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Potsdam-Mittelmark Obstanbau braucht Mut und starken Willen
Lokales Potsdam-Mittelmark Obstanbau braucht Mut und starken Willen
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22:35 11.09.2016
Stefan Lindicke mit Baumblütenkönigin Cindy Linke. Quelle: Stähle
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Werder

Der Obstbau liegt ihm im Blut. Als Stefan Lindicke 21 Jahre alt war, gründete er den gleichnamigen Obsthof in Werder und begann damals, 1995, mit etwa sieben Hektar Fläche. Dabei hatte der Gärtnermeister eigentlich nie den Plan, im Obstanbau tätig zu werden. Dennoch bewies er Mut und starken Willen und entschied sich für den Obsthof. „Die Arbeit an der frischen Luft hat mich gereizt.“

Sein Vater, Manfred Lindicke, baut seit etlichen Jahren Wein auf dem Werderaner Wachtelberg an und ist zudem als Berater im Obstanbau tätig. So konnte er seinem Sohn in vielen Fragen zur Seite stehen. Eine Betriebsneugründung in dieser Branche mit Direktvermarktung an den Kunden war Mitte der 90er-Jahre etwas Besonderes, erzählt Stefan Lindicke. Mittlerweile baut der 42-Jährige Beeren-, Stein- und Kernobst auf 23 Hektar an. Den Großteil der Fläche hat er gepachtet. Momentan rollen kistenweise Äpfel zum Mosten auf den Obsthof.

Bereits am ersten Tag war der Andrang groß. Seit 10. September dürfen die Obstliebhaber dann traditionell an den Wochenenden zur Selbstpflücke auf die Apfel- und Birnenplantagen. Mit welchem Obst Lindicke am meisten verdient, kann er pauschal nicht sagen. „Die Sommerfrüchte Erdbeeren und Kirschen sind anfälliger, aber gehen gut weg. Äpfel kann ich hingegen länger vermarkten, und sie sind auch nicht so risikobehaftet“, sagt Lindicke, der Geschäftsführer des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins ist. Als er den Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Bettina gründete, produzierte und lagerte Lindicke das Obst auf seinem Hof und verkaufte es dann auf Märkten in Potsdam, Berlin und Werder. Schnell merkte die Familie aber, dass die Kunden ihre Äpfel, Kirschen und Pflaumen gern auch direkt auf dem Hof kaufen und eröffneten im Jahr 2000 den Hofladen.

Obwohl Lindicke seinen Beruf gern ausübt, sorgt er sich – wegen niedriger Erlöse, wegen des Mindestlohns oder neuer Pflanzenschutzrichtlinien, die eingehalten werden müssen. „Vieles ist im Umbruch. Wir wissen teilweise nicht, wie es im nächsten Jahr um uns stehen wird“, so der Inhaber. Von Saison zu Saison zu arbeiten sei hart, weil man sich keine Rücklagen schaffen oder an die Vorsorge denken kann. „Wir hoffen, dass es den Betrieb in zehn Jahren noch gibt und wir von den Einnahmen gut leben können.“ Über einen möglichen Nachfolger denkt der Unternehmer noch nicht nach. Seinen drei – noch schulpflichtigen – Kindern empfiehlt er eine Übernahme nicht unbedingt. Könnte er heute noch mal von vorne anfangen, würde er einiges anders machen, sagt er. Den Beruf würde er ergreifen, aber er würde lieber in einem anderen Betrieb mitarbeiten, als einen eigenen aufzubauen. „Wenn die Zeit gekommen ist, muss man auch bereit sein, sich zu trennen.“

Von Luise Fröhlich

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