthetal Kampf ums stille Örtchen
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20:47 17.05.2018
Hier gingen Generationen von Kindern einst auf die Toilette: Sabine Gebauer und Angela Schneider vom Dorfverein vor dem denkmalgeschützten Klosett. Quelle: Jens Steglich
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Tremsdorf

In der mittelmärkischen Gegend dürfte es nicht viele Klosetts geben, die unter Denkmalschutz stehen. Vielleicht hat das kleine Tremsdorf ja das einzige stille Örtchen im ganzen Landkreis, das den Beistand der Denkmalschützer genießt. Das Plumpsklo aus alten Zeiten gehört zum historischen Ensemble aus Alter Schule und Stallgebäude, sackt aber langsam in sich zusammen und ist inzwischen – von Sicherheitszäunen umringt – vom Einsturz bedroht.

Aktivisten aus dem Feuerwehr- und Dorfverein ringen darum, das frühere Schulklo zu retten und ihm eine neue Zukunft zu geben. Das marode Toilettenhäuschen wollen sie in einen schönen Ort verwandeln. Eine Sitzhütte für Kinder soll daraus entstehen und ein Rastplatz für Ausflügler, die durch Tremsdorf radeln oder wandern und im stillen Örtchen eine ruhige Minute zum Ausruhen finden sollen. Wenn es nach Vereinsmitglied Angela Schneider ginge, dann könnten Wanderer und Radfahrer auch mal länger bleiben und eine Nacht in der Sitzhütte verbringen. Liegebänke gäbe es für zwei Leute, wenn denn der Plan Realität wird. So richtig ernst genommen werden die Vereinsmitstreiter mit ihrer originellen Idee an den entscheidenden Stellen noch nicht. Anträge auf Förder- und Gemeindezuschüsse fürs Projekt stellten sie bislang vergeblich.

130 Millionen Reichsmark kostete der Bau des Plumpsklos

Dabei werden nur 5000 Euro für ein Ständerbauwerk gebraucht, das nötig ist, um die Fachwerk-Toilette rekonstruieren zu können. Sie ist inzwischen so marode, dass sie abgerissen und in ihrer Außengestalt nach historischem Vorbild wiederaufgebaut werden muss. Die 5000 Euro dafür erscheinen allerdings wie ein Schnäppchen, wenn man sich die Summe anschaut, die das alte Schulklo einst gekostet hat. 130 Millionen Reichsmark mussten für den Bau des Plumpsklos hingelegt werden. Die Tremsdorfer leisteten sich die Toilette mit Rinne und drei Aborten freilich in Inflationszeiten. Trotzdem: Sie mussten Opfer bringen. 55,8 Millionen Reichsmarkt hatten sie beizusteuern.

Die Summe hat Angela Schneider aus Protokollnotizen aus der Tremsdorfer Gemeindevertretung, die sich anfangs schwer tat, den Beschluss zum Bau des Schulklos zu fassen, es 1923 aber doch tat. Dass die Toilette vorher zwei Jahre Thema in Sitzungen war, ist kein Wunder. Es ging schließlich auch um eigenes Geld: Die besser situierten Bauern im Dorf zahlten fünf Millionen fürs Schulklo, Kossäten eine Million Mark. Damals gab es aber Fördermittel vom Landkreis, weiß Schneider. Der Kreis übernahm 70 Prozent der Kosten.

Bild aus alten Tagen: Lehrer Henschke (r.) mit Familie. Dahinter ist die Toilette mit Stall zu sehen. Lehrer hielten früher auf dem Dorf auch Vieh, weil der Lehrerlohn nicht ausreichte. Henschke unterrichtete von 1907 bis 1945 in Tremsdorf. . Quelle: Privat

Als es die Schultoilette noch nicht gab, ging der Lehrer auf den Misthaufen, um sein Geschäft zu erledigen, erzählt sie. Die Schulkinder mussten in der näheren Umgebung zusehen, wo sie sich in die Büsche schlagen konnten. Da war das Plumpsklo technischer Fortschritt. Von 1923 bis zur Schließung der Schule im Jahr 1970 leistete es seine Dienste. Danach zogen Kita und Gemeindezentrum in die Alte Schule ein, ein WC gleich mit. Das Plumpsklo, das in der Zeit der Weimarer Republik auch auf gesetzlichen Druck hin gebaut wurde, um den Misthaufen und die Büsche zu entlasten, hatte ausgedient und stand fortan ungenutzt in der Gegend herum.

Tremsdorfs stilles Örtchen sieht innen wie außen nicht mehr fein aus. Das 3,50 mal 3.10 Meter große Häuslein entstand in den 1920er Jahren. Quelle: Jens Steglich

Das soll sich ändern. Das Häuslein als kleinster Teil des geschützten Schulensembles soll in Zukunft vor allem von Kindern in Beschlag genommen werden. Vom Tremsdorfer Nachwuchs stammt auch die Idee, aus der Toilette eine Sitzhütte zu machen, in der sie gleich neben dem Spielplatz abgeschirmt von den Blicken der Erwachsenen ungestört Platz nehmen und schwatzen können. Bei einer Ideenwerkstatt zur Spielplatzgestaltung hatten sie die Vision von einem eigenen VIP-Haus mit Sitzbänken in die Welt gesetzt. Die Denkmalschützer haben die Kämpfer für die Realisierung dieser Idee auf ihrer Seite. Schon 2015 bekamen sie eine denkmalrechtliche Erlaubnis, das Klo nach historischem Vorbild in eine Sitz- und Rasthütte zu verwandeln. Ein bisschen sitzt die Zeit schon im Nacken. 2019 läuft die Erlaubnis aus.

Zwei Eckbänke und eine Kammer für Spielgeräte

Für die Verwandlung der Toilette an der Alten Schule in Tremsdorf in eine Sitz- und Rasthütte gibt es sogar schon Entwürfe von der Architektin Sonja Lieberwirth.

Diese waren notwendig, um eine denkmalrechtliche Erlaubnis für das Vorhaben zu bekommen. Vorgesehen ist, das Fachwerkhäuslein äußerlich nach altem Vorbild wiederherzustellen.

In der Sitz- und Rasthütte sollen zwei Eckbänke und eine Kammer für Spielgeräte untergebracht werden.

In der Kammer sollen die Schachfiguren vom Außenschachfeld, Volleyballnetze, Bälle und Hula-Hoop-Reifen Platz finden.

Das denkmalgeschützte Toilettenhäuschen befindet sich direkt am Tremsdorfer Spielplatz und wird derzeit mit Zäunen gesichert.

Wenn der Plan von einer Sitz- und Rasthütte umgesetzt wird, soll die Station auch als Wanderrastplatz in die Wanderkarte des Naturparks Nuthe-Nieplitz aufgenommen werden.

Von Jens Steglich

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