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Nuthetal Nuthetals erste Pferdeäpfel-Station
Lokales Potsdam-Mittelmark Nuthetal Nuthetals erste Pferdeäpfel-Station
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19:43 18.07.2018
An der Pferdeäpfel-Station: Sophia Metzker mit Stute Liane, Katja Kropp mit Pony Fritz und Nuthetals Bürgermeisterin Ute Hustig (v.l.). Quelle: Jens Steglich
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Nuthetal

Die Nuthetaler sind ziemlich erfinderisch, wenn es darum geht, in Reitergegenden ein Ärgernis aus der Welt zu schaffen – Pferdeäpfel. In Sachen Pferdemist ist die Gemeinde, die 2017 auf freiwilliger Basis Nummernschilder für Rösser einführte, um Sünder besser ermitteln zu können, das, was man einen Vorreiter nennt: Sie hat jetzt sogar die erste Pferdeäpfel-Station in der Region. „Es kann so einfach sein“, zitiert Katja Kropp den Slogan der neuen Brandenburger Image-Kampagne. Die Bergholz-Rehbrückerin hatte die Idee, eine solche Station in der Schlüterstraße einzurichten, in der die Hinterlassenschaften auf den Fahrwegen wiederholt zu Spannungen zwischen Reitern und Anwohnern führten.

Das Prinzip ist in der Tat einfach: An der Station an ihrem Grundstück in der Schlüterstraße 36 steht alles bereit, was ein Reiter braucht, um die Äpfel seines Pferdes von der Straße zu holen. Er kann sein Pferd dort abstellen und findet griffbereit einen Kratzer mit Schaufel, auch Mistboy genannt, und einen Behälter, in den die Kacke hineingetan wird. Und das Beste daran:  Diese Pferdeäpfel werden danach für nützliche Dinge verwendet. „Ich nehme sie als Dünger für den Garten“, erzählt Katja Kropp, die in Zeiten der Wutbürger dem Mecker-Prinzip einfach mal die eigene gute Tat entgegensetzen wollte. Ihre Pferdeäpfel-Station darf jeder kostenfrei nutzen, auch den Mist im Behälter, den man woanders als Dünger bezahlen müsste.

Das Echo ist bisher durchweg positiv

Es gab schon Nachfragen einiger, die auch etwas von der Kacke für ihren Garten abhaben wollten. „Und einige haben ihr Interesse bekundet, selbst eine solche Station einzurichten“, sagt sie. Das Echo sei bisher durchweg positiv. „Reiter, die vorbeikommen, zeigen mit dem Daumen nach oben.“ Es habe auch sonst noch keiner zu ihr gesagt: „Was soll der Scheiß?“ Im Gegenteil: Als sie von ihrer Idee berichtete, bekam sie sofort Unterstützung – von der Gemeinde, der der Randstreifen gehört, auf dem die Station eingerichtet wurde, und von der „Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland“ (VFD). Als sie es dort erzählte, hieß es sofort: „Die Kosten übernehmen wir!“

So zahlte der VFD-Verein, eine Interessenvertretung für Freizeitreiter in Deutschland, Kratzer, Mistboy und Behälter genauso wie das Schild, das anzeigt: Hier ist eine Pferdeäpfel-Station. Gestaltet wurde die Station von ihrem Mann und das Schild nach den Vorschlägen der Ideengeberin, die neben den Logos der Gemeinde Nuthetal und des VFD auch einen Satz platzierte, der an Reiter gerichtet ist, die das Angebot nutzen: „Die Anwohner danken.“ In den ersten drei Wochen nach Öffnung sind bislang zwei Eimer voll Pferdemist zusammengekommen, sagt die Stationsbetreiberin. Ihre Station liegt strategisch günstig auf dem Weg von einem großen Reiterhof in Richtung Wald.

Weitere Stationen könnten durch VFD und Gemeinde finanziert werden

„Es wäre super, wenn solche Stationen Schule machen“, sagt sie. Über die Finanzierung weiterer Stationen in Pferdeäpfel-Schwerpunktgebieten könne man reden, sagt Nuthetals Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke). „Eine Möglichkeit wäre, dass im Verbund von VFD und Gemeinde Stationen finanziert werden“, so Hustig. Katja Kropp hat an ihrer Station an alles gedacht. Weil Reiter nach dem Abstieg so ihre Probleme hatten, wieder aufs Pferd zu kommen, gibt es dort jetzt auch eine Aufstiegshilfe aus Holz.

Zahl der Beschwerden zurückgegangen

Nuthetal führte 2017 eine freiwillige Kennzeichnung von Pferden ein. Die Nummernschilder sollen helfen, Ross und Reiter, die sich daneben benehmen, auf die Spur zu kommen.

Grund waren häufige Beschwerden von Anwohnern über Pferdeäpfel und zerrittene Wege.

Im Juni 2018 starteten SPD und CDU mit einem Reiterhof eine Aktion, bei der Reiter mit Schippe und Besen ausgestattet werden sollen.

Stationsbetreiberin Katja Kropp hält das Mitführen von Schaufel und Besen für zu gefährlich. Das Unfallrisiko sei zu hoch.

Die Debatte über die Problematik hat in Nuthetal die Reiter offenbar sensibilisiert. Die Zahl der Beschwerden sei deutlich zurückgegangen, sagt Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke).

Von Jens Steglich

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