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Ohne Jagdschein sind Fischer machtlos

Verordnung zum Umgang mit Kormoranen geht Betroffenen nicht weit genug Ohne Jagdschein sind Fischer machtlos

Fischer Tobias Mai in Werder will sich gar nicht ausmalen, wie viele Fische die Kormorane in den nächsten Wochen aus der Havel fressen, die eigentlich in seinen Netzen landen sollten. Er fängt nur noch zehn Prozent der Menge von vor 20 Jahren. Jagen darf er den Fisch-Vielfraß nicht. Aber nur das würde seine Fangmenge wieder steigen lassen.

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Kormorane fressen Brandenburger Fischern die Beute weg.

Quelle: Peter Geisler

Werder/Seddin. "Ich fange heute nur noch zehn Prozent der Fischmenge die vor 20 Jahren für uns üblich waren", sagt Mai Junior, der mit seinem Vater Wilhelm das traditionelle Gewerbe in Werder seit vielen Jahren prägt. An den geringen Fangmengen wären auch die Kormorane mit Schuld, denn jeder Vogel frisst bis zu 500 Gramm Fisch am Tag, am liebsten Aal, der mehr Energie gibt - für die nächste Fischjagd. Mai geht die verlängerte, neue Brandenburger Kormoranverordnung nicht weit genug. "Zwar kann man den Kormoran schießen, aber ohne Jagdschein nutzt mir diese Zulassung nichts", sagt Mai. Zwar dürfen Berufsfischer und Teichwirte jetzt neue Brutkolonien und Schlafplätze verhindern, aber dies ist für Mai und viele seiner Berufskollegen leichter gesagt als getan. "Zu DDR-Zeiten wurde die Brut mit lärmenden Schüssen gestört, so dass die Vögel ihren Brutplatz für kurze Zeit verließen. Das hat Wirkung gezeigt und ließ den Nachwuchs zahlenmäßig deutlich schrumpfen."

Im Trebelsee bei Ketzin hat sich laut Mai eine neue Brutkolonie eingenistet. Auf dem Glindower See treiben im Winter bis zu 500 Tiere ihr Unwesen. "Wenn die festgestellten 10.000 Brutpaare in Skandinavien im Winter nichts mehr zum Fressen finden, kommen sie zu uns und fressen sich auch auf der Wublitz und dem Zernsee durch", sagt Mai. "Kein Wunder, dass wir immer weniger Aal und Zander rausfischen." Für Mai ist das natürliche Gleichgewicht in und an der Havel sichtbar gestört. "Es gibt inzwischen auch viel zu viele Krähen und Elstern, Lietzen dagegen sieht man immer weniger, das macht mir Sorgen."

Wolfgang Berner, der mit seinem Sohn Nick einen Fischereibetrieb am Zernsee in Werder betreibt, begrüßt zwar, dass die Kormoran-Verordnung verlängert wurde, aber der Trebelsee mit der neuen Kolonie der Fischräuber sei nur fünf Kilometer Luftlinie entfernt. "Auch ich habe keinen Jagdschein, müsste die Hilfe von Jägern in Anspruch nehmen, die bestimmt auch ihren Preis hat", sagt Berner. Für Fischer Berner war das Jahr bisher nicht besonders ergiebig. Auch er beklagt rückläufige Fangergebnisse und Bestände im Revier zwischen Brandenburg und Potsdam. Dies mache sich insbesondere bei Aal und Zander bemerkbar. "Hinzu kommt, dass in dieser Saison Seen besonders verkrautet sind, so dass Netze verdrecken und Boote sich festfahren, wenn sie nicht zuvor schon von Dieben gestohlen wurden", sagt Berner. Er erwartet von der Polizei mehr Kontrollen, damit die Diebe nicht noch mehr Schaden anrichten und für Verunsicherung sorgen.

Kormoran-Verordnung nun unbefristet

  • Mit der neuen Verordnung wird wie bisher der Abschuss von Kormoranen in einer Entfernung von nicht mehr als 500 Metern zu Teichanlagen und natürlichen Gewässern, an denen ein Fischereirecht besteht, zugelassen.
  • Schießen dürfen nur Personen, die einen Jagdschein besitzen. Die Verordnung gilt jetzt unbefristet.
  • Um Bestandszunahmen auszuschließen, dürfen Berufsfischer und Teichwirte die Neugründung von Brutkolonien und Schlafplätzen verhindern.
  • Kormorane können in Ausnahmefällen ein Alter von mehr als 20 Jahren erreichen. Der älteste in Deutschland beringte und später lebend beobachtete Vogel war mindestens 21 Jahre alt.
  • In Europa werden jedes Jahr viele Tausende Kormorane durch Abschuss getötet.
  • Neben dem Abschuss gibt es weitere Verfolgungsmaßnahmen. In einem Naturschutzgebiet am Bodensee wurden brütende Kormorane mit Scheinwerfern von ihren Nestern vertrieben.Viele der Eier starben darauf hin in der kalten Nacht ab.

Für den Seddiner Fischer Manfred Mannheim kommt die neue Verordnung zu spät. "Ich musste 1994 zusehen, wie etwa 150 Kormorane in einem Jahr fast den gesamten Aalbestand aus dem Seddiner See holten. Ich durfte nichts machen." Auch er müsste jetzt die Jäger um Hilfe bitten, da er selbst keinen Jagdschein hat. Doch heute kreisen nur noch vier der geschützten Vögel um den Seddiner See herum, da in dem Gewässer für sie kaum noch etwas zu holen sei. Seit etwa zehn Jahren setzt Mannheim im Seddiner See Aale aus, um den Bestand wieder zu erhöhen. Derzeit sei es auf dem Seddiner See sehr ruhig. Ähnlich wäre auch die Situation auf dem Caputher See, den Mannheim ebenfalls abfischt.

Sollten die Kormorane zurückkommen, wird er sich gegen sie wehren müssen. Es muss ja nicht immer gleich der Abschuss sein, meint Mannheim. Kollegen von ihm hätten schon mit Lasergeräten die Vögel verscheuchen können. Das Licht mache die Vögel nervös. Brutnester zu zerstören, hält der Seddiner Fischer für bedenklich. "Wenn die Eier erst einmal im Nest liegen, kann man schwer was dagegen machen." Trotzdem ist Mannheim dafür, die Kormoran-Population auf einem gleichbleibenden Niveau zu halten.

Bei der Herstellung des Gleichgewichts sollte man vielleicht den natürlichen Feind des Kormoran - den Waschbären - nicht außer Acht lassen, überlegt der Fischer. Rund um den Riebener See, den Mannheim früher abfischte, sei ein Waschbär immer auf einen Baum geklettert, um sich aus dem Nest die Eier der Vögel zu holen, sagt er. Besonders während der Brutzeit im Frühjahr wären die Kormorane verstärkt auf Beutezug, um ihre Jungen füttern zu können.

Von Regine Greiner und Heinz Helwig

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