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Nuthetal Nuthetaler wählten ihre Favoriten
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21:08 30.09.2018
Die „Nuthe-Taler“ aus den Abstimmungsröhren wurden nach 19 Uhr ausgezählt. Jeder Nuthetaler ab 14 Jahre konnte mitentscheiden. Quelle: Martin Siegert
Nuthetal

Kurz nach der Auszählung gegen 19.20 Uhr bricht in der Saarmunder Sporthalle gleich mehrfach Jubel aus. Am lautesten ist die Freude bei der Verkündung von Platz 1. Kein Wunder: Sportreporter würden von einem Heimsieg sprechen. Die SG Saarmund hat am Samstagabend mit dem Vorschlag, am Kunstrasenplatz der Sportgemeinschaft einen „multifunktionellen Unterstellplatz“ mit Sitzmöbeln und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Sporttaschen zu schaffen, die Volksabstimmung über den ersten Bürgerhaushalt der Gemeinde Nuthetal gewonnen. Das Projekt für etwa 10 000 Euro bekam 521 Stimmen und lag damit vor der Idee, 3500 Euro aus dem Bürgerhaushalt zu geben, um ein kleines Einsatzfahrzeug der Marke Eigenbau für die Jugendfeuerwehr anzuschaffen. Dieses Projekt, das der Ausbildung des Feuerwehrnachwuchses dienen soll, erhielt 455 Stimmen beziehungsweise Taler.

Bei der Abstimmung in der Saarmunder Turnhalle: Doris (r.) und Julia Augustat. Quelle: Jens Steglich

Ja, in Nuthetal wurden Taler für die insgesamt 25 Vorschläge aus der Einwohnerschaft vergeben. 2000 Stück hatten sie für das erste Bürgervotum gekauft und sie passend zum Gemeindenamen „Nuthe-Taler“ genannt. Doch der Andrang bei der Premiere dieser Abstimmung mit Volksfest-Charakter war größer als erwartet. 2000 Taler reichten nicht aus, und so mussten zwei Zwischenauszählungen vorgenommen werden, um auch den nachdrängenden Wählern jeweils fünf „Nuthe-Taler“ pro Mann und Frau in die Hand drücken zu können. Nach der Abstimmung steht fest, dass insgesamt sieben Vorschläge mit Geld aus dem Bürgerhaushalt, der ein Budget von 50 000 Euro aufweist, nun umgesetzt werden können.

Blick in eine der 25 Abstimmungsröhren, die gut mit „Nuthe-Talern“ gefüllt ist. Für jeden zugelassenen Bürgervorschlag stand eine Röhre zum Einwerfen der Taler bereit. Quelle: Jens Steglich

8500 Euro gibt es fürs Tremsdorfer Vorhaben, Sand für den Volleyballplatz anzuschaffen, auf dem regelmäßig freitags und sonntags trainiert wird und jährlich das traditionelle „Spaß-Volleyball-Turnier“ über die Bühne geht. Der derzeit harte Untergrund soll durch Beach-Sand ersetzt werden – um die Gelenke zu schonen und die Verletzungsgefahr zu senken. Der Tremsdorfer Vorschlag landete mit 339 Stimmen auf Platz drei, was besonders bemerkenswert ist. Wohnen doch im kleinen Ortsteil deutlich weniger Menschen als in Bergholz-Rehbrücke oder Saarmund. Nur etwa 250 Einwohner zählt Tremsdorf, und nicht alle sind 14 Jahre und älter, um an der Abstimmung teilnehmen zu können. „Wir haben unsere Kräfte gebündelt, das mussten wir auch tun“, sagte Angela Schneider, die mit Mitstreitern vor dem Abstimmungslokal noch Werbung für Tremsdorfs Favoriten machte. Der Slogan lautete: „Fünf auf die Fünf.“ Sollte heißen: Bitte alle Taler dem Vorschlag Nummer fünf geben – schließlich stand für das Votum zur Anschaffung des Beachvolleyball-Sandes in der Saarmunder Turnhalle die Röhre fünf bereit.

Spannung nach der Auszählung, als am Laptop die Projekte mit den meisten Stimmen ermittelt werden. Quelle: Martin Siegert

Einige Taler für den Sandplatz wurden noch kurz vor Schließung des Abstimmungslokals, das 19 Uhr dicht machte, in Röhre fünf eingeworfen, als Familie Block nach langer Autofahrt in Saarmund eintraf. Die Blocks aus Tremsdorf waren Samstagmorgen noch im Urlaub in den Alpen. „Wir sind extra eher in Tirol losgefahren, um noch abstimmen zu können“, erzählte Thomas Block. Die dreiköpfige Familie setzte alles auf die Fünf und bescherte dem Tremsdorfer Vorhaben so noch einmal 15  Stimmen.

Zu den Projekten, die realisiert werden, zählt auch Vorschlag Nummer 16, der 250 Taler erhalten hat und damit auf Platz vier landete. Er sieht vor, einen überdachten Platz mit Bänken, Papierkorb und einer legalen Graffiti-Wand für Jugendliche in Bergholz-Rehbrücke zu schaffen. Die Alternative zu Bushaltestellen als Treffpunkte soll mit 10 000 Euro aus dem Bürgerhaushalt finanziert werden.

Das Votum über den ersten Bürgerhaushalt in der Geschichte der Gemeinde Nuthetal war auch mit einer Feier zum 15-jährigen Bestehen der Kommune verbunden. Im Bild sind die singenden Bauarbeiter aus Bergholz-Rehbrücke bei ihrem Auftritt zu sehen. Quelle: Martin Siegert

Für die Erhaltung der Wanderwege vergaben die Nuthetaler 162 „Nuthe-Taler“, 7500 Euro sollen dafür aus dem Bürgeretat bereitgestellt werden. Etwa 10 000 Euro gibt es für die Neugestaltung eines Vorgartens an der Akademie 2. Lebenshälfte und der Gemeindebibliothek in Bergholz-Rehbrücke. 130 Taler warfen die insgesamt 608 Bürger, die an der Abstimmung teilnahmen, in die Röhre Nummer 19 und stimmten damit für diese Ruhe- und Grünzone mit Hecken und Sitzmöbeln, die auf dem verbrannten Rasen vor der Akademie entstehen wird.

Unverhofft Geld gibt es für Bürgervorschlag Nummer 4, Textbücher für gemeinsames Singen in der Gemeinde anzuschaffen. Das sangesfreudige Nuthetal hat einige Chöre und Singegruppen und jährliche Veranstaltungen, bei denen auch das Publikum gern mitsingt. Weil die etwa 40 Singebücher, die angeschafft werden sollen, nur 200 Euro kosten und ungefähr diese Summe nach Addition der Kosten für die Plätze eins bis sechs noch übrig war, rutschte der Vorschlag noch mit auf die Liste der Vorhaben, die realisiert werden.

Gruppenbild mit den Gewinnern, die auch eine Urkunde bekamen. Vor allem aber gibt es Geld aus dem Bürgerhaushalt für ihre Projekte. Quelle: Martin Siegert

Die Abstimmung über den ersten Bürgerhaushalt in der Geschichte der Gemeinde Nuthetal war auch mit einer kleinen Feier zum 15-jährigen Bestehen der Kommune verbunden. „Ich finde es gut, dass die Leute direkt einbezogen werden. Gerade in Zeiten, in denen beklagt wird, es würde über ihre Köpfe hinweg entschieden“, sagte der Rehbrücker Hans-Joachim Rook. Er fand auch gut, dass die Abstimmung in Saarmund stattfand, dem geografischen Mittelpunkt der Gemeinde Nuthetal. Julia Augustat hätte freilich nichts dagegen, wenn künftig auch online abgestimmt werden kann, weil nicht jeder am Samstag von 15 bis 19 Uhr Zeit hat.

Neugestaltung des Markes in Rehbrücke nicht zugelassen

Die Nuthetaler SPD kritisiert, dass der Vorschlag, den Rehbrücker Markt neu zu gestalten, nicht zugelassen wurde. „Mit ein wenig gutem Willen ließe sich der Vorschlag umsetzen. Er hätte zugelassen werden müssen“, so SPD-Ortschef Bernd Schade.

Für die Markt-Neugestaltung müsste ein Planer beauftragt werden, auch, weil sich unterm Platz eine Tiefgarage befindet, sagte Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke). „Die Kosten würden die 10 000-Euro-Grenze übersteigen.“ Sie plädiert dafür, die Idee zunächst im Ortsentwicklungsausschuss zu diskutieren.

Von Jens Steglich

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