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Ofenbauer mit Leib und Seele

Kleinmachnow Ofenbauer mit Leib und Seele

Hans-Joachim Klose (81) aus Kleinmachnow hat vor 60 Jahren seinen Meisterbrief im Ofenbauerhandwerk erhalten. Seit 1961 führt er seinen eigenen Betrieb in Kleinmachnow und hat Höhen und Tiefen erlebt. Zu DDR-Zeiten waren Kachelöfen gefragt, heutzutage gibt es Probleme mit dem Nachwuchs. Am Montag wird Klose mit dem Diamantenen Meisterbrief ausgezeichnet.

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Seit 60 Jahren trägt Hans-Joachim Klose den Meistertitel im Ofenbauerhandwerk.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Kleinmachnow. Im kleinen Geschäft von Hans-Joachim Klose ist es mollig warm. Ein leichter Geruch von Holzrauch liegt in der Luft. Sechs verschiedene Öfen schmücken den Laden des Ofenbauers Klose in Kleinmachnow. An der Wand hängt der Meisterbrief in schnörkeliger Schrift von früher. Früher, das war 1956. Am Montag ist es genau 60 Jahre her, dass der 81-jährige Klose seine Meisterprüfung erfolgreich abschloss. Für seine Leistung und sein Durchhaltevermögen wird er von der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft mit dem Diamantenen Meisterbrief ausgezeichnet.

Hans-Joachim Klose präsentiert in seinem Laden einen Ofen mit beheizter Sitzbank

Hans-Joachim Klose präsentiert in seinem Laden einen Ofen mit beheizter Sitzbank.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Klose hat in seinem Leben alle Auszeichnungen bekommen, die man im Handwerk kriegen kann, erzählt er. „Einzig der Goldene Meisterbrief fehlt, aber der Diamantene ist ja noch besser“, sagt der Kleinmachnower. 1961 gründete er sein Ofenbaugeschäft und war vorher als Meister in einem Volkseigenen Betrieb (VEB) in Berlin tätig. Der Beruf des Ofensetzers liegt in seiner Familie, die ursprünglich aus Schlesien stammt. Neben dem Meisterbrief an der Wand hängt ein vergilbtes Foto von Kloses Elternhaus in Neumittelwalde (heutiges Polen). In diesem Haus, das gleichzeitig der Ofenbaubetrieb des Vaters und des Großvaters war, wohnte die achtköpfige Familie bis 1945. Dann kam der Krieg und die Mutter flüchtete mit den Kindern nach Deutschland. Während der Flucht wurde die Familie getrennt und Klose landete allein mit einem seiner Bruder in Teltow. Die Mutter kam später dazu, aber der Vater blieb nach Kriegsende 1945 verschollen. „Das war eine schlimme Zeit, aber ich bin dadurch früh selbstständig geworden“, so Klose.

„Ofen war fast ein Schimpfwort“

Er besuchte die Schule in Teltow und lernte das Kachelofen- und Luftheizungsbauerhandwerk ab 1950 bei einem Ofenbauer in Stahnsdorf. Bis 1961 absolvierte er ein Selbststudium im Tiefbau. „Eine Zeit lang wollte ich aus dem Ofenbau raus, doch es hat nie geklappt“, erinnert er sich. Nach dem Bau der Mauer 1961 produzierte Klose mit bis zu zehn Mitarbeitern in seinem Betrieb wie am Fließband Kachelöfen. „Die wurden dann per Kran in die Neubauten transportiert. Das Bild werde ich nie vergessen“, erzählt Klose. „Zu DDR-Zeiten war der Ofen die Hauptheizung.“

Klose war viele Jahre Innungsobermeister der Innung für Kachelofen- und Kaminbauerhandwerk des Landes Brandenburg und hatte maßgeblichen Anteil an der Gründung dieser Innung nach der Wende. Zudem vertrat er das Land in der Bundesfachgruppe und handelte neue Konditionen für die Lehr- und Meisterausbildungen nach 1990 aus.

Dieses Schild weist auf das traditionsreiche Ofenbaugeschäft hin

Dieses Schild weist auf das traditionsreiche Ofenbaugeschäft hin.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Mit der Zeit ließ die Nachfrage nach Öfen nach. „Ofen war fast ein Schimpfwort und bedeutete viel Geld und Asche auf der Straße“, berichtet Klose. Sein Betrieb wurde kleiner und wird derzeit noch von drei Meistern geführt, darunter er selbst, seine Tochter und ein Mitarbeiter, der im Alter von 14 Jahren bei ihm lernte und übernächstes Jahr bei ihm in Rente geht. Noch ist Klose jeden Tag von 8 bis 16 Uhr in seinem Laden. Wenn das nicht mehr geht, wird seine 58 Jahre alte Tochter Marina den Betrieb übernehmen. Sie erhielt ihren Meisterbrief 1982 und ist Diplomingenieurin für Heizungs- und Lüftungssanitär. „Der Trend geht wieder zurück zum Ofen“, sagt sie.

Ofenbauer haben Nachwuchssorgen

Noch immer bildet der Betrieb aus, doch es fehlt an Nachwuchs. „Ich wollte immer Ofensetzer werden. Ich mag es, wenn man etwas baut und am Ende ein fertiges und einmaliges Stück hat. Wenn es dann auch noch funktioniert, ist es umso besser“, sagt Klose. Der Meisterbrief wird nicht das einzige Diamantene in seiner Sammlung bleiben, denn 2017 steht im Hause Klose die Diamantene Hochzeit an.

Eingebaute Gemütlichkeit

Die Vorläufer der Kachelöfen waren der Überlieferung zufolge eingebaute Backöfen oder überwölbte Herdfeuerungen, die speziell in kalten Gegenden vorkamen.

Die ältesten keramischen Objekte aus dem achten oder neunten Jahrhundert, die als Ofenkacheln bezeichnet wurden, sind im Elsass, in Baden-Württemberg und in der Nordwestschweiz gefunden worden. Vermutlich stammen sie von Öfen, die als sogenannte Vorderlader in einer Zimmerecke standen.

Erst später , vermutlich im Verlauf des elften Jahrhunderts, entwickelte sich daraus der Hinterlader-Kachelofen, der von der Rückseite, also von der Küche aus eingeheizt wurde.

Mit der Entwicklung der reliefverzierten Ofenkacheln kamen dem Kachelofen spätestens ab dem 14. Jahrhundert auch repräsentative Funktionen zu. Anfänglich waren Öfen mit Kacheln eher den Klöstern, dem Adel und Patriziern vorbehalten. Öfen werden heutzutage immer häufiger als Designerstücke angesehen, weil sie individuell gestaltet werden können.

Solche Öfen können bis zu 15 000 Euro kosten, sagt Hans-Joachim Klose. Er selbst bietet in seinem Betrieb Kachelöfen, Kamine, Kaminöfen, Pellets, offene Kamine, Gartenkamine, Wandheizungen, Herde sowie Öfen und Kamine mit Wassertechnik an. Auch Montage, Service oder Kaminsanierung gehören zum Angebot.

Von Luise Fröhlich

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